Cybele (grch. Kybsle, auch Kybebe), eine ur⸗ .. phrygische Göttin, Personifikation der mütterlichen Natur, besonders des üppigen Naturlebens der Gebirge und Wälder, welche namentlich in Pessinus unfern vom Berge Dindymon, aber auch in den meisten andern Landschaften Kleinasiens (besonders am Idagebirge, in Lydien, Bithynien und Galatien) verehrt wurde. Als Begleiter der Göttin, deren phrygischer Name Ammay gewesen sein soll, galten die Korybanten, Kureten und idäischen Daktylen, als ihr Liebling der schöne ungling Attis (s. d.), dessen Entmannung und Tod ein mythischer Ausdruck für das alljährige Absterben des blühenden Naturlebens ist. Attis wurde an gewissen Festen mit lauten Klagen gesucht, und nach seinem Vorbilde entmannten auch die Priester der Göttin nicht selten sich selbst. Durch Vermittelung der griech. Kolonien in Kleinasien kam der Kultus der C. auch ziemlich früh nach Griechenland, wo sie mit der ursprünglich kretischen Zeusmutter Rhea (s. d.) identifiziert und gewöhnlich Kdie große Mutter der Göttero, nach ihr geheiligten Orten, namentlich Bergen, aber auch (Agdistis v, «Dindymene v, oder adie idäische Mutter genannt wurde. In Athen wurde ihr am Markte ein Tempel, Metröon (Mutterhaus) .0 errichtet, für welchen Phidias oder sein chüler Agorakritos die Statue der Göttin arbeitete. In Theben hatte der Dichter Pindar ihr einen Tempel errichtet. Nach Rom wurde im zweiten Punischen Kriege (204 v. Chr.) in Gemäßheit eines Ausspruchs der Sibyllinischen Bücher das alte Kultussymbol der Göttin, ein dunkelfarbiger Stein (wahrscheinlich ein Meteorstein) aus ihrem Tempel in Pessinus durch eine besondere Gesandtschaft feierlich eingeholt und fortan der Kultus der Göttin unter dem Namen der großen Mutter, Mater magna, von Staats wegen unter Leitung des Priesterkollegiums (der decemviri sacris faciundis), welches den aus dem Auslande aufgenommenen Götterdiensten vorstand, von einem Priester und einer Priesterin phrygischer Abkunft ausgeübt; auch ward zunächst in Anknüpfung an die Ankunft der Göttin ihr zu Ehren ein Fest, die Megalesien, gefeiert. Doch war den Römern selbst die Teilnahme an den eigentümlichen Bräuchen des Kultus untersagt, obschon diese selbst nur zum kleinern Teil eingeführt waren. In der Kaiserzeit aber kam ein neues Fest hinzu, welches mit den geheimnisvollen Bräuchen und dem wilden Orgiasmus der asiat. Cybelefeiern begangen wurde, und auch die Beteiligung am Cybelekultus ward jetzt immer allgemeiner, insbesondere auch an den Sühngebräuchen der Taurobolien und Kriobolien (Weihungen durch eine Art Taufe mit Stier⸗ und Widderblut), durch welche das sinkende Heidentum gewissermaßen dem Christentume Konkurrenz zu machen suchte. — Die bildende Kunst stellt die C. dar als reichbekleidete Matrone mit einer Turmkrone auf dem Haupte, in der einen Hand das Tympanon, die Handpauke, in der andern bisweilen Kornähren oder auch ein Scepter, sitzend auf einem von Löwen umgebenen Throne oder auf einem mit Löwen bespannten Wagen, bisweilen auch auf einem Löwen reitend. — C. ist auch der Name eines Asteroiden. (S. unter Planeten.) Cybd (Eleonora), Gemahlin von Giovanni Luigi Fiescho (s. d.), Grafen von Lavagna. Eybulsti (Adalbert), poln. Gelehrter, geb. 10. April 1808 in Konin unweit Neustadt bei Pinne in der Provinz Posen, besuchte das posener Mariengymnasium und studierte 1828 — 30 in Berlin Philologie und Geschichte. Nach dem Ausbruche der poln. Revolution ging er nach Warschau, trat ins poln. Heer, geriet in russ. Gefangenschaft und wurde in das Innere Rußlands gebracht. Hier hatte er Gelegenheit sich mit russ. Sprache und Litteratur genau bekannt zu machen. Im . 1834 befreit, kehrte er nach Preußen zurück und bezog, nach einer sechsmonatlichen Festungshaft in Schweidnitz, wiederum die Universität Berlin, um seine Studien fortzusetzen. Er promovierte mit einer Abhandlung De bello Sullanoo und widmete sich vornehmlich den slaw. Litteraturen. Um vollkommene Kenntnis derselben zu erlangen, unternahm er eine wissenschaftliche Reise durch die I Länder, genoß in Prag und Wien den nterricht Schafariks und Kopitars und habilitierte sich 1840 an der berliner Universität als Docent der slaw. Litteratur. Zahlreiche Abhandlungen und Kritiken in poln. Zeitschriften und in der großen poln. warschauer Encyklopädie bekundeten seine gründlichen und umfassenden Kenntnisse. Im J. 1848 nahm er zwar an dem Slawenkongreß in Prag teil, doch blieb er ein entschiedener Gegner des Panslawismus. Im J. 1860 von der preuß. Regierung zum ord. Professor der slaw. Litteratur an der Universität zu Breslau ernannt, lehrte er hier mit großem Beifall und vielem Erfolge bis an seinen am 15. Febr. 1867 plötzlich erfolgten Tod. Von seinen Vorlesungen sind aus seinem Nachlasse die in Berlin 1842 — 45 gehaltenen „Vorlesungen über die neueste poln. Poesien zuerst in poln. Übersetzung (Posen 1870), dann deutsch von Kurzmann herausgegeben (2 Bde., Posen 1880) veröffentlicht worden.