Cyklone oder Wirbelstürme nennt man diejenigen Stürme der tropischen und subtropischen Gegenden, die sich von den gewöhnlichen Stürmen nicht allein durch ihre größere Gewalt, sondern hauptsächlich durch ihre doppelte Bewegung unterscheiden. Je nach den Meeren, wo sie vorkommen, tragen sie verschiedene Namen, in Westindien Orkane, an der Küste von Afrika Torna das, im Chinesischen Meere Teifune. Während bei den gewöhnlichen Stürmen der Wind in gerader Linie oder flacher Kurve weht, bewegt sich ein C. einmal in rotierender Bewegung um einen Mittelpunkt, und dieser schreitet wieder mit großer Geschwindigkeit in einer gekrümmten Bahn vorwärts, die oft bei übergang in die gemäßigten Zonen fast rechtwinkelig umbiegt. Auf der nördl. Halbkugel beginnen die C. gewöhnlich im Südwesten, um ostwärts, auf der südlichen im Nordosten, um westlich zu marschieren. Eine Windhose vom Lande veranschaulicht am besten das Wesen eines C. im kleinen. Bei ihr wirbelt der Staub um einen Mittelpunkt, sie bewegt 77 meist etwas schräg nach vorn gebeugt und zieht bei ihrem Vorschreiten die ihr begegnenden Luftschichten mit in die drebewe Bewegung. Bei C. hält dieser Mittelpunkt isweilen einen Durchmesser von ½ — ½ Meile, in ihm herrscht fast Windstille und ein sehr geringer Luftdruck. Je heftiger sich der Mittelpunkt dreht, je mehr werden die umgebenden Luftschichten in Mitleidenschaft gezogen, und der Durchmesser eines C. kann auf diese Weise 80 — 100 Meilen groß werden. Von der Wut eines solchen C. kann man sich bisweilen keine Vorstellung machen. Es ist vorgekommen, daß auf Barbadoes ein Orkan 24-Pfünder-Kanonen aus einer Batterie aufgenommen und Hunderte von Schritten durch die Luft entführt hat. Ganze Städte und Wälder sind durch C. ind dieG. und verwüstet worden. Für Schiffe son die C. nicht nur durch ihre direkte Gewalt, ondern auch durch die ganz unregelmäßige turm00 See gefährlich, die sie aufwühlen, da die inde auf das Centrum tangential wehen und mithin auf kleinem Raume die verschiedensten Richtungen des Seeganges erzeugen. Seitdem Dove, Reid und andere Physiker dargethan haben, daß die C. in ihrer Bewegung Gesetzen unterworfen duur ist ihre Gefährlichkeit für die Schiffahrt beeutend geringer geworden. Die Drehung des Mittelpunktes erfolgt nämlich ausnahmslos im Norden des Aquators von rechts nach links, also mit dem Zeiger einer Uhr, im Süden dagegen in entgegengesetzter Richtung. Dies und das tangentiale Wehen der Winde auf den Mittelpunkt geben den Seeleuten die Möglichkeit, bei den Anzeichen eines C., die sich in starkem Barometerfall, bräunlicher Färbung der Wolken, wirrer See und elektrischen Erscheinungen kundgeben „die Richtung des Centrums zu ermitteln. Fortdauernde Beobachtungen des Barometerstandes und der Windrichtungen geben ebenso Aufschluß über den vom Centrum beschriebenen Weg, ob es sich nähert, entfernt oder seitlich biegt, und auf diese Weise sind die Seeleute bei nötiger Vorsicht und wenn sie freien Seeraum haben, meistens im Stande, dem C. aus dem Wege zu gehen oder wenigstens seinem gefährlichen Mittelpunkte ferner zu bleiben und sich dadurch vor dem Verluste des Schiffs oder wenigstens der Masten zu bewahren. Am meisten werden die Gegenden zwischen dem 10. und 20. Breitenparallele von C. heimgesucht, namentlich die Westindischen Inseln, die Nähe von Mauritius und Bourbon, sowie das Chinesische Meer. Dort herrschen sie von August bis Oktober vor, bei Mauritius vom Dezember bis April, im Chinesischen Meere vom Mai bis Oktober. Über die 4 der C. ist bis jetzt noch keine genüende Erklärung vorhanden. Nach den ungemein heftigen Gewittererscheinungen, welche sie begleiten, spielt dabei woh. Elektricität eine hervorragende Rolle. Vgl. Dove, «Das Gesetz der Stürmey (4. Aufl., Berl. 1874).