FeedCzirknitzersee
ErdkundeBrockhaus 1882

Czirknitzersee, nach dem Flecken Czirknitz so benannt, im Herzogtum Krain (Ssterreich), 7 Km südöstlich von Adelsberg, gehört zu den merkwürdigsten Erscheinungen des Karstplateau. Schon Strabo gedenkt des Sees. Durch die wundersamen Berichte späterer Schriftsteller, daß man je nach der Jahreszeit in ihm fische, pflüge, säe, ernte und jage, sind die einfachen Naturerscheinungen jener Gegend in das Bereich abenteuerlicher Sagen gezogen worden. Der See liegt in einem Thalkessel ohne Ausgang, südlich vom Javornik, nordöstlich vom Slivinzaberge überragt. Er hat bei hohem Wasserstande etwa 170 qkm Flächeninhalt, eine unregelmäßige Gestalt, eine mittlere Tiefe von 8 und umschließt vier Inseln, auf deren größter das Dorf Ottok liegt. Wie das ganze krainer Plateau aus durchlöcherten, zerspaltenen und durchhöhlten Kalkmassen besteht, so auch der Grund und die Umgebung des C., dabei sich viele natürliche Abzugskanäle vorfinden, die ei trockenem Wetter das Wasser abführen, bei feuchtem Wetter mehr Wasser zuführen, stets aber unterirdische Verbindungen mit benachbarten Gegenden unterhalten, in denen das Wasser des Sees in periodischen Flußläufen wiedererscheint. Dunkle, schwarze Stellen des Wasserspiegels verraten das Dasein solcher Trichter, die vom Bewohner wohl gekannt und verschieden benannt werden, wie z. B. Kessel, Faß, Sieb, Wasserträger, die große und kleine Trommelschlägerin, wegen des dumpfen Widerhalls hinabstürzender Gewässer. Überhaupt finden sich wohl an 40 Stellen, wo das Wasser unterirdisch abläuft und im laibacher Thale als Bistrizza und Baraunizza wiedererscheint. Nach anhaltendem oder heftigem Regen erreicht der See die Höhlen Velka-Karlauza und Mala-Karlauza und durch sie das Thal St. Canzian, nach wiederholtem Verschwinden oberhalb Planina die Unz. Bei zu großem Wasserandrange aber können die Höhlen nicht alles aufnehmen. Dann tritt der See, Dörfer und Felder überschwemmend, aus und erhebt sich bis zu 7 m über den gewöhnlichen Wasserstand; derselbe richtet sich nach der Witterung, sodaß regelmäßige Epochen des Steigens und Fallens nicht stattfinden. In den J. 1707—14 floß der See nur einmal ab, während er vom Jan. 1834 bis Febr. 1835 ausgetrocknet war. Beim Zurücktreten des Wassers wird ein geringer Teil des Seebodens zum Anbau von Früchten, namentlich von Hirse und Heidekorn, benutzt; weit größern Vorteil aber bringen die üppigen Seewiesen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 758Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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