Cherson, Gouvernement in Südrußland, welches im W. an Bessarabien und Podolien, im N. an Kiew und Pultawa, im O. an Jekaterinoslaw und Taurien, im S. an das Schwarze Meer grenzt und den größern Teil von Neuserbien und die westl. Nogay⸗ oder Oczakowsche Steppe begreift, hat einen Flächeninhalt von 71282,3 qkm und (1879) 1765302 C. Das Land ist größtenteils eine trockene, einförmige, gegen N. sich allmählich erhebende Steppe mit fetten Weiden und von mehrern Gewässern und Schluchten durchschnitten. An der Küste ist der Boden dürr und mager, überall mit Eisenteilen geschwängert und, weil sehr viele Salzpflanzen auf ihm wachsen, vorzüglich zur Schafzucht geeignet. Im Innern zeigt sich aber das Land fruchtbar und wird von hohem Gras und aromatischen Kräutern bedeckt. Waldungen sind nicht vorhanden. Das Klima ist gemäßigt, aber nicht beständig. Die Hitze steigt im Sommer bis zu + 30° R. im Schatten, die Kälte im Winter bisweilen bis zu — 28 R. Seit die Russen sich des Landes bemächtigt, wurde vorher das öde und beinahe unbewohnte Land teils durch deutsche, teils durch bulgar. Kolonisten angebaut und bevölkert. Gegenwärtig werden alle Getreidearten gewonnen; auch hat man bei Odessa Versuche mit der Baumwollstaude gemacht, die jedoch kein befriedigendes Resultat geliefert haben. Gemüse, Obst, Melonen mißt, sind unter K aufzusuchen. Mautbe⸗ in Menge und vorzüglicher Güte, und Maulbeer⸗, Pfirsich⸗ und Aprikosenbäume kommen gut fort. Die bedeutendsten Flüsse sind der Dnjepr und der Dnjestr; jener nimmt den Inguletz und Bug auf, welche, wie die beiden Hauptflüsse zur Herbeiführung des mangelnden Holzes, zur Belebung eines wichtigen Handels und zur Ausfuhr des Getreides dienen. Die reichen Weiden ernähren eine große Menge Pferde, Rindvieh und Büfel; sehr wichtig ist die Zucht des Schafs, besonders es breitschwänzigen. Auch Jagd und Fischfang bieten einen 8en 65 Nahrungs⸗ und Erwerbszweig dar. Von Bedeutung ist der ausländische Handel; Hauptgegenstände desselben sind Holz, Schase, T. Talg, Kaviar, Füche Hornvieh, Pferde, Schafe, Tabak und Getreide. Die Bewohner sind Groß-und Kleinrussen, Kosaken, Polen, Serbier, Bulgaren, Moldauer, Griechen, Armenier, Deutsche und Osmanen. C. ward zum Teil erst 1792 im Frieden zu Jassy von der Pforte an Rußland abgetreten und Ifamet jetzt in sieben Kreise: C., Aleksandria, Jelissawetgrad, Ananjew, Odessa, Tiraspol und Nikolaew. Die befestigte Hauptstadt Enn) on liegt am rechten Ufer des Liman des Dnjepr und hat 128079 E. Die vier Hauptteile der Stadt bilden: die Festung mit einer Kirche, der Münze, dem Zeughause und einer Stückgießerei; die Seemagazine und Schiffswerfte; die griech. Vorstadt mit einem Kaufhofe und die Soldatenvorstadt. Die Stadt besitzt zehn Kirchen, ein Gymnasium, ein Seminar, eine ein Dbserpa eine Kreis- und zwei Pfarrschulen, ein Observatorium, 11 Wollwäschereien, 10 Talgschmelzereien, Sägemühlen und andere Fabriken mit einer jährlichen Produktion von 212000 Rubeln. Der Hafen zu C., mit einer gut eingerichteten Auakantänzanitalt, war früher der Hauptkriegshafen für die Flotte des Schwarzen Meers, ist aber jetzt verschlämmt. Jährlich laufen daselbst egen 400 griech. platte Fahrzeuge ein. Die Ausfuhr an Bauholz, Woll⸗ und Holzwaren beläuft sich auf weit über 1 Mill. S.⸗Rubel. Die Stadt ward erst 1778 angelegt und nach dem altgriechischen C. in der Krim benannt. Als 1787 Joseph II. und Katharina II. in C. zusammentrafen, wurde hier unter den glänzendsten Festen ein Bund gegen die Pforte geschlossen. In der Nähe von C. sind die Gräber von Potemkin und Howard. Im Kreise C. liegt oberhalb der Stadt am Dnjepr die Landstadt Berislaw oder Borislaw mit 8078 E., in deren Nähe in den J. 1804 und 1805 die deutschen Kolonien Klosterdorf, Mühlhausen, Schlangendorf und Altschweden am Dnjepr angelegt wurden.