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ErdkundeBrockhaus 1882

Istrien, früher auch Histerreich genannt, eine gefürstete Markgrafschaft des cisleithanischen Teils der Ssterreichisch-Ungarischen Monarchie, welche nebst der Grafschaft Görz und Gradiska und der Stadt Triest samt Gebiet das zum frühern Königreich Illyrien gehörige Verwaltungsgebiet «Küstenlando bildet, grenzt im N. an Triest, Görz und Krain, im O. an Kroatien und den Meerbusen des Quarnero, im S. und W. an das Adriatische Meer, umfaßt nebst den Quarnerischen Inseln 4953,89 qkm und zählt (1881) 292006 E. Die fast ausschließlich kath. Bevölkerung besteht zu zwei Dritteln aus Slawen (Kroaten im Osten, Serben in der Mitte und im Süden und Slowenen im Nordwesten), während das übrige Drittel vorzugsweise in den Städten und an den Küsten dem ital. Volksstamme angehört. J. ist eine buchten-und hafenreiche Halbinsel, die in ihrem südl. Teile spitz zuläuft und mit Einschluß von Triest eine Küstenentwickelung von 430 km darbietet. Es hat einen durchaus steinigen Kalkboden, der indes in den meisten Gegenden für die Kultur gewonnen ist. Am untern Isonzo, südlich von Görz, beginnt im Karst (Carso) ein vielfach zerklüftetes, nacktes und dürres Kalksteinplateau, das gegen Südosten nach Fiume hinzieht und steil gegen den Triester Meerbusen abfällt. Diese Karstbildung herrscht auch in der Halbinsel J. vor, welche im Nordosten am Golf von Quarnero eine hohe Bergkette bildet, dort im Monte-Maggiore 1400 m aufsteigt, und an der Meeresseite steile Felsküsten hat. Die namhaftesten Flüßchen sind der Quieto an der Westküste und die Arsa an der Ostküste. Das Klima ist italienisch warm, überaus trocken, namentlich im Sommer, wo es nur wenig, im Juli und August in der Regel gar nicht regnet. Die Küsten sind den heftigsten Winden ausgesetzt, namentlich dem Sirocco aus Südsüdost und der gefürchteten Bora aus Nordost. Das Land ist reich an ol, Feigen, Südfrüchten, besonders aber an Wein, dessen beste Sorten in den Gegenden von Capo d'Istria, Muggia, Isola, Parenzo und Dignand gebaut werden, und von dem die roten Sorten Refosco und Terrano auch auswärts bekannt sind; ferner an Zucker⸗ und Wassermelonen und an Salz. Die Waldungen liefern jetzt nur noch wenig, aber vortreffliches Schiffbauholz und zur Ausfuhr viel Galläpfel, Knoppern, Eichenrinde, Holzkohlen, sowie die Rinde der Korkeiche (bei Galetand und im Kaiserwalde bei Pola). Die wichtigsten Nahrungszweige der Bewohner sind Schiffbau, Schiffahrt, Fischfang, Seesalzgewinnung, Wein-und Olbau, sowie Viehzucht. Fabriken sind nur wenige vorhanden, dagegen ein großes Steinkohlenbergwerk bei Carpano, sowie Algungruben bei Sovigrano; ferner wird bei Pola Quarzsand für die Glasperlenfabrik in Murano gegraben. Man zählt an der Küste und auf den Inseln 80 Häfen und 30 Reeden. Pola als der Centralkriegshafen der Monarchie ist der wichtigste Seeplatz des Landes. Lussin-Piccolo, eine der Quarnerischen Inseln, ist bedeutend als Sitz der wichtigsten Reede der österr. Handelsmarine, sowie der meisten Werften für größere Seeschiffe. Obschon J. in administrativer Beziehung zu dem Küstenlande gehört, so besitzt es dennoch, als eigenes Kronland,‚ seinen besondern Landtag, der in Parenzo zusammentritt und (nach der Landesordnung vom 26. Febr. 1861) aus 30 Mitgliedern zusammengesetzt ist, aus den 3 Bischöfen, 5 Abgeordneten des großen Grundbesitzes, 8 Abgeordneten der Städte und Märkte, 12 Abgeordneten der übrigen Gemeinden und 2 Abgeordneten der Handelskammer zu Rovigno. Die polit. Einteilung umfaßt sechs Bezirkshauptmannschaften, die gerichtliche 16 Gerichtsbezirke. Die Gerichtsbezirke Mitterburg (Pisino), Castelnuovo und Teile der Bezirke Volosca, Albona und Pinquente (d. i. das sog. österreichische J.) gehörten 1815—66 zum Deutschen Bunde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 698Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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