FeedDalhousie
GeschichteBrockhaus 1882

Dalhousie, eine alte schott. Familie, die angeblich aus Deutschland stammt und zuerst unter David I. (um 1140) erwähnt wird. Historisch merkwürdig ist Sir Alexander Ramsay von Dalwolsey oder D., der 51 in den Kriegen gegen England nach dem Tode Robert Bruces durch seinen Heldenmut auszeichnete und 1342 von dem Ritter von Liddesdale ermordet wurde. Seine Nachkommen erhielten 1633 von Karl I. die schott. Grafenwürde. — George, Graf von D., geb. 1770, war General in der brit. Armee, diente in Spanien und Frankreich und wurde 1815 zum Peer der vereinigten Königreiche erhoben. — Sein Sohn, James Andrew Broun-Ramsay, Marquis von D., geb. 22. April 1812, bekannt als Generalgouverneur von Britisch-Indien, wurde 1832 nach dem Tode seines ältern Bruders George Stammhalter mit dem Titel Lord Ramsay. Er vermählte sich 21. Jan. 1836 mit Lady Susan Hay, Tochter des Generallieutenants Marquis von Tweeddale, und folgte 21. März 1838 seinem Vater als Graf von D. Gleich dem Vater der Torypartei zugehörig, entwickelte er schon bei seinem ersten Auftreten im Oberhause Litungdes U. Talente. Als bald darauf Peel die Leitung des Ministeriums erhielt, ward D. zum Lord-Oberkommissar bei der Generalsynode der schott. Kirche ernannt, ohne jedoch die Zerwürfnisse beilegen zu können, die zur Errichtung der Freien schott. Kirches führten. Im Juni 1843 ward D. Vizepräsident des Handelsamts und Mitglied des Rats, 1845 nach dem Austritt Gladstones Präsident des Handelsamts, verteidigte als solcher im Mai 1846 die Aufhebung der Kornzölle und zog sich dann im Juli mit dem ganzen Ministerium Peel zurück. Den Antrag Russells, in das von ihm gebildete Kabinett einzutreten, lehnte er zwar ab, blieb aber doch in einem freundschaftlichen Verhältnis zu dessen Regierung und ward nach der Abberufung Lord Hardinges zum Generalgouverneur von Ostindien ernannt, wo er schon einen Teil seiner Jugend zugebracht hatte, als sein Vater dort die Stelle des Oberbefehlshabers der Armee bekleidete. Bald nach seiner Ankunft in Indien brach der zweite Pendschabkrieg aus, der durch die Schlachten von 1340 z6 Gunß (13. Jan.) und Guzerate (21. Febr. 1849) zu Gunsten der Engländer entschieden wurde und mit dem Sturze des Sikhreichs endete. Obgleich D. nur mittelbaren Anteil an diesen Erfolgen hatte, die das Heer unter dem Kommando Lord Goughs errang, erhielt er doch auch den Dank des Parlaments und wurde zum Marquis erhoben. Im Dez. 1851 richtete er die . affen gegen die Birmanen, die er nach einer Reihe von Siegen zur Abtretung von Pegu nötigte. Von nun an waren gewaltsame Annexionen an der Tagesordnung: Nagpore, Sattara, Ihansi, Berar, zuletzt Audh wurden dem Britischen Reiche einverleibt. Daneben beförderte D. aber auch nützliche Unternehmungen; er legte den Grund zu einem Eisenbahnnetz, das sich vom Kap Comorin bis zum Indus erstrecken sollte, eröffnete den Gangeskanal, den größten seiner Art in der Welt, und zog Telegraphenlinien von 6400 km Ausdehnung durch Indien. Nach einer achtjährigen Verwaltung verließ er im Mär 1856 mit zerrütteter Gesundheit das Land und star nach langen Leiden auf seinem Stammsitz Dalhousie-Castle 19. Dez. 1860. Ein Mann von großer Energie, genial in seinen Entwürfen und rücksichtslos in den Mitteln, sie auszuführen, that er zur Ausbreitung der brit. Macht in Indien mehr als irgend einer seiner Vorgänger seit . und Wellesley, rief aber auch durch die rechtlose Besitznahme von Audh teilweise die Empörung hervor, die sie in ihren Grundfesten erschütterte. Vgl. Arnold, (History of the Marquis of D.'s administration of British India (2 Bde., Lond. 1863—64). Da der Marquis von D. ohne männliche Nachkommen gestorben war, so erlosch mit ihm das Marquisat, während die alte schott. Grafenwürde auf seinen Vetter, For Maule-Ramsay, überging. Dieser, geb. 22. April 1801 und früher als Sir Fox Maule bekannt, diente anfangs in der Armee unter seinem Oheim, dem Grafen D., nahm aber 1831 den Abschied und trat 1835 ins Parlament, wo er sich den Wighs anschloß. Er wurde nacheinander Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern, Vizepräsident des Handelsamts und 1846 Kriegsminister mit einem Sitz im Kabinett. Seinem Vater folgte er 1852 in dem Titel eines Lord Panmure, verlor aber uhell durch die Auflösung des Ministeriums Russell sein Amt, welches er erst 1855 unter Palmerston wiedererhielt und dann während der Kriege gegen Rußland, Persien und China bis zum Rücktritt des Ministeriums im Febr. 1858 fortführte. Hiermit endete seine polit. Rolle, denn in das von Palmerston im Juni 1859 neugebildete Kabinett wurde er nicht wieder aufgenommen. Er starb 6. Juli 1874 auf seinem Landsitze Brechin-Castle in der schott. Grafschaft Forfar. — Als zwölfter Graf D. folgte ihm sein Vetter George Ramsay, geb. 26. April 1806, Vizeadmiral in der engl. Flotte, der 12. Juni 1875 unter dem Titel Lord Ramsay of Glenmark auch die engl. Peerswürde erlangte. Er starb 20. Juni 1880 auf Dalhousie-Castle bei Edinburgh. — Ihm folgte in der Grafenwürde sein Sohn John William Ramsay, geb. 29. Jan. 1847, der, nachdem er von 1861 bis 1874 in der Kriegsflotte gedient, sich bei den letzten allgemeinen Neuwahlen im J. 1880 als liberaler Politiker einen Namen machte. Vom April bis zum Juli 1880 saß er als Parlamentsmitglied im Unterhause, von wo er dann, nach dem Tode seines Vaters, ins Oberhaus übertrat.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 783Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6