Heinrich I., der erste deutsche König aus dem sächs. Hause, 919 — 936, geb. 876, war der Sohn Ottos des Erlauchten, Herzogs von Sachsen. Schon bei Lebzeiten seines Vaters hatte H. mit glücklichem Erfolg gegen die angrenzenden slaw. Völkerschaften estritten. Nach dessen Tode 912 zum Herzog er30hen, mußte er mit König Konrad J., der ihm einen Teil der geerbten Länder, namentlich Thüringen, entziehen wollte, einen harten, wechselvollen Kampf bestehen, der jedoch zuletzt zu seinen Gunsten ausfiel. Auf dem Sterbebette empfahl Konrad seinen bis⸗ + Gegner H. den deutschen Fürsten als den ürdigsten zur deutschen Krone, und so wurde H. 919, allerdings zunächst nur von den Franken und Sachsen, zu Fritzlar gewählt. Späterer unglaubwürdiger Sage zufolge trafen ihn die Gesandten der Fürsten bei seinem Vogelherde unweit Quedlinburg, weshalb ihm der Beiname des Finklers gegeben worden sein soll. Die Unterwerfung der Schwaben und Bayern gewann er durch kluge Mäßigung, indem er die von ihren Herzögen Burchard und Arnolf gewonnene Machtstellung anerkannte. Lothringen überließ er sogar im Frieden zu Bonn 921 an Frankreich; als aber 923 Karl III. von Frankreich von seinen eigenen Vasallen gefangen genommen worden war, zwang 3 925 den Herzog Giselbert von Lothringen, seine Oberhoheit anzuerkennen. An Eingreifen in die Verhältnisse der einzelnen Herddge tümer und an Beschränkung der Macht der Herzöge konnte H. im übrigen nicht denken; das blieb seinem Sohne Otto I. aufbehalten. Innerer Friede war vor allem notwendig, um sich der Ungarn zu erwehren; 924 verheerten sie Sachsen, nur in fester Burg konnte H. sich bergen, aber ein Anführer der Ungarn wurde gefangen und für dessen Auslieferung ein neunjähriger Friede gegen jährlichen Tribut gewährt. Diese Zeit benutzte H., um die am meisten ausgesetzten Marken vom Harz und der Oker bis zur Elbe durch umwallte Zufluchtsplätze zu schützen, welche die Bevölkerung des Gebiets (Burchward) aufnahmen, wo Vorräte aufbewahrt wurden und für regelmäßig wechselnde Burgwächter gesorgt war. Viele von diesen sind später verschwunden, aus andern Städte erwachsen. Auch schon vorhandene Orte wurden befestigt, aber als Städteerbauer, als Begründer bürgerlicher Ordnung ist H. mit Unrecht von spätern Geschichtschreibern gepriesen. Außerdem war er darauf bedacht, den Ungarn gegenüber eine tüchtige Reiterei zu bilden durch Beförderung der Sitte, größere Lehne nur gegen die Verpflichtung des Reiterdienstes zu vergeben. Nach solchen Vorbereitun-Len fing er den Kampf gegen die Slawen an und ekriegte zunächst die Dur deren Hauptort Brennaborch (Brandenburg) er im Winter 927 nahm. Hierauf wendete er sich gegen die Daleminzier, die sich ihm ebenso wie die Milziener unterwerfen mußten. Zuletzt erlagen die Redarier, die 929 in der mörderischen Schlacht bei Lunkini (Lenzen unweit der Elbe) besiegt wurden. Im J. 933 fühlte H. sich stark genug, den Ungarn den Tribut zu verweigern, worauf sie mit einem Heere erschienen, dessen eine Hälfte westlich gewandt in Thüringen einbrach und dort eine Niederlage erlitt: der andern begegnete der König selbst bei Riade (vielleicht Kalbsried) und gewann einen glänzenden Sieg. Nur unglaubwürdige spätere Sage verlegt diesen Sieg nach Keuschberg bei Merseburg. Seinen Ruhm vermehrte ein siegreicher Feldzug gegen die Dänen, und hochverehrt, mit bedeutend Ren erter königl. Gewalt, starb er 2. Juli 936 in Memeben; begraben wurde er in Quedlinburg. Von seiner Gemahlin Mathilde hatte er drei Söhne, seinen Nachfolger Otto, Heinrich, später Herzog von Bayern, und Bruno, Erzbischof von Köln. Seine Tochter Gerberga war mit Herzog Giselbert von Lothringen, später mit König Ludwig IV. von Frankreich vermählt; Hedwig mit 93. Wal. 2 von Francien, die Mutter Hugo Capets. Vgl. Waitz, (Denl 1837 des Deutschen Reichs unter H. I. (Berl. 1837; 2. Ausg. 1863).