Devonshire oder Devon hat seit Heinrich J. mehrern engl. Geschlechtern den Grafen- und Herzogstitel gegeben. Der erste Graf von D. war Richard de Redvers, zu Anfang des 12. Nabrtedessen Enkelin Hawise sich mit Reginald de Courtenay, Abkömmling der alten franz. Familie dieses Namens vermählte und den Grafentitel auf ihren Gatten übertrug. Im Kriege der beiden Rosen wurde Thomas, der sechste Graf von D., 1466 hingerichtet; sein Bruder und Nachfolger, John, fiel 14. April 1471 bei Tewkesbury. Die Familie ward geächtet und aller ihrer Titel und Güter für verlustig erklärt. Nach der Schlacht von Bosworth ernannte jedoch Heinrich VII. den aus einer Seitenlinie stammenden Edward Courtenay 1485 zum Grafen von D. Dessen Enkel Henry war anfangs ein Günstling Heinrichs VIII., der ihn 1525 zum Marquis von Exeter erhob, 9. Jan. 1531 aber hinrichten ließ. Sein Sohn Edward ward nach der Thronbesteigung Marias wieder als Graf von Devon oder D. anerkannt und sollte erst die Königin selbst, dann ihre Schwester Elisabeth heiraten, starb aber unverehelicht 4. Okt. 1556 zu Padua, worauf der Titel als erloschen betrachtet und erst an Charles Blount, Lord Mountjoy, dann an das Haus Cavendish verliehen wurde. Ein weitläufiger Verwandter des letzten Grafen, Sir Philip Courtenay auf Powderham-Castle, pflanzte jedoch das Geschlecht fort, und ein Nachkomme von ihm, William, wurde 1762 zum Viscount Courtenay ernannt. Nachdem es sich aus dem von Maria unterm 3. Sept. 1553 an Edward Courtenay verliehenen Patent ergeben auf daß die Würde eines Grafen von Devon auch auf die Kollateralerben in männlicher Linie ausgedehnt worden, setzte das Oberhaus durch Beschluß vom 15. März 1831 die Familie Courtena in ihre alte Würde wieder ein. Der jetzige Graf, William Reginald, geb. 14. April 1807, saß seit 1841 für South-Devon im Unterhause, war Kanzler des Herzogtums Lancaster und Präsident der Armenverwaltung und folgte seinem Vater 1859 in der Peerage. Von der Familie Cavendish (s. d.) war William, Baron Cavendish von Hardwick, gest. 1625, der erste, der 1618 von König Jakob I. den Titel eines Grafen von D. erhielt. — Sein Urenkel William, vierter Graf von D., Lord-Lieutenant der Grafschaft Derby, war ein eifriger Anhänger des Prinzen von Oranien, wofür ihn König Wilhelm III. 1694 zum Marquis von Hartington und Herzog von D. erhob. Dem ersten Herzog, der als Sberhofmeister der Königin Anna 18. Aug. 1707 starb, folgte als zweiter Herzog von D. und auch in der Hofwürde, die seitdem in dieser Familie fast erblich ward, sein ältester Sohn William. Dieser, der 15. Juni 1729 starb, hinterließ aus seiner Ehe mit Rachel Russell, der Tochter des enthaupteten Lord William Russell, drei Söhne, von denen der jüngste, Charles, der Vater des berühmten Chemikers Henry Cavendish (s. d.) wurde.— Der älteste Sohn, William, geb. 1698, dritter Herzog von D., war 1736—45 Vizekönig von Irland, Lord-Lieutenant von Derbyshire, und starb 5. Dez. 1755. — Sein ältester Sohn, William, vierter Herzog von D., geb. 1720, wurde 1754 Lord-Lieutenant der Grafschaft Cork in Irland, 1755 Vizekönig von Irland, 1756 erster Kommissar des Schatzamtes und Lord-Lieutenant von Derbyshire, 1757 auch Oberkammerherr, welche Würde er jedoch unter dem Ministerium Bute niederlegte, und starb 28. Sept. 1764 zu Spaa. — Sein ältester Sohn, William, fünfter Herzog von D., geb. 14. Dez. 1748, blieb, wie die ganze Familie, den Whigs treu und befand sich daher während des größten Teils der Regierung Georgs III. in der Opposition, ohne jedoch persönlich eine hervorragende Rolle zu spielen. Seine erste Gemahlin, Georgiana, Tochter des Grafen Spencer, geb. 9. Juni 1757, glänzte ebenso sehr durch Schönheit und Liebenswürdigkeit wie durch Geist und Bildung und erlangte auch durch ihr lebhaftes Interesse an den Parteikämpfen der Zeit Ruhm und Einfluß. In der Geschichte und Litteratur bewandert und selbst poetisch begabt, schrieb sie unter anderm auf einer Reise in die Schweiz ein den Übergang über den St. Gotthard schilderndes Gedicht, das sich durch Reinheit und Eleganz der Form so- wie durch lebhafte Phantasie auszeichnete. Mit einer franz. Übersetzung wurde dasselbe von Delille (Par. 1802) herausgegeben. Sie starb 30. März 1806. In zweiter Ehe vermählte sich der Herzog 1809 mit Elisabeth Hervey, Tochter des vierten Grafen von Bristol. Diese war zuerst mit John Thomas Foster verheiratet, dem sie zwei Kinder gebar; ihre zweite Ehe blieb kinderlos. Sie verließ indes 1815 nach ärgerlichen Familienauftritten London und wendete sich nach Rom, wo ihr Haus bald der Sammelplatz aller ausgezeichneten Männer, besonders der Künstler und Gelehrten, wurde. Die Übersetzung der «Aneider des Virgil von Annibale Caro ließ sie mit einer Reihe von den bedeutendsten Künstlern entworfener Kupferstiche in 150 Exemplaren drucken (2 Bde., 1818), die sie an Freunde, Fürsten und große Bibliotheken verschenkte. Auf gleiche Weise erschienen durch sie die Illustrationen der fünften Satire des Horaz und des Gedichts der Herzogin Georgiana. Sie starb 30. März 1824, als sie mit Illustrationen zum Dante beschäftigt war. Dem Herzoge, der 11. Juli 1811 gestorben war, folgte als sechster Herzog von D. sein ältester Sohn William Spencer Cavendish, geb. 21. Mai 1790, der ebenfalls die whiggistischen Traditionen seiner Familie aufrecht hielt. Vom Mai 1827 bis Febr. 1828 und zum zweiten mal 1830— 31 bekleidete er das Hofamt des Lord-Kämmerers. Seine Kunstsammlungen gehörten zu den ausgezeichnetsten in England. Einzig in ihrer Art waren seine Treibhäuser in Chatsworth, dem Landsitz der Familie in Derbyshire, die unter Leitung von Paxton (s. d.) erbaut wurden. — Da er unvermählt geblieben war, folgte ihm nach seinem Tode (18. Jan. 1858) als siebenter Herzog von D. sein Vetter William Cavendish, Graf von Burlington, der Enkel Lord George Cavendishs, eines jüngern Sohns des vierten Herzogs, der 1831 die Grafenwürde erhalten hatte. Derselbe wurde 27. April 1808 geboren, studierte auf der Universität Cambridge, die er 1829—30 im Unterhause vertrat, rund war nachher Parlamentsmitglied für Nord-Derbyshire, bis er 1834 beim Ableben seines Großvaters ins Oberhaus gelangte. Von der Univer⸗ „ität London, zu deren Gründung er durch Rat und That beigetragen, war er 1836 zum Kanzler erwählt worden, welche Stellung er bis 1856 einnahm. Nach dem Tode des Prinzen Albert folgte er demselben als Kanzler der Universität Cambridge. Eine bedeutendere polit. Rolle spielte sein ältester Sohn, Spencer Compton Cavendish, Mar⸗ (9NqSfuis von Hartington. Geb. 23. Juli 1833, trat dieser, nachdem er in Eton und Cambridge seine Erziehung empfangen, 1857 als Mitglied fur Lancashire ins Parlament und machte sich zuerst bekannt durch Beantragung des Mißtrauensvotums, welches 7. Juni 1859 den Sturz des Ministeriums Derby herbeiführte. Nachdem er den Posten eines Lords der Admiralität bekleidet, war er 1863—65 unter Lord Palmerston Unterstaatssekretär im Kriegsministerium, dann unter dem Ministerium Russell-Gladstone Kriegsminister (bis Juli 1866). Nach dem Falle der Konservativen im Dez. 1868 kehrte er unter Gladstone als Generalpostmeister ins Amt zurück, welche Stellung er Jan. 1871 mit der des Hauptsekretärs für Irland vertauschte. Ohne weder als Politiker noch als Redner Talente ersten Ranges zu offenbaren, hatte er sich doch durch seine parlamentarische Laufbahn eine so angesehene Stellung geschaffen, daß er, als Gladstone nach dem plötzlichen Sturze seines Ministeriums im Febr. 1874 die Führerschaft der liberalen Partei niederlegte, fast einstimmig an dessen Stelle gewählt wurde. In dem schwierigen Posten, der ihm so als Führer einer geschlagenen, entmutigten Partei zufiel, entwickelte Hartington nun von Jahr zu Jahr immer bedeutendere staatsmännische Gaben, die, von Freunden und von Gegnern gleichmäßig anerkannt, ihm die Aussicht auf die höchsten Würden in dem kommenden liberalen Ministerium öffneten. In der That wurde, nach dem Sturz des Ministeriums Beaconsfield im April 1880, zuerst Hartington in Gemeinschaft mit Lord Granville, dem liberalen Führer des Oberhauses, von der Königin mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt; doch ordnete er ohne Bedenken seine Ansprüche dem unverkennbaren Üübergewicht Gladstones unter, der inzwischen wieder in die polit. Arena zurückgekehrt war. In dem Ministerium Gladstone bekleidete er seitdem das wichtige Amt des Ministers für Indien und bethätigte in demselben seine überlegene staatsmännische Tüchtigkeit durch die Entschiedenheit und Kraft, womit er den von seinem Vorgänger ihm hinterlassenen Krieg gegen die Afghanen beendete und die zerrütteten Finanzen des großen Ostreichs herstellte. Sein jüngerer Bruder, Lord Frederick Cavendish, geb. 1836, studierte im Trinity-College zu Cambridge, war von 1859 bis 1864 Privatsekretär bei Lord Granville, dem damaligen Präsidenten des Staatsrats, und wurde 1865 für den Westriding von Horkshire ins Unterhaus gewählt. Im J. 1872 ernannte Gladstone ihn zu seinem Privatsekretär und 1873 zum Lord der Schatzkammer, eine Stelle, die er indes schon 1874 bei dem sall des Ministeriums Gladstone wieder verlor. In dem zweiten Ministerium Gladstone (April 1880) zum Finanzsekretär der Schatzkammer befördert, entwickelte Cavendish ein so glänzendes administratives Talent und zugleich eine so edle unermüdliche Pflichttreue, daß Gladstone ihn 4. Mai 1882 zum Nachfolger Forsters in dem wichtigen und gerade um jene Zeit besonders schwierigen Posten des Generalsekretärs für Irland ernannte. Doch schon 6. Mai fiel er, während eines Spaziergangs im Phönix-Park in Dublin mit Mr. Burke, dem permanenten Unterstaatssekretär für Irland, durch die Messerstiche gedungener Mörder, welche dann auf einem bereit gehaltenen Wagen entflohen. Lord Frederick Cavendish war seit 1864 mit inch Caroline, Tochter Lord Littletons, verheiratet, star