Canning (Charles John, Graf), engl. Staatsmann, Sohn des vorigen, geb. 14. Dez. 1812 in London, erhielt seine Bildung im Christchurch-College zu Oxford, wo er Gladstone und die Lords Dalhousie und Elgin zu Studiengenossen hatte. Nachdem er 1836 als Abgeordneter für Warwick ins Unterhaus getreten war, berief ihn schon im folgenden 8 der Tod seiner Mutter mit dem Viscountstitel ins Oberhaus. Er schloß sich den Konservativen an, wurde 1841 im Ministerium Peels Unterstaatssekretär des Auswärtigen und im Jan. 1846, nach dem Ausscheiden der Protektionisten, Oberkommissar der Wälder und Forsten. Doch fehlte ihm die Redegabe seines Vaters, und jene untergeordneten Amter boten ihm keine Gelegenheit sich auszuzeichnen. Im J. 1851 fungierte er als Präsident der Jury der großen Industrieausstellung, 1853 übernahm er im Ministerium Aberdeen das Amt des Generalpostmeisters, das er auch seit 1855 unter Palmerston fortführte, bis er von letztern an Lord Dalhousies Stelle 1856 zum Generalgouverneur von Indien ernannt wurde. Am 1. März 1856 trat C. die Regierung Indiens an; ein Jahr später brach die große Sipoyempörung aus, die len rasch über das ganze Land fortpflanzte. In dieser kritischen Lage legte C. Eigenschaften an den Tag, die niemand bisher in ihm vermutet hatte. * in den schlimmsten Zeiten des Aufruhrs blieb er kaltblütig und gefaßt und ließ sich weder durch die dringende Gefahr noch durch das Rachegeschrei der Presse zu übereilten Maßregeln hinreißen. Wo es nötig war, schritt er mit äußerster Energie ein, ließ aber zur rechten Zeit auch Versöhnlichkeit walten, und diese mit Milde gepaarte Strenge war es, nächst der Tapferkeit des Heers, welche Indien 1b England rettete. In zwei Nahrn war die furchtbare Empörung gedämpft. C. erhielt den Dank beider Parlamentshäuser, die Grafenwürde und den Titel eines Vizekönigs von Aufaab⸗ worauf er sich der fast noch schwierigern ufgabe widmete, die Wunden des Landes zu heilen und Ordnung in die zerrütteten Finanzen zu bringen. Erst nachdem ihm beides in unerwartetem Maße gelungen, verließ er den Schauplatz seiner Thätigkeit und landete im April 1862 in England, starb aber schon 17. Juni 1862 zu London. Mit ihm erlosch seine Peerage; die Güter erbte der zweite Sohn seiner an den Marquis von Clanricarde verheirateten Schwester (geb. 1804, gest. 1876), Lord Hubert de Burgh, der den Namen C. annahm.