Damascus, türk. und arab. Dimeschk e' [Schäam, Hauptstadt des türk. Vilajets Syrien und des Sandschaks Scham-i-Scherif, ist Sitz eines [Valy (Generalgouverneurs) und Hauptquartier des Stabes der 5. Ordu (Armeekorps) und liegt 700 müber dem Meere, in einer Ebene am Fuße des Antilibanon und an dem diesem entströmenden Barada (Chrysorrhoas oder Bardines der Alten), dessen Arme die Stadt und Umgegend reichlich bewässern. Die Umgegend, die nur 440 akm einnehmende Ebene Ghutah, wird der Uppigkeit und Pracht ihrer Vegetation, der herrlichen Obst- und Orangenhaine, der prangenden Gärten und reichen Fluren wegen von Abulfeda als das erste der vier irdischen Paradiese, die Stadt selbst von Kaiser Julian als das Auge des ganzen Orients bezeichnet. D. hat etwa 7 km im Umfange, ist von einer Mauer mit sechs Thoren umschlossen und gewährt durch die Menge seiner Kuppeln und Minarets von außen einen imposanten Anblick, dem jedoch das Innere keineswegs entspricht. Dies besteht aus einem Labyrinth enger und krummer, schlecht oder nicht gepflasterter Gassen voll Staub, Schmutz und herrenloser Hunde. Die breiteste, längste und schönste Straße ist Tarikel-Mostakim (gerade Straße), in welcher man noch das Haus zeigt, worin der Apostel Paulus (s. 9. seine Wohnung genommen, und welche ostwärts u dem Paulusthore führt, einem altertümlichen Baue aus kolossalen Quadern, wo auch noch Häuser auf der Mauer stehen, wie zur Zeit, wo der Apostel durch ein solches über die Mauer hin zur Stadt hinausgelassen wurde. Auch andere Gebäude werden mit dem Apostel in Verbindung gebracht, der auf der Straße nach D. seine innere Umkehr erfuhr. Während die Häuser mit ihren kahlen Lehmwänden von außen unansehnlich erscheinen, enthalten sie doch im Innern nicht selten geschmackvolle Gemächer und Hallen, Höfe und Gärten mit Wasserbecken, Springbrunnen, Blumen und Obstbäumen. Die Wasserleitungen der Stadt sind ausgezeichnet. Der Barada tritt durch einen prächtigen alten Aquädukt auf 360 Bogen in die Stadt ein. An der Westseite von D., außerhalb der Mauer, steht die Citadelle, die, angeblich aus der Zeit der Kreuzfahrer und mit Türmen und starken Mauern versehen, eine kleine Stadt für sich bildet. Die Vorstädte sind zum Teil schöner als die Stadt selbst, darunter Salahieh, 2 km westlich am Fuße des Antilibanon in reizender Hügel- und Gartenumgebung gelegen und durch eine Reihe von Landhäusern mit der Stadt verbunden, der Sommersitz der Reichen und Europäer. Von den 120000 E. ist etwa ein Viertel nichtmohammedanisch, die übrigen sind Syrer, Türken, Araber und Drusen, ein durch seinen christenfeindlichen Fanatismus von jeher berüchtigtes Volk. Unter den zahlreichen Moscheen zeichnet sich durch Umfang und ihre sieben Minarets die Hauptmoschee, die Dschami der Omajjaden, aus, die ursprünglich als Kirche vom Kaiser Heraklius an Stelle eines duuh Tempels Johannes dem Täufer erbaut, durch Timur ihrer ursprünglichen Pracht beraubt wurde und außer einer noch erhaltenen Gedenkstätte des heil. Johannes auch noch das Koranexemplar des Kalifen Othman bewahrt. Unter den Christen sind am zahlreichsten die nichtunierten Griechen mit zwei Kirchen und fünf Schulen, und fast ebenso zahlreich die unierten Griechen oder Melchiten, die hier einen Patriarchen, eine Kirche und zwei Schulen haben. Dazu kommen unierte Jakobiten, Nestorianer (Chaldäer), Armenier, eine Anzahl Maroniten und Kopten. Die Römisch-Katholischen haben drei Klöster. Die amerik. Presbyterianer unterhalten eine Mission mit einer Blindenschule und zwei Schulen in der Vorstadt Meidan. Die Juden, 7—8000 oder weit mehr, besitzen zehn Synagogen und bewohnen, wie auch die Christen, ein eigenes Viertel. Die früherhin hochberühmten mohammed. Anstalten für Gelehrtenbildung sind ganz in Verfall geraten, und die öffentlichen Bibliotheken in den Medressen besinden sich in völliger Unordnung. Die Umgegend produziert noch wie vordem in Fülle Fleisch, Gemüse und Früchte. Die Fertigung der weltberühmten Damascener Klingen findet nicht mehr statt, seitdem Timur die Waffenschmiede nach Samarkand fortführte. Seit Eröffnung des Suezkanals sind Handel und Wohlstand der Stadt sehr zurückgegangen. Ihren frühern Reichtum und den Ruf als Hauptemporium der Levante verdankte sie ihrem bedeutenden Transithandel mit Mesopotamien und Persien; derselbe hat in neuester Zeit den sicherern und billigern Seeweg durch das Rote Meer und den Persischen Golf eingeschlagen, sodaß sich der heutige Karawanenverkehr mit Bagdad auf den Austausch einiger weniger Erzeugnisse des syr. und pers. Gewerbfleißes und Bodens beschränkt. Diesem Verfall des Durchfuhrhandels entspricht das heutige Aussehen der Baare. Äußerlich sind sie zwar gut erhalten und auf Veranlahung Midhat Paschas stellenweise noch verschönert worden, aber ihr Inhalt, hauptsächlich aus baumwollenen Fabrikaten der Manchester-Industrie bestehend, gibt ein recht ärmliches Bild; von den kostbaren Erzeugnissen des Orients und des Occidents, die einst zu gewinnreichem Austausche hier zusammenströmten, gewahrt man heute fast nichts mehr. Die Industrie dagegen leistet noch immer Hervorragendes, namentlich in der Herstellung von gold- und silberdurchwirkten feinen Seidenzeugen, von wollenen, baumwollenen und halbseidenen Kleiderstoffen und Lederwaren der mannigfaltigsten Art, und versendet diese Fabrikate nach allen Teilen der Türkei. Bemerkenswert sind auch die allgemein geschätzten Juwelier-, Gold⸗, Silber- und Messingarbeiten, sowie die selbst in Europa sehr beliebten Möbel mit Perlmuttereinlagen, die, einzig in ihrer Art, das charakteristische Fabrikat der Stadt ausmachen. Erwähnenswert ist noch die in großem Maßstabe betriebene Seifen- und Leimsiederei. Die Ausfuhr besteht aus den Erzeugnissen der Deue Industrien, sowie aus Wolle, Hanf, Droguen, Getreide, Mehl, Häuten, Rosinen, getrockneten Aprikosen, Aprikosenkernen und eingemachten Früchten. Unter den großen Chans oder Versammlungshäusern der Kaufleute zeichnet sich besonders einer aus, der in einem großen Gebäude mit sechs Kuppeln besteht. Monatlich einmal trifft eine Handelskarawane von Aleppo ein, und in jedem Jahre gegen Mitte des Monats Schawal versammelt sich hier die Pilgerkarawane nach Mekka; doch hat diese viel von ihrer frühern Bedeutung verloren, da die meisten Pilger jetzt zu Schiffe nach Mekka ziehen. Eine Kunststraße verbindet D. mit Beirut. D. gilt nächst Mekka für die heiligste Stadt und heißt das Thor Mekkas, weil die Hadsch-oder Pilerstraße keine weitere Stadt, sondern nur eine nzahl Festen berührt. Die Witterungsverhältnisse in Verbindung mit den nie versiegenden Gewässern der Ghutah sind der Obstzucht ganz besonders förderlich, die in großartiger Weise um die Stadt her betrieben wird. Berühmt ist vorzüglich die schon im Altertum gepiesene große Damascener Pflaume, welche jetzt durch das ganze mittägliche Europa verbreitet ist, ebenso die Damascener Rose, auf einem bis 3mhohen Stocke, von sehr angenehmem Geruche, aus welcher Rosenöl bereitet wird. Die Damascener Trauben, weit berühmt, gehören zu jener großen Gattung, die auch bei Konstantinopel (Skutari) gezogen wird und dort als Dschauß-Usüm bekannt ist. Die Geschichte von D. geht in die ältesten Zeiten zurück. Schon zu Davids Zeiten war es politisch wichtig als die Residenz eines der kleinen Reiche, in welche Syrien damals zerfiel. Von David wurde D., weil dessen Beherrscher dem Könige von Zoba Hilfe geleistet, unterjocht. Doch schon unter Salomo machte es sich vom Reiche Juda unabhängig, dem es aber später im Kampfe gegen Israel beistand. Der König Hasael hob D. auf den höchsten Gipfel des Glanzes und der polit. Größe. Derselbe war glücklich im Kampfe gegen die Könige von Israel und Juda; doch schon sein Sohn Benhadad III. wurde Israel tributpflichtig. Noch einmal suchte sich D. um 800 v. Chr. zu erheben, was den völligen Untergang des damascenischen Reichs zur Folge hatte. Die Stadt behielt indes auch unter der Herrschaft Assyriens, Babyloniens und Persiens Hardele 2 nicht geringe Bedeutung durch ihren Handel. Nach dem Siege Alexanders d. Gr. bei Issus geriet es mit Syrien in dessen Gewalt und nach seinem Tode unter die Herrschaft der Seleuciden, welche aber ihre Residenz nach Antiochien verlegten. Um 111 v. Chr., bei der Teilung des seleucidisch-syr. Königreichs wurde D. wieder eine Zeit lang der Sitz des Königs Antiochus Cyzicenus. Nach mancherlei Wirren, Thronstreitigkeiten und Kriegen unter den Herrschern Syriens kam die Stadt 64 v. Chr. durch Pompejus in die Gewalt der Römer, die es durch eigene Könige regieren ließen, und unter denen die Stadt von neuem aufblühte und Einfluß gewann. Später wurde D. der Sitz eines Bischofs und dem Oströmischen Reiche einverleibt, im Aug. 635 aber von dem Kalifen Omar nach zweimonatlicher Belagerung erobert, der nun hier und zu Mekka abwechselnd residierte. Moawijja, der Stammvater der Omajjaden, verlegte seinen Sitz hierher, und seine Nachkommen residierten von 660 bis 750 daselbst. D. wurde hierauf durch Statthalter verwaltet, von denen mehrere ein eigenes Sultanat begründeten. So ward es der Sitz der Tuluniden im 9., der Fatimiden im 10., der Seldschuken im 11. Jahrh. Heftige Kämpfe murden auch während der Kreuzzüge um den Besitz der Stadt geführt. Im J. 1154 von Nureddin erobert und mit Aleppo und Agypten vereinigt, kam D. nach Nureddins Tode (1174) in die Gewalt Saladins, der hier 3. März 1193 starb. Nach Saladins Tode teilte D. meist gleiches Los mit Aleppo und Agypten. Am 24. März 1401 wurde die Stadt von den Mongolen unter Timur erobert und verbrannt, wegen ihrer wichtigen Lage für den Handel des Orients aber von neuem aufgebaut. Später waren die Mamluken als Herrscher Agyptens auch Herren von D., bis es 4. Okt. 1516 Sultan Selim I. eroberte. Am 15. Juni 1832 besetzte es Mehemed-Ali durch seinen Sohn Ibrahim Pascha und erhielt es 1833 mit Syrien und Palästina von der Pforte abgetreten, mußte es aber 1840 wieder an dieselbe zurückgeben. D. war 1860 Schauplatz einer furchtbaren Niedermetzelung der Christen durch die Drusen, die vom 9. bis 16. Juli dauerte. (S. Syrien.) Vgl. Petermann, «Reise im Orient » (Bd. 1, Lpz. 1860); Porter, «Eive years in D.v (2. Aufl., Lond. 1870). Damasia war eine Ansiedelung des Vindelicischen Stammes der Licaten; nach einer Annahme der ältere Name der spätern Römerstadt Augusta Vindelicorum, nach andern das jetzige Hohenembs im obern Rheinthale.