Diarbekr, früher von den Türken Kara Amid genannt, arab. Amid, die Hauptstadt des gleichnamigen asiat.⸗türk. Vilajets, Sitz des Generalgouverneurs (Waly), die eigentliche räumliche Mitte des gesamten heutigen türk. Asien, gleichweit entfernt von Basra (Bassorah) im Mündun Sgebiet des Euphrat-Tigris (Schatt el Arab) und Konstantinopel, als vom nächsten Küstenpunkt des Mittelmeers (dem innern Winkel des Meerbusens von Alexandrette) und von der jetzigen russ. Grenze. Sehr pittoresk auf einer über 30 m hohen basaltischen Felsmasse gelegen, welche steil zum rechten Ufer des von einer Steinbrücke überspannten Tigris abfällt, von alten Mauern und außerhalb derselben von ausgedehnten Blumengärten umgeben, ist es seit lange der bedeutendste Ort auf der weiten Hochebene, die das Quellgebiet des Tigris umfaßt. D. hat 6 Kirchen, gegen 20 Moscheen, viele (darunter einige größere) Bäder, aus alter Zeit stammende, zum Teil ausgedehnte Bazare, zählt noch 40000 E. (früher viel mehr) und ist der Sitz mehrerer Häupter der armen. und griech. Geistlichkeit, eines engl. Konsuls und franz. Shinle und einw besitzt in neuester Zeit eine armen. Schule und ein wöchentlich ein⸗ bis zweimal erscheinendes, in arab. und türk. Sprache gedrucktes Journal, das den Namen der Stadt (Diarbekro) führt. In dem im Frühjahr 1882 festestellten Entwurf für ein türk.⸗asiat. Eisenbahnnetz nt D. als ein Hauptpunkt. Seine Lage betimmt es nicht nur zum Durchgangspunkt des kunftigen Verkehrs auf Schienenwegen zwischen Kleinasien und Mesopotamien, sondern zugleich auch zur Vermittelung zwischen Armenien und Syrien. Endlich wird von hier aus auch der Tigris (Schatt) stromabwärts mit aus aufgeblasenen Hammelfellen beranren. etzten Flößen, sog. Keleks, bis Bagdad befahren. Die Fabrikate D.s sind zwar größtenteils durch europ. Manufakturen verdrängt, haben aber immer noch eine gewisse Bedeutung. amentlich fabriziert man noch gelben und roten Maroquin, Baumwoll⸗ und Seidenstoffe, kupferne 595 f6 Pfeifenköpfe und Sebils. ist an der Stelle des alten Amida erbaut, welches, seit etwa 230 röm. Kolonie, schon seit 325 als christl. Bischofssitz genannt, im 4. Jahrh. von Kaiser Konstantinus erweitert und befestigt wurde. Nachdem die Stadt die wechselvollsten Schicksale erfahren, war sie ein dynaie, wn hindurch Sitz der turkoman. Orlokidendynastie, welche sie 1183 an Saladin und 1232 an dessen Neffen Mulak al Kamel von Agypten verlor. Seit 1375 gehörte sie der Turkomanendynastie vom Schwarzen Hammel. Nachdem sie 1394 von Timur erobert und verheert worden, kam sie nach dessen Tode (1405) an die Turkomanen vom Weißen Hammel, denen sie 1507 vom Schah Ismael Sofi von Persien entrissen wurde. Im Okt. 1515 eroberte Sultan Selim I. die Stadt; seitdem verblieb sie unter türk. Scepter.