FeedDampfleitung
TechnikBrockhaus 1882

Dampfleitung (frz. conduite de vapeur, engl. ö steam-conduit) nennt man die Einrichtung, welche dazu dient, um den Dampf von seinem Erzeugungsorte den verschiedenen Verbrauchsstellen 11.— maschinen, Dampfkochapparaten u. s. w.) zuzufü ren; man verwendet hierzu im allgemeinen gußeiserne Flanschrohre, welche untereinander mit Einfügung der dem Verlauf der Rohrleitung entsprechenden Knierohre dampfdicht verschraubt werden. Leitungen von geringerm Durchmesser werden auch aus schmiedeeisernen Rohren mittels schmiedeeiserner Flanschen zusammengesetzt, kürzere, vielfach ekrümmte IoeteHi wohl auch aus kupfernen Rohren gebildet. Die D. wird 8. abie an dem höchsten Punkte des Dampfkessels, also am obern Teile des Dampfdomes angebracht, an welcher Stelle sich stets ein Dampfabsperrventil befinden Sind mehrere Kessel zu einem Betriebe vereinigt und erhalten dieselben demgemäß eine gemeinsame D., so ist es erforderlich, in dem Dampfleitungsrohre jedes einzelnen Kessels ein Ventil zum gänzlichen Abschlusse desselben anzubringen. Die Leitung selbst hat scharfe Biegungen zu vermeiden und erhält zweckmäßig vom Absperrventil aus Gefälle zu der Verbrauchsstelle und dort an der tiefsten Stelle eine Entwässerungsvorrichtung, welche dazu bestimmt ist, das durch Abkühlung des Dampfes sich aus dems elben bildende Kondensationswasser aus den Dampfrohren so abzuleiten, daß hierbei kein Dampfverlust entsteht. (S. Dampfsparapparat.) Bezüglich der Ausführung der gußeisernen Dampfleitungsrohre ist zu bemerken, daß man die Wandstärken derselben nicht gern unter 10 mm macht. Die der Wandstärke entsprechend dimensionierten Flanschen werden genau rechtwinkelig zur Rohrachse abgedreht und erhalten auf dieser Fläche drei bis vier konzentrische feine Furchen eingedreht, um dem zwischen zwei miteinander zu verschraubenden Flanschen eingelegten Dichtungsmaterial genügenden Halt zu geben. Als solches dient hauptsächlich dicker, steifer Mennigkitt für sich oder auf Scheiben von Messingdrahtgewebe geknetet, wobei die Maschen des letztern zum Zurückhalten des Dichtungsmaterials dienen. Sehr viel verwendet man auch vulkanisierte Kautschukscheiben, mittels deren sich eine reinliche, rasche und haltbare Dichtung herstellen läßt; ebenso Bleischeiben und, wo es (wie bei Dampfheizungen u. s. w.) darauf ankommt, die Räume vor den durch die Kitte erzeugten Dünsten freizuhalten, Kupferringe von 3—4 mm Durchmesser des Drahts, in tiefere Furchen der Flanschen eingelegt und kräftig verschraubt. In neuerer Zeit ist die Asbestdichtung vielfach in Aufnahme gekommen; dieselbe geschieht mittels Scheiben von Asbestpappe, welche aus Asbestfasern hergestellt ist und filzige Struktur zeigt. Ulmm die Dampfrohre vor Wärmeausstrahlung zu schützen, werden dieselben mit schlechten Wärmeleitern umhüllt und es sind hierfür verschiedene Wärmeschutzmittel in Anwendung. Einfach und billig ist eine im wesentlichen aus Lehm und Kälberhaaren bestehende Masse, welche in knetbarem Zustande etwa 65 mi dick um die Röhren geschlagen wird. Weiter verwendet man Filz, mit Kautschuk getränkt, um die Rohre gelegt und festgeschnürt; Baumwollabfälle oder die neuerlich beliebt gewordene S lackenwolle, dick aufgelegt und mit Packtuch eingenäht; ferner Thonröhren oder Röhren aus einer besondern Isoliermasse, in einzelnen Fagonstücken um das Dampfrohr gelegt und durch Drähte festgehalten, oft noch mit Strohseilen umwickelt, und schließlich als eins der besten Schutzmittel Stroh allein, 15 mm dick schlicht aufgelegt und mit Strohseilen dicht umwickelt. Bei langen Leitungen ist noch die Ausdehnung des Metalls durch die Wärme zu berücksichtigen, da sonst leicht bei eintretenden Temperaturänderungen Rohrbrüche die Folge der ungleichmäßigen Ausdehnung sein würden. In solche Leitungen müssen daher Kompensationsvorrichtungen eingeschaltet werden, welche dens elben in ihrer Achsenrichtung eine gewisse Beweglichkeit gestatten, damit sie den wechselnden Ausdehnungen Folge geben können. Derartige Vorrichtungen werden Kompensatoren genannt. Die beistehenden Figuren 1, 2 und 3 zeigen drei verschiedene Formen derselben. Der in Fig. 1 dargestellte Kompensator erklärt sich am leichtesten, wenn man ihn als Stopfbüchse betrachtet, welche ein erweitertes Rohr büber einem einges obenen, dünnern Messing-oder Kupferrohre a bildet; eine Stopfbüchsenbrille e mit Zugschrauben preßt die Hanfpackung zwischen b und a2. dampfdicht zusammen. Sobald die Rohre erhitzt und dadurch ausgedehnt werden, schiebt sich das dünnere Rohr in das andere hinein; es rückt aus demselben heraus beim Erkalten der Röohre. Häufig wird buf auch die Kompensation durch Einsetzen eines hufeisenförmig gebogenen Kupferrohrs o zwischen die eisernen Rohre à und b (s. Fig. 2) bewirkt, auch nach Fig. 3 durch Einschaltung der gewölbten, vernieteten Blechscheiben e. Letztere sowohl als auch das Kupferrohr besitzen genügende Elasticität, um der Rohrleitung die nötige Beweglichkeit zu sichern. Für den Fall, daß man den Dampfdruck in einem Raume konstant erhalten will, wenn auch der Dampfdruck im Kessel ein wesentlich höherer wird, hat man ein Dampfdruckreduzier-Ventil in die D. einzufügen. In Fig. 4 und 5 ist ein derartiges Ventil, bei welchem als wirksamer Teil ein Kolbenventil zur Anwendung kommt, in der Ansicht und im Querschnitt dargestellt. Der Stutzen a kommuniziert mit dem Kessel, der zu regulierende Raum mit dem Stutzen b. Wie ersichtlich, kann nur dann Dampf von a nach b gelangen, wenn die Offnungen o in dem hohlen und oben verschlossenen Kolbenventil k in den obern Dampfeinlaßraum von a eintreten. Durch den in b Henunddro Druck wird der Kolben in der Höhe gehalten und drosselt den Dampf oder sperrt 06 ganz ab, wenn der Dampfdruck in b ein zu hoher wird, senkt sich jedoch sofort wieder, sobald der Druck bis an die zulässige Grenze Hedel e verschiebt Durch Verstellen der auf dem ebel c verschiebbaren Gewichte g hat man es in der Gewalt, den Druck in b auf jede beliebige Höhe einzustellen. Ein Manometer m, das mit dem Raume b in Verbindung steht, zeigt an, ob die Gewichte den richtigen Stand haben. Der Kolben K arbeitet ohne Dichtung, das kleine Reim d dient zur Entfernung des etwa sich ansammelnden Kondensationswassers.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 815Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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