Danzig ist 19,7 akmegroß; der Landkreis Danzig, der auf 1056 qkm (1880) 80 232 E. zählt, enthält keine Stadt. Der Regierungsbezirt Danzig umfaßt 7955,85 qkm, zählt 569181 E. und in die sieben Landkreise D., Elbing, Marienburg, Stargard, Berent, Karthaus und Neustadt und die zwei Stadtkreise D. und Elbing. Geschichte. D.s Entstehung nach Zeit und Namen verliert sich im Dunkel der Vorzeit. Es entstand so allmählich, daß kein bestimmtes Jahr für seinen 6 schor anzunehmen ist. Münzfunde hekunden, daß schon zur Zeit der ersten röm. Kaiser an der Stelle des Huatigen D. ein Handelsplatz sich befunden hat. Erst 997, in der Missionsgeschichte des Erzbischofs Adalbert, wird es als Stadto und mit seinem alten poln. Namen erwähnt. Zur Stadt nach heutiger Auffassung ward D. erst unter den pommerellischen Herzögen um 1260, als lübecker Kaufleute und Schiffer immer häufiger den Platz besucht und infolge dessen Deutsche in großer Anahl sich dort niedergelassen hatten. In dem groben Streite, der über die Erbschaft der ausgestordenen pommerellischen Herzöge zwischen dem poln. Könige und dem Markgrafen von Brandenburg entbrannt war, ward D. Besitz des Deutschen Ordens, der die Stadt durch die Gewalt der Waffen und Prandend durch Staatsverträge mit Polen und Brandenburg erworben hatte. Unter dem Orden ward neben diesem ältesten D. ein neues D. 1343 angelegt, das adie rechte Stadto genannt wurde und noch jetzt so heißt. Diese «rechte Stadt D.v» wurde bald der Kernpunkt der ganzen Anlage, von dem aus alle Angelegenheiten geleitet und bestimmt wurden. Immer mehr blühte die Stadt heran, und da sie durch einen Gewaltakt des Deutschen Ordens aufs tiefste gekränkt, durch dessen eigenen Handelsbetrieb in ihrem Gewerbe beschränkt war, so beteiligte sie sich bei dem Abfalle der westpreuß. Stände vom Deutschen Orden in hervorragender Weise. Als diese Ablösung Westpreußens durch den Thorner Frieden 1466 vom Orden selbst anerkannt werden mußte und die westpreuß. Lande unter poln. Oberherrschaft kamen, teilte D. zwar ihr Geschick, hatte sich aber für seine großen Opfer von den poln. Königen durch wichtige Privilegien eine unabhängige Stellung zu verschaffen gewußt, dazu ein großes, fast 900 qkm umfassendes Gebiet erhalten. Die Stadt erlangte damals eine nicht geringe polit. Bedeutung. Mit Energie, Umsicht und selbst, wo es nötig war, durch Kriegführung, hat sie diese Stellung zu behaupten verstanden und dem Len Pol Wesen im Kampfe mit dem sie umflutenden Polonismus eine deom Stätte bewahrt. Nachdem schon 1523 die reformatorische Bewegung auch in ihr begonnen, ward sie bis 1557 völlig von derselben gewonnen und erhielt in eben dem Jahre vom poln. Könige das Privilegium der sreien Religionsübung. Sie hat diese Freiheit 1577 gegen König Stephan Bathory, der ihr sie wieder nhmen wollte, mit Waffen in der Hand siegreich verteidigt. Das Ende des 16. Jahrh. ward nun ihre Blütezeit; damals gaben ihr die reichen und kunstsinnigen Bürger den künstlerischen Schmuck, der sie uch diehe Verbat Mit dem 17. Jahrh. änderten sich diese Verhältnisse. Infolge der schwed.⸗ Reic Kriege, der Desorganisierung des poln. eichs, auch besonderer Unglücksfälle, wie der Pest von 1709, welche in der Stadt allein 24500 Personen utrner nahm Handel und Wohlstand ab. Die Zustände verschlimmerten sich aber noch im 18. Jahrh. Bei den poln. Thronstreitigkeiten, in welche es für Stanislaus Lesczynski Partei genommen hatte, hatte es 1734 eine vom russ. Feldmarschall Münnich geleitete, harte Belagerung zu erleiden, die mit ihrer Eroberung und einer schweren Kontributionsleistung schloß. Bei der ersten Teilung Polens 1772 blieb sie zwar freie Stadt, aber alles umliegende Land bis Thorn +7 die Weichsel und der Hafen kam unter preuß. Herrschaft, der Handel war der Stadt abgeschnitten, und die Macht, sich daraus zu befreien, fehlte ihr. hatte, daß er D. seinem Schicksal überlassen müsse, und nun Preußen dessen Unterwerfung verlangte, kam es zu einem Vertrage, infolge dessen die Preußen 3. April 1793 in die Stadt einrückten, welche 7. Mai dem König Friedrich Wilhelm II. huldigte. Unter Preußens Herrschaft begann D. wieder aufzublühen, doch nach dem Ausbruch des franz. Kriegs 1806 trafen die Stadt neue harte Schläge. Am 7. März 1807 von dem Korps unter dem Marschall Lefebyre umringt, wurde ihre Einschließung auf der Landseite durch Wegnahme der großen Land-Nact Frische Nehrung 20. März vollendet. In der acht vom 23. zum 24. April begann das Bombardement der Stadt und dauerte mit Zwischenräumen bis zum 21. Mai fort. Der Mangel an Munition und der vom Feinde beabsichtigte Hauptsturm, der bei der überlegenheit desselben in seinem Ergebnisse nicht zweifelhaft 612 konnte, bestimmten endlich den Gouverneur, Grafen von Kalckreuth, 24. Mai zur Kapitulation. Die Besatzung verließ 27. Mai die Festung mit Kriegsehren und der Verpflichtung, ein Jahr lang nicht gegen Frankreich zu dienen; den Einwohnern aber ward eine Kriegssteuer von 20 Mill. Frs. mit der Bewilligung allmählicher Bezahlung auferlegt. Der Marschall Lefebvre (s. d. erhielt zur Belohnung für die Einnahme der Stadt den Titel eines Herzogs von D. Durch den Tilsiter Frieden wurde D. als Freie Stadt mit einem Gebiete von 2 Lieues, das die willkürliche Erklärung Napoleons auf das ganze Preuße Stadtgebiet ausdehnte, unter Frankreichs, reußens und Sachsens Schutz anerkannt. Doch konnte es, als franz. Waffenplatz, seiner Unabhängigkeit niemals froh werden, da fortwährend ein franz. Gouverneur, General Rapp, in Garnison daselbst blieb, und durch das Kontinentalsystem der Hauptnahrungszweig, der Handel mit England, zerstört war. D. wurde infolge des russ. Kriegs 31. Dez. 1812 in Belagerungszustand erklärt. Inzwi⸗ —— gelang es doch den franz. und poln. Truppen es 10. Armeekorps, sich beim Rückzuge in die Stadt zu werfen. Ebenso langten noch Verstärkungen aus Spandau und Magdeburg an, sodaß die Garnison 33 000 Mann betrug, als gegen Ende Ran 1813 das russ. Einschließungskorps, aus 6000 ann Kosaken bestehend, erschien, welches bald durch ein Korps von 7000 Mann Infanterie und 2500 Mann Kavallerie mit 60 Feldgeschützen, unter dem Generallieutenant von Loewis, abgelöst wurde. Nach dem Waffenstillstande vom 24. Aug. übernahm der Herzog von Württemberg den Oberbefehl der Belagerungsarmee, die nun 28. und 29. Aug., 1., 7. und 17. Sept. und 1. Nov. den Belagerten bei Ausfällen und durch Angriffe die hitzigsten Gesechte lieferte. Erst als ein russ. Geschwader sich von der Seeseite der Stadt genaht und dieselbe gemeinschaftlich mit den Landbatterien, vom 1. Sept. an auch mit Congreveschen Raketen beschossen hatte auch die zweite Parallele eröffnet worden war, sa sich General Rapp genötigt, die Festung so zu übergeben, daß 1. Jan. alle Polen und Deutsche in ihr Baterland entlassen wurden, am 2. aber alle Franzosen ausrückten, um als Kriegsgefangene in das Innere Rußlands geführt zu werden. Während dieser elfmonatlichen Einschließung und Belagerung waren in der Stadt 309 Häuser und Speicher niedergebrannt, 1115 Gebäude beschädigt worden und eine Menge Menschen verhungert. Mit dem 3. Febr. 1814 kehrte D. unter Preußens Oberherrschaft zurück. Nur langsam vermochte sich die Stadt unter preuß. Herrschaft von den Folgen der schweren Jahre 1807—13 zu erholen. Die städtische Verwaltung mußte die äußerste Sparsamkeit beobachten, um nur die große Gemeindeschuld verzinsen und tilgen zu können. Erst unter dem Oberdürgermeister von Winter (seit 1863) wurde das Bolksschulwesen vollständig reorganisiert, statt der einklassigen Schnt Armen⸗ und Pauperschulen sind sechsstufige Schulsysteme eingerichtet und vortreffliche Schulgebäude errichtet, die den Verkehr hemmenden sog. Beischläge, erhöhte, mit Geländer umgebene Plätze, vor den Häusern entfernt und namentlich die der Gesundheit der Bewohner gefährlichen Zustände durch die Wasserleitung und die Kanalisation der Stadt beseitigt. Litteratur. Löschin, „Geschichte D.s (2 Bde., Danz. 1822); Blech, «Geschichte der siebenjährigen Leiden der Stadt D.» (2 Bde., Danz. 1816); Döring, „Danziger Bilder (Danz. 1840); Weinreich, „Danziger Chronikv (Berl. 1855); Hirsch, D.s Handels⸗ und Gewerbsgeschichter (gekrönte Preisschrift, Lpz. 1858); Löschin, «D. und seine Umgebungeno (4. Aufl., Danz. 1860); Schultz, (D. und seine Bauwerke » (mit 54 Kupfertafeln, 2. Aufl., Berl. 1872); „D. in naturwissenschaftlicher und mediz. Beziehungo (Danz. 1880); Rudolph, Neuer Führer durch D. und Umgegendo (Danz. 1882).