FeedDardanarius
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Dardanarius, dem Namen Kornwucherers) nennt man Lebensmitteln und sonstigen Waren durch Vorkauf und Aufgener Erzeugnisse. Das D. war schon im röm. Rechte mit arbiträrer gesetzgebung bestrafte genskonfiskation. (S. auch Aufkauf.) Altertum Hellespont Is. d.]), Seestraße, die das Marmarameer mit dem Agäischen Meere verbindet und die Taurrische von der Balkanhalbinsel trennt. Sie ist etwa 75 km alang, im Durchschnitt 5 — 6 km, an der schmalsten Stelle nur 1000 m breit. Der Name schreibt sich von der Stadt Dardanus (s. d.) im Gebiet von Troas her. Der engere, 1—5000 m breite, nach Erfindung der gezogenen Kanonen durchgängig beherrschbare, wenn auch nicht allerwärts von Batterien verteidigte, aber jedenfalls militärisch vorwiegend bedeutende Teil der Straße ist deren südl. Hälfte in der Ausdehnung vom Eingang, unmittelbar in der Nähe des Feldes von Troja bis zum Kap Naghara-Burnu. Innerhalb des- als für die Sperre vorkommend, zu unterscheiden. Eingang gelegen, wo sich europäische Ufer auf 4250 m zweite, die 2800 m breite (Dardanos) und Kumverwechseln mit Kum-Kaleh); ferbei Schanak-Kalessi von Spannweite. Endlich die letzte Vervon diesen Engen sind vierte durch die Türken seit befestigt worden. Es befinunmittelbar am Eingang auf der terrassenförmig aufsteigende, seit 1881 in Umbau genommene Batterie von Sedil-Bahr, und gegenüber derselben auf dem asiat. Gestade aber das verfallene Schloß Kum-Kaleh, dessen Neubau im Frühjahr 1882 eingeleitet worden ist. Die hierauf folgende zweite Enge von Kepes-Burnu ist nie befestigt gewesen und auch heute noch bestehen für deren spätere Sperrung nur erst Projekte. Auch die engste und darum der Verteidigung die vergleichsweise besten Chancen bietende Passage bei Schanak-Kalessi wurde, bis 1830, nur durch zwei von Mohammed IV. um 1660 erbaute Schlosser, das von Kilid-Bahr auf dem europäischen und Kaleh-Sultanieh auf dem asiat. Ufer, beherrscht. Hier auch fanden später jene Riesenkanonen, von den Türken Kämmerliks genannt, eine Art Kammergeschütze, Aufstellung, die, in den siebziger Jahren des 19. Jahrh. teils eingeschmolzen, teils als Geschenke ins Ausland gesendet worden sind, von denen aber noch elf Stück und unter ihnen das mächtigste, der Haidar-Baba (Vater Haidar), der eine Marmorkugel von 12 Ctr. Gewicht schleudert, in Kilid-Bahr verblieben. Nach 1830 ließ Sultan Mahmud II. unmittelbar südlich vom letztern Schlosse eine neue Batterie, Namasguiah genannt, anlegen und in etwas größerer Entfernung nordwärts von jener eine dritte Namens Degirmen-Burnu-Tabiassi. Auch errichtete der nämliche Herrscher im Bereich der vierten, bis dahin noch unbefestigt gebliebenen Enge, und zwar auf dem europ. Ufer das Fort 8o auf dem asiat. aber das von Naghara. End ich etablierte er in dem Zwischenraum der vorletzten (dritten) und vierten Schmalstelle die beiden kleinern Batterien, Scham⸗ und Kösse-Burnu-Tabiassi, erstere auf der europäischen und letztere auf der asiat. Seite der Meerenge. In die Ban von 2cd Sultan Abd-ul-Medschids fällt der Bau von Medschidieh-Tabiassi, eines Werks, das nach dem e pon Schanatzar der dritten oder schmalsten Enge von chanak-Kalessi angehörend, infolge seiner Fähigkeit, ein diese Stelle zu forcieren versuchendes Geschwader zu enfilieren, namentlich zur Zeit der Holzschiffe, eine vorwiegende Bedeutung hatte. Unter Sultan Abdul-Assis beschloß die Pforte 1863, auf Anregung des damaligen brit. Botschafters Sir Henry Bulwer, den allmählichen Umbau der infolge der Erfindung der gezogenen Kanonen wie der Panzerschiffe beiden gegenüber * vollkommen wertlos gewordenen Dardanellenbefestigungen; die bezüglichen Arbeiten wurden im April 1864 begonnen. Danach, bis — Ausbruch des letzten russ.⸗türk. Kriegs (April 1877) unter mancherlei Erneuerungen ore Batte haben sie das Resultat gehabt daß die drei Batterien Namas en Medschddieh und rTage enttortchendn si den Anforderungen unserer Tage entsprechend nahezu fertig gestellt worden sind und auch die des Fort Naghara bedeutende Fortschritte gemacht hat. Die neuesten Bemühungen sind der Befestigung der ersten Enge im modernen Sinne zugewendet. Die Meerenge der D. hat eine große Rolle in der Geschichte gespielt. Hier, mutmaßlich auf der Schmalstelle von Kap Naghara, schlug Rerxes seine Brücken; und hier setzte Alexander nach Asien über. Im J. 1356 überschritten die Türken die Seestraße zum ersten mal bei Gelegenheit ihres Einbruchs in die europ. Provinzen des griech. aiserreichs. Seit Eroberung Konstantinopels haben die D. eine polit. und militärische Bedeutung vorwiegend als das westliche zum Marmarameer und der osman. Hauptstadt führende Seethor gewonnen. Es scheint, daß, bevor noch die engste Stelle von Kilid-Bahr durch dieses Schloß und das von Kale-Sultanieh befestigt wurde, man auf die Sperrung derselben mittels einer schweren, eisernen Kette Bedacht genommen hatte, von der sich heute noch einige Bruchstücke zu Schanak-Kalessi vorfinden. Den ersten Versuch, in die Straße einzudringen, machte der als Admiral in russ. Diensten stehende Engländer und vier zr 26. Juli 1770 mit drei Linienschiffen und vier Fregatten bei Verfolgung zweier türk. Linienschiffe. Indes scheint er, Kum-Kale und Sedil-Bahr passierend, nur bis Kepes-Burnu gelangt zu sein. Ernster war das Unternehmen des engl. Admirals Duckworth. Derselbe gelangte, von den türk. Batterien bei seiner Durchfahrt 19. Febr. 1807 unbelästigt, 20. Febr. bis nahe vor Konstantinopel, mußte aber, ohne wider die osman. Hauptstadt irgendetwas ausrichten zu können, alsbald die Rückfahrt antreten. Der Dardanellenvertrag vom 13. Juli 1841, welchen die fünf europ. Großmächte mit der Pforte abschlossen und welcher durch den Pariser Frieden vom 30. März 1856 im wesentlichen bestätigt wurde, setzt fest, daß kein nichttürk. Kriegsschiff ohne ausdrückliche Bewilligung der osman. Regierung in die Meerenge einlaufen und sie Rarione darf. Auch Handelsfahrzeuge fremder ationen unterliegen insofern der türk. Kontrolle. als die nN der Schmalstelle von Schanak-Kalessi ihnen bei Nacht untersagt ist und sie überhaupt nicht nur gehalten sind, ihre Pässe vorzuweisen, sondern auch eine Leuchtturmsgebühr zu zahlen. Der Londoner Vertrag vom 13. März 1871 bestätigte das Prinzip der Schließung der D. nach Maßgabe des Vertrags vom 30. März 1856. Dardäner, im Altertum ein wahrscheinlich zur thraz. Gruppe gehörendes kriegerisches Volk, welches 4½ südl. Hochland von Mösien, im obern Gebiet des Flusses Margus (jetzt Morawa) wohnte und den Macedoniern unter den Antigoniden, und noch später den Römern bis zur Kaiserzeit durch seine Raubzüge lästig, später aber vollständig romanisiert wurde. Seit Diocletian tritt ihr Name wieder amtlich auf in dem Namen der Provinz Dardania, mit der Hauptstadt Naissus Getzt Rusd dem Geburtsort Konstantins des Großen. Zu Dardania gehörte auch der Distrikt Bederiana mit der Stadt Tauresium, der Heimat der oström. Kaiser Justin I. und Justinian I.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 876Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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