Durazzo (so von den Italienern, Dratsch von den Türken, Durtz von den Slawen, Duressi von den Albanesen genannt), berühmte Seestadt des oberalban. Bezirks Kawaja im türk. Vilajet Skutari, 78 Km im Süden von Skutari, nördlich von einer weiten Bucht des Adriatischen Meers, liegt auf einer felsigen Halbinsel in schöner, aber unesunder Gegend. Die Stadt, von halbverfallenen auern umgeben, hat einen Quai am Hafendamm, sowie eine 240 m lange, über die Küstensümpfe führende Brücke, zählt nur noch 1200 E. und bietet im Vergleich zu frühern Zeiten fast nur noch einen Ruinenhaufen dar. Ihre berühmte byzant. Citadelle, deren Riesentrümmer von Platanen beschattet ind, hat sie eingebüßt, desgleichen den einst geprieenen Hafen, der fast ganz versandet ist. D. ist eit der Zeit Justinians J. der Sitz eines kath. Erzbischofs. Hier ist das Ende des transadriatischen Telegraphenkabels. Der Handel bezieht sich fast nur auf Triest und andere österr. Häfen. Die Ausfuhr besteht in Wolle, Hirse, Weizen, Leinsaat, Rohseide, Lamm⸗ und Widderfellen, Korduan, Knoppern, Eichenholz und Blutegeln. D. hieß im Altertum Epidamnus war eine 626 v. Chr. unter dem korinth. Führer Phalios im Lande der illyr. Taulantier gegründete Kolonie der Koreyräer und gab, eine große und volkreiche Stadt, durch ihren polit. Parteikampf die Veranlassung zum Peloponnesischen Kriege. Unter den Römern erhielt sie den Namen Dyrrhachium, ward eine röm. Kolonie und ein bedeutender Landungsplatz der Römer von dem 150 km im Südwesten entfernten Brundusium her. Die berühmte Egnatische Straße führte von hier, ganz Macedonien und Thrazien und Philippi n uber Thessalonich, Amphipolis und Philippi nach Byzanz. Im J. 48 war sie der Hauptwaffenplatz des Vynden der hier mit dem Senat von Cäsar belagert wurde und diesen zweimal schlug. D. war Ciceros Verbannungsort. Die höchste Blüte erreichte die Stadt, als sie zu Anfang des 4. Jahrh. zur Hauptstadt der röm. Ran Epirus nova erhoben wurde; auch unter byzant. Herrschaft war sie Vorort eines Verwaltungsbezirks (Thema Dyrrhachium). Im J. 345 wurde sie durch ein Erdbeben gänzlich zerstört, 481 von dem Ostgoten Theodorich, im 10. und 11. Jahrh. Burch a von den Bulgaren belagert und dann durch Kaiser Michael Dukas als Herzogtum dem 1051 fchung Bryennios übergeben. Am 18. Okt. 1081 schlug hier der Normann Robert Guiscard von Apulien den Kaiser Alexius, eroberte 16. Jan. 1082 die Stadt, trat sie aber 1085 wieder ab. Auch 1108 und 1109 wurde sie von Bohemund belagert,‚ 1185 von König Wilhelm II. von Sicilien erobert. Bei der Teilung des Byzantinischen Reichs 1205 war die Stadt Venedig zugedacht, doch begründete hier Michael, ein Verwandter des in Konstantinopel gestürzten griech. Kaiserhauses das Despotat Epirus, zu dem ganz Albanien und Thessalien gehörte. Durch ein Erdbeben 1273 gänzlich zerstört, aber bald wieder erbaut, kam sie 1294 an das in Neapel regierende Haus Anjou, 1313 als Herzogtum an einen Prinzen dieser Dynastie, Philipp von Tarent, 1386 an die Venetianer und wurde 1501 von den Kürken erobert. In der Zeit der Kreuzzüge und der Venetianer erscheint D. auch unter den lat. Namen Durachium und Duratium. Von allem rin Arum-Tempel und Statuen ist nichts mehr übrig; Trümmermassen lassen noch eine türk. und eine byzant. Ummauerung erkennen. Die in der Umgebung liegenden reichen Kohlenmassen werden nicht abgebaut.