FeedDarm (Darmkanal, Iutestinum)
HeilkundeBrockhaus 1882

Darm (Darmkanal, Iutestinum), ein wichtiger Abschnitt des Verdauungsapparates, welcher die Bestimmung hat, die in den Nah eingeführten und dort vorläufig verarbeiteten Nahrungsstoffe aus diesem aufzunehmen, sie durch eigentümliche, den Windungen eines Wurms ähnliche speristaltische) Bewegungen nach und nach weiter zu schieben und dabei durch eine Reihe von chem. Prozessen das zur Ernährung des Körpers Taugliche von dem dazu Untauglichen abzuscheiden, ersteres in eine zur Aufnahme in die Säftemasse geeignete Form er ausuuscheis letzteres aber aus dem Körper wieder auszuscheiden. Der menschliche Darmkanal stellt ein beim Erwachsenen etwa 7 m langes häutiges Rohr dar, welches vom sog. Pförtner des Magens (s. d.) bis zum After reicht, seine Lage in der Bauch-⸗ und Beckenhöhle hat und in zwei Hauptabschnitte zerfällt: den Dünndarm (intestinum tenue), einen glatten, überall gleichweiten Schlauch von 5,5 bis 6 m Länge, welcher in zahlreichen, sehr beweglichen Schlingen und Windungen, den sog. Darmschlingen, die Bauchhöhle erfüllt und er Aaheme für die Auflösung und Aufsaugung der Nahrungsstoffe bestimmt ist, und in den 1,5 bis 156 m langen, an seiner Oberfläche vielfach ausgebuchteten Dickdarm (intestinum crassum), welcher vorzugsweise der Eindickung unverdauter Nahrungsstoffe, der Kotbildung, dient. Der Dünndarm zerfällt wiederum in mehrere Abschnitte: in den mit dem Magen in Verbindung stehenden und hufeisenförmig an die hintere Bauchwand fest angehefteten Zwölffingerdarm (Duodenum), dessen Länge der Breite von zwölf Fingern Iiber m und welcher die Ausführungsgänge der Leber und der Bauchspeicheldrüse in sich aufnimmt, sowie in den sog. Leerdarm (äntestinum jejunum) und den Krummdarm (intestinum ileum), welche beide ohne scharfe Grenze ineinander —½ Am untern Ende des Krummdarms beginnt sodann der Dickdarm, welcher fast den doppelten Durchmesser wie der Dunndarm und an seiner Oberfläche zahlreiche Ausbuchtungen besitzt, mit einem kurzen, weiten, sackförmigen Anhang, dem sog. Blinddarm (s. d.), welcher auf der rechten Darmbeingrube aufliegt und den feder-Burmfo blind endigenden, 5—8 em langen 1. ortsatz Processus vermiformis) angefügt enthält. Auf den Blinddarm folgt der Grimmdarm (Colon), von dessen drei Abteilungen die erste, der aufsteigende Grimmdarm (Colon ascendens) an der rechten Seite des Unterleibes von der rechten Beckenschaufel gerade nach aufwärts zur untern Fläche der Leber emporsteigt, die zweite, der Quergrimmdarm (Colon transversum) in horizontaler Richtung unter dem untern Rande des Magens von der rechten auf die linke Seite herübergeht, und die dritte, der absteigende Grimmdarm (Colon descendens), auf der linken Bauchseite bis zur linken Darmbeingrube herabsteigt und nach einer 8-förmigen Zickzackbiegung (dem 8 romanum) in den Mastdarm (intestinum rectum) übergeht, welcher in der Höhlung des Kreuzbeins gerade von oben nach unten verläuft und durch den mit einem kräftigen ringförmigen Schließmuskel umgebenen After (s. d.) nach außen mündet. An der Stelle, wo in der rechten Darmbein rube der Dünndarm in den Dickdarm übergeht, befindet sich die sog. Blinddarmklappe (Valvula Bauhini 8. coli), eine kreisförmige Schleimhautfalte, welche unter normalen Verhältnissen den Rücktritt des macht. Iusemer in den Dünndarm unmöglich — In seiner Lage befestigt und 2— wird der Dünndarm durch das sog. Gekröse (Mesenterium), eine große Falte des Bauchfells (s. d.), welche an der hintern Bauchwand schief vom zweiten Lendenwirbel zur rechten Kreuzdarmbeinfuge verläuft und sich dergestalt an die konkave Seite des Dünndarms anheftet, daß ihre beiden Blätter auseinander weichen und so den ganzen Umfang des Darmrohrs umschließen. Da der Dünndarm zahlreiche Krümmungen und Windungen bildet, so muß sich das Gekröse gleichfalls nach Art einer Halskrause (daher sein Name) in vielfache Falten legen. Auf diese Weise wird der Dünndarm einerseits ziemlich fest in seiner normalen Lage erhalten und vor Verdrehungen und Umschlingungen geschützt, andererseits aber auch mit einem hohen Grad von Beweglichkeit versehen, der für das regelmäßige Vonstattengehen seiner Funktionen von großer Bedeutung ist. Zwischen den beiden vom Bauchfell gebildeten Blättern des Gekröses liegen, in Fett gehüllt, zahlreiche Blut⸗ und edie Nerven die Lymphdrüsen (Gekrösdrüsen) sowie die Nerven des Darms. Die Wand des Darmrohrs besteht aus drei verschiedenartigen, durch eine dünne Schicht von Bindegewebe miteinander verwachsenen Häuten, einer äußern glatten serösen Haut, einer mittlern Muskelschicht und der zu innerst gelegenen Schleimhaut des Darmkanals, welche vermöge ihrer physiol. Wichtigkeit einen ziemlich komplizierten Bau besitzt. Der zarten serösen Haut, welche allenthalben den Darm überzieht und welche einen integrierenden Bestandteil des Bauchfells (. d.) bildet, verdankt der Darm seine glatte, schlüpfrige und leicht verschiebliche Oberfläche, welche das leichte und ungehinderte Vonstattengehen seiner für die Verdauungsvorgänge so unentbehrlichen Bewegungen möglich macht. Die kräftige Muskelhaut des D. zerfällt in eine äußere un Mustehasern (a der umstehenden Figur), deren zuskelfasern in der Längsrichtung des Darmrohrs verlaufen und der Verkürzung des letztern dienen, und eine finnere Ringfaserschicht (b), deren Fasern kreisförmig um das Darmrohr herum verlaufen und die Zusammenschnürung und Verengerung desselben vermitteln. Die Darmschleimhaut (e) endlich, welcher bei der ++. der Nahrungsstoffe die bei weitem wichtigste Rolle zukommt, ist eine weiche, Durchschnitt durch die Wand des menschlichen Dünndarms etwa Umm dicke, in zahlreiche Querfalten gelegte und mit unzähligen zarten zapfenförmigen Erhebungen, den sog. Darmzotten (villi intestinales), besetzte Membran, welche einen außerordentlichen Reichtum an Blut- und Lymphgefäßen (o), sowie an einzeln oder in größern Haufen stehenden Drüsen (d) besitzt. Die Darmzotten (), deren Gesamtmenge auf etwa 4 Mill. geschätzt wird, und welche dazu dienen, die aufsaugende Oberfläche der Darmschleimhaut behufs erleichterter Resorption des Chylus (s. d.) zu vergrößern, enthalten in ihrer Achse einen oder zwei centrale Räume als Anfänge der Chylusgefäße, welche von einem reichen Haargefäßnetze umstrickt sind; durch eingelagerte organische Muskelfasern besitzen die Zotten die Fähigkeit, sich rhythmisch zusammenzuziehen und dadurch den aeptien Ein Chylus nach den größern Chylusgefäßen hin vorwärts zu treiben. Die Drüsen der Darmschleimhaut sind verschiedener Art. Im Dünndarm finden sich in ungeheuerer Anzahl zwischen den Darmzotten die sog. Lieberkühnschen Drüsen, kleinste, einfache Schlauchdrüsen, welche den dünnen alkalischen Darmsaft absondern, der sich dem Speisebrei beimengt, Faserstoff und Eiweißkörper auflöst und Stärke in Dextrin und Zucker verwandelt. Im Zwölffingerdarm kommen kleine traubenförmige Drüsen vor, die sog. Brunnerschen Drüsen, deren gleichfalls alka isches Sekret dem vom Pankreas abgesonderten Bauchspeichel gleicht. Weiterhin finden sich über die ganze Dünndarmschleimhaut zerstreut kleine hirsekorngroße Lymphdrüsen, die sog. solitären Follikel, welche als Bildungsstätten der weißen Blutkörperchen betrachtet werden. Der untere Abschnitt des Dünndarms endlich ist der Sitz der Peyerschen Drüsenhaufen, welche eine Anhäufung von vielen s olchen solitären Follikeln darstellen und beim Typhus vorzugsweise der Sitz der typhösen Geschwüre werden. Die Schleimhaut des Dickdarms ist glatt, sie besitzt keine Falten und Zotten, sondern nur Lieberkühnsche nDrüsen und solitäre Follikel. (Vgl. hierzu Tafel: „Baucheingeweide des Menschen, Bd. II.) Die Verrichtungen des Dünndarms bestehen zunächst in der weitern chem. Umwandlung des aus dem Magen übergetretenen Speisebreies oder Chymus (s. d.) mit Hilfe des von den Brunnerschen und Lieberkühnschen Drüsen abgesonderten Darmsaftes, sowie der Galle und des Bauchspeichels, welche beide während der Verdauung sich gemeinschaftlich in den Zwölffingerdarm ergießen. Durch den Einfluß dieser Sekrete auf den durch die wurmförmigen Bewegungen des Darms langsam fortbewegten Speisebrei werden die im Magen noch nicht oder nur unvollständig aufgelösten Eiweißkörper vollends aufgelöst und verflüssigt, die noch vorhandene Stärke in Dextrin und Zucker umgewandelt und die Fette in eine mandelmilchähnliche Emulsion verflüssigt und so zur Aufnahme in die Saugadern geschickt gemacht. Die so gelösten Nahrungsstoffe werden sodann von den Darmzotten vermittels kapillarer und endosmotischer Vorgänge aufgesaugt und durch rhythmisch erfolgende Kontraktionen in die Chylusgefäße und von diesen weiterhin in die allgemeine Säftemasse übergeführt. Der unverdaute und unbrauchbare Teil der Nahrungsstoffe gelangt endlich in den Dickdarm, wird hier durch Aufsaugung seiner flüssigen Bestandteile eingedickt, in Kot umgewandelt und schließlich durch die peristaltischen Bewegungen des Darmrohrs und die Kontraktionen der Bauchmuskeln nach außen entleert. (S. Verdauung.) Die Krankheiten des D. sind zahlreich und verdienen bei der großen Wichtigkeit desselben für die Verdauung und die gesamte Ernährung immer sorgfältige Beachtung. Sie betreffen entweder nur den serösen Überzug des Darmrohrs, in welchem Falle sie vorwiegend die Symptome der Bauchfellentzündung veranlassen, oder die dem dldodes selbst, welche am häufigsten unter dem Bilde des Darmkatarrhs oder der Darmentzündung (s. d.) verlaufen. Von den Schleimhautaffektionen des D. sind am wichtigsten die verschiedenen Formen des Darmkatarrhs und der Darmgeschwüre, die Ruhr, der Unterleibstyphus, die Cholera, sowie die Entzündung des Blinddarms und seines wurmförmigen Fortsatzes. über die im D. schmarotzenden Würmer s. Eingeweidewürmer.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 885Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Heilkunde 6