FeedDe Candolle (Augustin Pyrame)
HeilkundeBrockhaus 1882

De Candolle (Augustin Pyrame), einer der berühmtesten Botaniker der neuern Zeit, stammt von einer altadeligen Familie der Provence, die der Glaubensverfolgungen wegen 1558 nach Genf auswanderte, wo er 4. Febr. 1778 geboren wurde. Nachdem er auf dem Gymnasium zu Genf eine klassische Bildung erworben, faßte er den Entschluß, sich histor. Studien zu widmen; aber ein längerer Aufenthalt auf einem väterlichen Landgute 1 Mverdon und besonders die anregenden Vorlesungen Vauchers (1796) gaben seinen Bestrebungen eine andere Richtung. Er ging nach Paris, wo er sich seit 1796 anfangs eifrig mit Chemie und Physik beschäftigte, dann jedoch allmählich das Gebiet der Botanik zum Gegenstand seiner weitern selbständigen Forschungen und Arbeiten wählte. In seinem vortrefflichen „Essai sur les Propriétés médicales des plantes » (Par. 1804; 2. Aufl. 1816; deutsch von Perleb mit Zusätzen, Aarau 1818) legte er Zeugnis von seinem erfolgreichen Streben ab, die Botanik mit den Lehren der Physik und Chemie in Verbindung zu setzen. Obgleich 1802 als Professor an die genfer Akademie berufen, zog er es doch vor, in Paris zu bleiben, wo er 1804 am College de France seine ersten botan. Vorlesungen hielt. In demselben Jahre veröffentlichte er auch die ersten Bände der Flore françaisev, welche, ungeachtet Lamarcks Name auf dem Titel stand, sein eigenes Werk war. Im Auftrage der Regierung bereiste D. hierauf (1806—12) sämtliche Provinzen Frankreichs und des damaligen Königreichs Italien, um botan. und agronom. Forschungen anzustellen, trat auch 1810 die ihm bereits 1807 übertragene Professur an der Akademie zu Montpellier wirklich an, legte dieselbe aber infolge der Restauration wieder nieder und wandte sich nach Genf zurück, wo der Staatsrat für ihn eine eigene Professur begründete, die er 8. Nov. 1816 antrat. Mit ungewöhnlichem Lehrtalent begabt, wirkte er seitdem daselbst sowohl an der Akademie wie auch durch Vorlesungen vor weitern Kreisen und Fremden. Nach langjähriger Kränklichkeit starb er 9. Sept. 1841 in Genf. D. erwarb sich um die Pflanzenkunde die größten Verdienste. Namentlich trug er durch seine geistreiche und eigentümliche Behandlung der Wissenschaft wesentlich zur Verbreitung und innern Festigung des sog. natürlichen Systems bei. Seine beiden Hauptwerke sind das nach einem zu weit angelegten Plane begonnene 4Regni vegetabilis systema naturale (Bd. 1 u. 2, Par. 1818 21) und der Prodromus systematis naturalis regni vegetabiliso (Bd. 1—17, Par. 1824 — 73, vom 8. Bde. ab (für die Dikotylebonen von seinem Sohne fortgeführt), eins der bedeutendsten botan. Werke der neuern Zeit, in welchem er den Inhalt des erstern gedrängter zusammenfaßte. Von Dis übrigen Werken sind noch besonders hervorzuheben: &Théorie élémentaire de la botaniquer (Par. 1813; 3. Aufl., von Alphonse D., Par. 1844), welche Schrift eine Menge neuer und tüchtiger Ansichten in Umlauf brachte und in mehrere Sprachen (ins Deutsche von Sprengel, 2 Bde., Lpz. 1820) übersetzt wurde; 4Organographie végétales (2 Bde., Par. 1827), (Physiologie végétales (3 Bde., Par. 1832); «Collection des mémoires pour servir à I'histoire du régne végétales (3 Bde., Par. 1828 —38). D. hinterließ, außer andern Sammlungen, ein wohlgeordnetes Herbarium von Sohn als 70000 Pflanzenarten, welches an seinen Sohn Alphonse überging. Alphonse Louis Pierre Pyrame D., der Sohn des vorigen, geb. zu Paris 28. Okt. 1806, war eine Zeit lang ebenfalls Professor an der Akademie zu Genf und hat sich besonders durch die Fortsetzung des Prodromus seines Vaters, die Introduction à l'étude de la botanique (2 Bde., Par. 1835; deutsch von Bunge, 2. Aufl., Lpz. 1844) und die (Géographie botanique raisonnéer (2 Bde., Par. 1855) einen geachteten Namen erworben. Seine Lois de la nomenclature botaniques (Par. 1867; deutsch, Bas. 1868) wurde von dem Internationalen botanischen Kongreß zu Paris im Aug. 1867 als allgemein gültig angenommen. Auch gab er außer einer 4Histoireé des sciences et des Savants depuis deux sièclese (Genf 1872) seines Vaters Mémoires et souvenirso (Genf 1862) heraus. In neuester Zeit erschien von ihm-in der 4Bibliotheque scientifique internationale eine Schrift: „Origine des Plantes cultivées (Par. 1883); zugleich mit seinem Sohn gab er heraus: «Monograbhiae phanerogamarum prodromi nunc contiauatio nunc revisioo (4 Bde., Par. 1878-81). Casimir Pyrame D., Sohn des vorigen, geb. 1836 zu Genf, widmete sich gleichfalls der Botanik; er bearbeitete einige Familien im Prodromus ». Von seinen andern Publikationen ist noch zu erwähnen eine Schrift über die Gesetze der Blattstellung; &Theorie de l'angle unique en phyllotaxie (Genf 1865).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 927Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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