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HeilkundeBrockhaus 1882

Agrippa (Cornelius Heinr.) von Nettes-MRut talentvoller und kenntnisreicher, doch zur ystik geneigter Schriftsteller, Arzt, Philos oph, geb. zu Köln 14. Sept. 1486, führte ganz im Geiste seiner Zeit ein abenteuerliches unstätes Leben. Seit 1509 Lehrer der Theologie zu Döle in der Franche-Comté, erregte er durch seine Vorlesungen großes Aufsehen, reizte indes durch derbe Satire die Mönche gegen sich auf und mußte, der Ketzerei beschuldigt, die Stadt verlassen. Hierauf ging er nach England, lehrte dann einige Zeit in röln Theologie und machte sodann eine Reise nach Italien, wo er unter Kaiser Maximilian I. Kriegsdienste nahm und als Hauptmann zum Ritter geschlagen wurde. Sodann Doktor der Rechte und der Medizin, hielt er zu Pavia Vorträge, bis er, mit Schulden belastet, flüchten mußte. Nach einiger Zeit Syndikus in Metz, befand er sich schon 1520 wieder in Köln, da er durch Verteidigung einer Hexe Inquisition und Mönche in Metz gegen sich aufgeregt hatte. Auch in Köln verfolgt, ging er nach Freiburg in der Schweiz, wo er nun als Arzt praktizierte, wandte sich 1524 wieder nach Metz und gewann hier einen solchen Ruf, daß ihn die Mutter König Franz' I. zu ihrem Leibarzt wählte. Weil er den Ausgang des Feldzugs, welchen Franz I. 1525 nach Italien unternahm, nicht prophezeien wollte, verlor er seine Stelle und ging nun nach den Niederlanden. Hier schrieb er sein berühmtes Buch: 4De incertitudine et vanitate scientiarumo (Köln 1527), eine beißende Satire auf den damaligen Zustand der Wissenschaften, wurde deshalb bei Karl V. angeklagt und wandte sich nach Lyon, wo er abermals verhaftet wurde. Auf Verwenden seiner Freunde wieder freigegeben, ing er nach Grenoble, wo er 18. Febr. 1535 tarb. A. hat das Verdienst, manches Vorurteil seiner Zeit, z. B. den Glauben an Hexerei, glücklich bekämpft zu haben. Gegenüber der herrschenden Scholastik stellte er in dem Buche De occulta philosophia (zuerst Par. 1531; Köln 1533; deutsch, Stuttg. 1855) ein System der kabbalistischmystischen Philosophie auf. Eine vollständige Sammlung seiner Schriften, unter denen noch die Declamatio de nobilitate et praecellentia foeminei sexus o (Antw. 1529) hervorzuheben, erschien nach seinem Tode (2 Bde., Lyon um 1550; deutsch, 5 Bde., Stuttg. 1856). Eine Biographie A.s hat Morley (2 Bde., Lond. 1856) geliefert.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 233Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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