Decazes (Elie, Herzog von), franz. Staatsmann, 28. Sept. 1780 zu St.⸗Martin de Laye im Gironde-Departement geboren, widmete sich der jurist. Laufbahn und ließ sich zu Libourne als Advokat nieder. Unter dem Konsulat ging er nach Paris, wurde Richter am Seine-Gerichtshof, bald darauf (1806) Rat am kaiserl. Gerichtshof und noch in demselben Jahre vom König von Holland nach dem Haag berufen, dessen Vertrauen er in hohem Grade erlangte. Später (1811) trat er auf Wunsch der Mutter des Kaisers in deren Dienste und erhielt auch um dieselbe Zeit wiederum eine Anstellung als Rat beim obersten Gerichtshofe des Reichs. Rach dem Sturze Napoleons schloß sich D. den Bourbons an, und sein gewandtes Benehmen nach der Schlacht bei Waterloo, indem er auf eigene Verantwortung im Namen des Königs die Polizeipräfektur zu Paris übernahm und die Ruhe und Ordnung aufrecht erhielt, erwarb ihm die Gunst Ludwigs XVIII., der ihn nach Fouchés Rücktritt 24. Sept. 1815 zum Polizeiminister ernannte, nachdem er ihn bereits 27. Jan. 1815 in den Grafenstand erhoben hatte. Er gewann allmählich in hohem Grade das Vertrauen des Königs, sodaß ihn dieser vor allen Ministern auszeichnete und zum Hauptorgan seiner zwischen den Parteien schwankenden Politik erkor. D. zog sich dadurch den Haß aller Parteien, namentlich aber den der Ultraroyalisten zu. Nach der Ermordung des Herzogs von Berri (13. Febr. 1820) beschuldigte ihn diese Partei vor der Kammer der Mitschuld an dem Attentat, weil seine revolutionäre Politik den Mörder zu seiner That veranlaßt habe. Nur auf heftiges Andringen gelang es jedoch, Ludwig XVIII. zur Verabschiedung seines Ministers zu bewegen, nachdem derselbe 20. Febr. 1820 zum erblichen Herzog erhoben und zum franz. Gesandten am Hofe zu London ernannt worden war. D. blieb auf diesem Posten bis zum Sturze des Herzogs von Richelieu im Dez. 1821, der ihm als Ministerpräsident gefolgt war. Unter dem Ministerium Villele nahm er in der Pairskammer, der er bereits seit 1818 angehörte, an allen wichtigern Debatten teil, hielt sich aber stets zu den Gegnern der Regierung. Nach der Julirevolution von 1830 schloß er sich der Dynastie Orléans an und diente derselben mit großem Eifer als Großreferendar der Pairskammer. Nach der Februarrevolution von 1848 zog sich D. ins Privatleben zurück und widmete sich vorzugsweise der Förderung der Agrikultur und des Fabrikwesens. Er starb 25. Okt. 1860 in der von ihm gegründeten Stadt Decazeville. * Deeazes (Louis Charles Elie Amanieu, Herzog von D. und Glücksberg), franz. Staatsmann, der älteste Sohn des 2„ Mar⸗ vor des Vaters Tode Marquis D., geb. 9. Mai 1819, war längere Zeit franz. Gesandter zu Madrid und Lissabon, ⁰¹ Im aber 1848 ebenfalls ins Privatleben zurück. Im Febr. 1871 trat D. wieder ins öffentliche Leben, indem er im Depart. Gironde ein Mandat für die Nationalversammlung annahm, wo er Führer der Conversations-Lexikon. 13. Aufl. IV. gemäßigten Fraktion der Orléanisten wurde. Im Sept. 1872 ging er unter der Präsidentschaft von Thiers als franz. Botschafter nach London und wurde 26. Nov. 1873 bei der Neubildung des Ministeriums Broglie Minister der auswärtigen Angelegenheiten, welche Stellung er dann auch noch in verschiedenen Ministerien unter der Präsidentschaft des Marschalls Mac-Mahon bekleidete. Bei den Stichwahlen vom 5. März 1876 wurde D. im 8. pariser Arrondissement in die Deputiertenkammer gewählt. Auch in das Ministerium Broglie-Fourtou vom 16. Mai 1877 ging D. als Minister des Auswärtigen über und gehörte demselben bis um Rücktritt dieses Kabinetts (Nov. 1877) an. Bei den Wahlen des 14. Okt. 1877 wagte er nicht, eine gewisse Niederlage voraussehend, als Kandidat in Paris aufzutreten. Er wurde im Arrondissement Puget-Theniers (Seealpen) mit geringer Majorität gewählt; aber 17. Dez. 1878 wurde seine Wahl von der Kammer kassiert, worauf sich D. ins Privatleben zurückzog.