Delacroix (Ferd. Victor Eugene), berühmter ö Et-Mamisst geb. 26. April 1799 zu Charenton-St.⸗Maurice bei Paris, war ein Schüler von Pierre Guerin, dessen frostige akademische Kunstweise er schnell aufgab, um sich an einige andere Schüler dieses Meisters, namentlich an Gericault, anzuschließen. Sein erstes Bild: Dante und Virgil fahren mit Phlegias über den Strom der Höllenstadt, erregte in der Ausstellung von 1822 großes Aufsehen. Seine neue, von dem nüchternen Kolorit und Vortrag der Davidschen Schule ganz abweichende Art brachte D. einerseits enthusiastisches Lob, andererseits geringschätzigen Tadel ein. Das zwei Jahre später folgende: Gemetzel auf Scio, war eine förmliche Kriegserklärung gegen die Theorien der Klassiker, die jenes Bild ein Gemetzel der Malereis nannten. Diese zwei Werke machten Epoche in der neuern franz. Kunstgeschichte. Ihnen folgten Die Enthauptung des Dogen Marind Falieri (1826), Der Tod Sardanapals (1827), Die Ermordung des Bischofs von Lüttich (1830), drei im heftigsten Kampf der romantischen Schule gegen den Klassizismus ö gemalte Stücke. Trotz seines Talents fand indes D. noch immer keinen Anklang bei dem größern Publikum und wäre schwerlich durchgedrungen, wenn ihn nicht unter der Julidynastie die Regierung anhaltend beschäftigt hätte. Man übertrug ihm nicht nur die Ausschmückung öffentlicher Gebäude, die Wand⸗ und Deckengemälde des Thronsaals und Bibliothekzimmers in der Deputiertenkammer, des Lesesaals im Lurembourgpalast, des Friedenssalons im Rathause und der Apollogalerie im Louvre, sondern bestellte auch bei ihm große Bilder für die pariser Kirchen und das histor. Museum in Versailles. In letzterm befinden sich von ihm zwei Hauptwerke, die Schlacht gegen die Engländer an der Brücke von Taillebourg an der Charente (1838) und die Einnahme von Konstantinopel durch die Kreuzritter (1841). Diese Staatsaufträge verschafften ihm auch allmählich eine ziemlich ausgedehnte Kundschaft unter Privatpersonen. Er starb in Paris 13. Aug. 1863. ö D. verharrte stets in der von ihm zuerst eingeschlagenen höchst excentrischen Richtung und verfolgte dieselbe bis zum Ertrem, aber er durchbrach damit siegreich die lähmenden Fesseln des klassizistischen Wesens. Im Besitz einer leichten Fassungsgabe und einer vielseitigen allgemeinen Bildung, versuchte er sich in allen Gattungen der Malerei. Er war ein Kolorist mit energischem Gefühl für imposantes Ensemble, ein Dekorationsmaler mit glänzenden Eigenschaften. Neben Illustrationen zu Shakspeare und Walter Scottschen Romanen entwarf er auch eine Folge von 17 lithographierten Blättern zur übersetzung des Goetheschen Fausto (Par. 1828). Diese Blätter sind indes weniger gelungen als die später (1834 —.43) verfertigten 13 Lithographien zur Prachtausgabe einer franz. Ubersetzung von Shakspeares Hamleto, in denen die technische Ausführung in besserm Verhältnis zu den Ideen des Dichters steht. Einen anschaulichen Begriff von seiner Art zu zeichnen erhält man aus der von Roubaut unternommenen Sammlung der (Fac-simile de dessins et de eroquis d' Eugène D. perste und zweite Folge, 56 lithographirte Blätter, Par. 1864—65). Vgl. Moreau, Eugène D. et son uyvrer (Par. 1873).