Delaroche (Paul), berühmter b Historienmaler, geb. 17. Juli 1797 zu Paris, Schüler von Gros, blieb in seinen ersten Arbeiten den akademi⸗ —* Grundsätzen seines Lehrers getreu, fühlte sich aber bald zu der neuen romantischen Richtung hingezogen. Die Ausstellung von 1827, zu welcher er die Ermordung des Präsidenten Duranti (im Louvre) und den Tod der Elisabeth von England (Luxembourg) lieferte, begründete seinen Ruf. Sodann folgten: Richelieu im Nachen auf der Rhöne und Mazarin auf dem Krankenbett, zwei durch Girards Kupferstiche allgemein bekannte Gemälde; ferner Cromwell am Sarge Karls I. und die Kinder Edwards (1831). D. zeigte in diesen Bildern sorgsame Genauigkeit in der Behandlung aller Teile und eigentümliche Diskretion in der Darstellung schrecklicher Momente. Die Akademie, so abhold sie gegen alles Romantische gestimmt war, ernannte ihn 1832 zu ihrem Mitgliede. Seitdem erschienen in schneller Aufeinanderfolge: Die heil. Amalie (meisterhaft von Mercuri gestochen), Die Hinrichtung der Jane Gray (1833) „Ermordung des Herzogs von Guise (1834), ein Bild von geistvoller Auffassung und dramatischem Gefühl, anerkannt das Meisterstück des Künstlers; Die heil. Cäcilie, eine Nachahmung der ital. Cinquecentisten; Karl I., von Cromwells Soldaten verhöhnt, und Lord Strafford, zu seiner Hinrichtung geführt (1836). Von der Regierung 1837 mit der Ausschmückung des Saals für die Verteilung der akademischen Preise in der pariser Kunstschule beauftragt, malte D. an der halbrunden Wand dieses Saals eine Art Kunstareopag, bestehend aus den Hauptmeistern aller Länder und eiten, fünf Gruppen von mehr als 80 Figuren. eit diesem Werke, das ihn vier Jahre angestrengt beschäftigte, aber bei dem Brande von 1855 stark beschädigt wurde, sandte er keine Bilder mehr zu den öffentlichen Ausstellungen. Von seinen spätern Arbeiten sind zu nennen: Napoleon I. nach der Abdankung. zu Fontainebleau (im Museum zu Leipzig), Marie Antoinette vor dem Revolutionstribunal, Die Girondisten in der Conciergerie (1855), Maria bei den heiligen Frauen während der Hinführung Christi zur Richtstätte, endlich Die Apostel bei der Heiligen Jungfrau nach der Kreuzigung. Die zwei letzten Skücke gedachte D. zu einer Reihenfolge kleiner Staffeleigemälde auszudehnen, welche eine neue Art von Stationen» abgeben und die Vorgänge auf dem Leidenswege Christi vom Richthause des Pilatus nach dem Kalvarienberge vorstellen sollten, nicht so, wie die Legende sie ausgeschmückt hat, sondern so, wie die Phantasie des Malers sich dieselben dachte. Diese kleinen Passionsdramen sind von innigem Gefühl, von zartem Kolorit und Vortrag, von gerühmter Stimmung und Wirkung und ein augenscheinlicher Beleg, daß der Künstler in eine neue Richtung einlenkte, als er 4. Nov. 1856 zu Paris starb. D. war von Natur zwar nicht mit einem, den großen Meistern angeborenen Künstlerinstinkt, dafür aber mit einer bedeutenden Verstandesschärfe und Willenskraft begabt, welche ihn stets dem Impuls der Zeit folgen und allmählich, aber beständig vorwärts Heher ließen. Die Zeichnung, zumal in seinen frühesten Werken, ist weich, die Form schwülstig leer oder schwach, die Farbe grau oder grell und später sogar ins Tintenblaue übergehend; aber die Komposition zeigt sich immer bemerkenswert, und die aus irgend einer dramatischen Geschichte genommene Situation erscheint stets sehr geschickt angeordnet. Seltsam wählte der so schüchtern und behutsam malende Künstler zu seinen Darstellungen fast immer die schrecklichsten Dinge, Gänge zum Schafott, Metzeleien, Ermordungen, Todeskämpfe u. dgl. Freilich war es ein nur gelinde ergreifender und immer durch diskrete Auffassung und saubere Ausführung gemilderter Schauder, ohne Impasto, ohne blutrote und leichengrüne Töne, so wie ihn der Ausgang einer klassischen Tragödie oder eines halbklassischen Dramas zuläßt. D. zeigte sich als ein Mann seiner Zeit, und war der Maler der Epoche, die überall nach der arichtigen Mittey strebte. Ein in jeder Anland mn ehrenwerter Künstler, erlangte er in England und Deutschland eben solchen Ruf wie in Frankreich. Seine gewandte Eklektik fand bei dem jüngern Künstlernachwuchs enthusiastischen Anklang, und mehr als 200 Schüler arbeiteten unter der Aufsicht des Meisters, an den sich auch von den in Paris studierenden Deutschen viele anschlossen. Die besten franz. Kupferstecher, wie Mercuri, Prevost, Gerard u. a., waren unablässig damit beschäftigt, seine Werke nachzubilden und zu verbreiten. Vgl. de Laborde, Oeuvre de Paul D. „ (86 photogr. Blätter, Fol., Par. 1858).