FeedDelft
ErdkundeBrockhaus 1882

Delft, freundliche Stadt im Bezirk Rotterdam der niederländ. Provinz Südholland, zwischen Rotterdam und Haag, 9 km im Südosten von letzterm an dem Flüßchen Schie und an der Bahn Rotterdam:Amsterdam gelegen. Der Ort wird von vielen, von Linden eingefaßten Kanälen durchschnitten, ist ziemlich regelmäßig in Form eines Vierecks gebaut und zählt, (1880) 26 050 E. Unter den öffentlichen Gebäuden zeichnen sich aus: der Prinzenhof (jetzt eine Kaserne), worin 10. Juli 1584 Wilhelm I. von Oranien durch Balthasar Gerhard erschossen wurde; das große, 1618 erbaute Stadthaus mit vielen ausgezeichneten Gemälden; das Zeughaus, ein teilweise von Wasser umgebenes großes, finsteres Gebäude, ursprünglich das Warenhaus der Ostindischen Kompagnie, mit dem Artillerielaboratorium und den großen Pulvermagazinen außerhalb der Stadt in Verbindung stehend; die got. Alte Kirche, an Stelle eines ältern Baues im 15. Jahrh. erbaut, mit einem etwas zur Seite geneigten Turme und mit den Denkmälern der Admirale Tromp und Peter Hein und des Naturforschers Leeuwenhoek; die Neue Kirche, 1412—76 erbaut, mit einem berühmten, aus etwa 500 Glocken bestehenden Glockenspiele und einem 90 m hohen Turme, in welcher die Familiengruft des fürstl. nassau-oranischen Hauses sich befindet und die Mausoleen des Prinzen Wilhelm J. (1621 von Keyzer und Quellinus vollendet) und des zu D. geborenen Hugo Grotius. Außerdem sind noch besonders zu erwähnen: die kath. oder Jesuitenkirche, die Waffenfabrik, die Kugelgießerei, das Schauspielhaus mit Konzertsaal und das Städtische Krankenhaus mit vier Anatomiegemälden, worunter das älteste und interessanteste von Mierevelt aus dem V. 1617. Zu den wissenschaftlichen Anstalten gehören die Polytechnische Schule (mit bedeuttender Modellsammlung von Schiffen, Mühlen, Maschinen u. s. w.), die Schule zur Bildung von Beamten für die ostind. Kolonien, seit 1864, als die staatliche Beamtenschule nach Leiden verpflanzt wurde, auf Stadtkosten erhalten! die 1851 eröffnete Zeichen-und Industrieschule; die Waisenstiftung der Frau van Renswoude mit Filialen im Haag und in Utrecht. An Wohlthätigkeitsanstalten für Waisen und alte Leute ist D. sehr reich. Auch hat die Stadt eine Irrenanstalt. D. war vorzeiten wegen seiner Fabriken von Fayence und Steingut berühmt, sodaß in ganz Holland derartiges Geschirr den Namen Delfter Waren oder Delfter Zeug führte. Gegenwärtig ist nur noch eine solche Fabrik im Betrieb. Auch von den früher so blühenden Bierbrauereien sind nur einige übriggeblieben. Dagegen entwickelte sich die Teppichfabrikation, welche sehr schöne, den smyrnaer Teppichen nachgeahmte Erzeugnisse liefert; außerdem die Faßbinderei, Korbflechterei und einige andere Industriezweige von geringerer Bedeutung. — D. wurde im 11. Jahrh. von dem lothring. Herzog Gottfried dem Buckeligen erbaut und kam dann in den Besitz der Grafen von Holland, die es durch Kastellane verwalten ließen; 1536 brannte es fast ganz ab. Die 1797 aus der franz.-reform. Gemeinde hervorgegangene Delfter Religionsgesellschaft (Christo sacrum), welche Vereinigung aller christt. Parteien bezweckte und anfangs viele Anhänger fand, ist jetzt erloschen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 20Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 10

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6