FeedBerthold von Holle
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Berthold von Holle, einer der wenigen namhaften Dichter niederdeutscher 1 im Mittelalter, aus einer adeligen, noch heute blühenden amilie Niedersachsens stammend, dichtete in den 1260—70 und war wahrscheinlich der Sohn eines Bertoldus de Holle Truchseß des Bischofs Konrad von Hildesheim, der von 1219—45 in Urkunden öfter als Zeuge erscheint. Von den drei epischen Dichtungen, die man bisjetzt von ihm kennt, „Demantino, «Craney, Darifants (herausg. von Bartsch, Nürnb. 1858), ist die erste mit Ausnahme von einigen Schlußversen ganz (über 12000 Verse), die zweite zum größern Teile (gegen 5000 Zeilen), die dritte nur in ein paar spärlichen Fragmenten erhalten. Alle drei haben das Gemeinfame, daß die Stoffe Anklänge an die Geschichte, an histor. Persönlichkeiten und Ortlichkeiten enthalten. 8 eine dieser Gedichte, der Craner (Kranich), hat im roßen und ganzen denselben Inhalt wie der ebenfalls nur in Bruchstücken auf uns gekommene Roman vom Grafen Rudolf (herausg. von W. Grimm, Gött. 1844), welcher den Kreuzzügen seinen frei behandelten Stoff entnommen hat. Die Abweichungen in den Namen und anderm erklären sich daraus, daß B. nach s einem ausdrücklichen Geständnis nicht nach einer schriftlichen Quelle, sondern nach der mündlichen Erzählung des jungen Herzogs Johann von Braunschweig (geb. um 1238 gest. 1277) dichtete. Auch «Demantinv beruht auf mündlicher Mitteilung, die der Dichter von einem Herrenp empfangen hatte. B.s Vorbild in allen drei Werken ist Wolfram von Eschenbach, aus dem er zahlreiche Wendungen und Ausdrücke 7½ hat. B. ist kein dichterisch bedeutender Geist, aber Lebendigkeit der Darstellung und Naivetät sinb ihm nicht abzusprechen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 878Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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