Deutschland entfaltete, erregte bei seinen bisherigen Verbündeten, besonders Moritz von Sachsen und dem Paypst, nicht geringere Unruhe, als sein Versuch, durch das Augsburger Interim (1548) den Rücktritt der Protestanten zur alten Kirche herbeizuführen, die Protestanten im Reiche aufregte und erbitterte. Die Reformpläne aber, die Karl V. selbst in Bezug auf die Kirche hegte fanden nicht nur bei den Parteien, sondern au auf dem seit 1545 eröffneten Tridentiner Konzil den heftigsten Widerstand. Die Behandlung, die er den gefangenen Fürsten zuteil werden ließ, ward der Vorwand für Moritz von Sachsen und die ihm verbündeten deutschen Fürsten, im Einverständnis mit Frankreich den Kaiser zu überfallen und seinen Bruder Ferdinand zu dem Friedensvertrag von Passau zu nötigen (1552). Vergebens versuchte Karl, den Franzosen die drei lothring. Bistümer, deren dieselben sich in dieser Krisis bemächtigt hatten, wieder zu entreißen: die Belagerung von Metz führte nicht zum Ziele. Karl V. übergab indessen die Leitung der Reichsangelegenheiten seinem Bruder und dieser verstand sich 1555 zu dem Augsburger Religions-⸗ frieden. Nach Karls V. freiwilliger Abdankung (1556) übernahm er als Ferdinand l. (1556—64) die Kaiserwürde. Der Religionsfriede von 1555 ewährte den Ständen, welche sich bisher und in Zukunft zum Protestantismus bekannt und bekennen würden, vollen Frieden, erhielt aber in der Deklarationo des ageistlichen Vorbehaltsv, der den zukünftig zur neuen Lehre übertretenden geistlichen Fürsten die Cvangelisierung ihrer Stifter und die Weiterführung ihres Amtes untersagte einen Keim zu zahllosen Streitigkeiten, die alles öffentliche 1 teresse verwirrten. Die Reichsverfassung, schon vor der Reformation ein Ausdruck der vielköpfigen Territorialgewalt, war jetzt wesentlich zu einer Fürstenaristokratie geworden, welche die religiösen Angele enheiten wie alle andern in ihrem partikularen Juteresse ausbeutete. Es fehlte der einigende Mittelpunkt, von dem, wie in Schweden, Dänemark und England, die religiöse Frage hätte geleitet werden können; auch auf diesem wie auf allen andern Gebieten verfiel Deutschland der Entwickelung des Partikularismus. Während bis dahin der Katholizismus dem stürmischen Andrängen der prot. Religionsformen nirgends nachhaltig hatte widerstehen können, begann er jetzt, wo auf dem Trientiner Konzil die röm. Kirche neu organisiert wurde, durch die rastlose Arbeit der Jesuiten und der jesuitenfreundlichen Fürsten in Deutschland wieder feste Wurzeln und neuen Boden zu gewinnen, was ihm um so leichter werden mußte, als die neue Lehre im Gegensatz zu der straffen Einheit Roms in unfruchtbarem Sektenhader ihre Kräfte zersplitterte. Dennoch bewährte diese auch jetzt noch ihre populäre Kraft, und wären nicht die altgläubigen Bischöfe durch die genannte Klausel des Religionsfriedens an den Papst, und die deutschen Habsburger durch ihr Hausinteresse an Spanien Deusch gewesen, so wäre die Protestantisierung eutschlands auch jetzt noch wahrscheinlich gelungen. Aber diese kirchlichen Zerwürfnisse ließen für Verfolgung gemeinsamer nationaler Interessen keinen Raum. Nicht nur daß im Osten die Türken, im Westen die Franzosen auf das Reich drückten, auch in anderer Hinsicht machte sich die Schwäche und Zerrissenheit fühlbar. Die frühere kommerzielle Blüte war durch den seit der Entdeckung von Amerika erfolgten Umschwung der Handelsverhältnisse zerstört; die Macht der Hansestädte, namentlich Lübecks, war dem übergewicht der standinav. Königreiche erlegen; die Niederlande waren durch die undeutsche habsburg. Hauspolitik erst an Spanien gefallen, dann zu einer eigenen polit. Cxistenz auf Kosten Deutschlands gelangt; die Ostseeprovinzen drohten dem slaw. Einfluß, der sie umdrängte, zu unterliegen. ö Maximilian II. (1564—76) der seinem Vater auf dem Kaiserthrone folgte, suchte vergebens durch vermittelnde Taktik die Parteien im Frieden zu erhalten; die Entzweiung nahm nur zu. Seine Politik, welche der Ausbreitung des Protestantismus in Ssterreich und Böhmen doch wesentlichen Vorschub leistete, fand unter seinem Sohne aiser f II. (1576—1612) ihr Ende. Der neue Kaiser stand unter dem Einfluß der Jesuiten, und die Tendenz der gewaltsamen Gegenreformation wurde jetzt unverhüllter verfolgt, zumal zwei der bedeutendsten jüngern Fürsten, Ferdinand von Steiermark und Maximilian von Bayern, mit Eifer für diese Richtung wirkten. Die Übergriffe, die sich der letztere gegen die Reichsstadt Donauwörth erlaubte, gaben das Signal zu der Union, welche eine Anzahl prot. Fürsten (1608 abschloß, und die im folgenden Jahre die Stiftung einer schon vorher eingeleiteten kath. Liga hervorrief. Bei der Spannung, welche die jülicher Erbfrage erregte, wäre es ohne die Ermordung Heinrichs IV. von —— schon damals zum Kampf gekommen. Indessen war Kaiser Rudolf in seinen eigenen Erblanden gefährdet, hatte den Böhmen in dem sog. Majestätsbrief (1609) freie Religionsübung gewähren müssen und wurde nur durch den Tod vor der Schmach bewahrt, allmählich alle seine Kronen verloren zu geben. Sein Bruder und Nachfolger Matthias (1612—19) bisher in Opposition gegen den Kaiser war nicht im Stande, die Erbitterung der Parteien zu zähmen oder auch nur auf eine der beiden Parteien Einfluß zu üben. Verletzungen des Majestätsbriefs riefen in Böhmen (im Frühjahr 1618) eine Revolution hervor, welche der äußere Anstoß zu dem Dreißigjährigen Kriege (s. d.) in Deutschland ward. Bald nach dessen Ausbruch starb Matthias und hinterließ als Nachfolger in seinen Erblanden den Jesuitenfreund Ferdinand von Steiermark. Es gelang Ferdinand II. (1619—37), nicht allein unter den schwierigsten Verhältnissen sich in Osterreich zu behaupten, sondern auch, während ihn die Böhmen für abgesetzt erklärten, die Wahl zur deutschen Kaiserwürde zu erlangen (Aug. 1619). Von der Liga unterstützt, warf er den böhm. Aufstand nieder, besiegte (Rov. 1620) den dort gewählten Gegenkönig Friedrich von der Pfalz und nötigte die Union sich aufzulösen. Sofort begann nun die Politik der gewaltsamen Gegenreformation wie in Böhmen und Ssterreich, so auch in den übrigen occupierten Teilen Deutschlands rücksichtslos zu walten, sodaß dem Auslande, erst der dän. Krone (1625—29), dann Schweden und Frankreich Anlaß geboten ward, sich in die deutschen Angelegenheiten einzumischen. Ferdinand II. hatte indessen die Abhängigkeit von der Liga abzuschütteln gewußt und durch Wallenstein einen selbständigen militärischen Einfluß im Reiche erlangt; er ließ sich aber (1630) bewegen, denselben zu entlassen, nachdem er kurz zuvor mit dem Führer der Liga sich entzweit und zugleich durch das höchst unkluge Restitutionsedikt (1629) das prot. Interesse gegen sich herausgefordert hatte. Dies erleichterte dem schwed. Könige Gustav Adolf sein Unternehmen au Deutschland, das einerseits der Herstellung des bedrohten Protestantismus galt, andererseits die schwed. Herrschaft auch an den deutschen Ufern des Baltischen Meeres begründen sollte. Unter schwierigen Verhältnissen brach sich Gustav Adolf Bahn nach Sachsen warf die ligistische Macht bei Breitenfeld (631) nieder, drang siegreich nach dem Rhein, nach Schwaben und Bayern und schlug die Kaiserlichen unter dem wieder eingesetzten Wallenstein bei Lützen (1632), fiel aber selbst in dieser Schlacht. Aber auch Wallenstein trug sich mit durchiern Entwürfen, denen man in Wien nur urch seine Absetzung und Ermordung (1634) glaubte begegnen zu können. Nachdem Schweden und Frankreich sich einmal in die deutschen Verhältnisse eingemischt, war die Herstellung des Friedens so leicht nicht möglich. Zwar gelang es dem Kaiser, nach dem Siege bei Nördlingen (1634) wenigstens einen Teil der Protestanten durch den Frieden von Prag zu gewinnen (1635); aber solange die Grundsätze des Restitutionsedikts nicht unbedingt aufgegeben wurden, war es der auswärtigen Intervention leicht, den Krieg zu verlängern. So wütete auch nach Ferdinands Tode unter Ferdinand III. (1637—57) der furchtbar verheerende Krieg noch fort. Der Wohlstand und die Bevölkerung eines Teils von