Devrient (Ludw.), der genialste unter den deutschen Schauspielern neuerer Zeit, geb. 15. Dez. 1784 zu Berlin, wurde von seinem Vater, einem Seidenhändler, für den Kaufmannsstand bestimmt, begab sich aber, während eines Aufenthalts in Leipzig durch Ochsenheimers Spiel mächtig ergrifsen, zu der wandernden Schauspielertruppe des Direktors Lange leigentlich Bode) und betrat 18. Mai 1804 in Gera zum ersten mal die Bühne unter dem Namen Herzberg als Bote in der Braut von Messina». Später zog er mit dieser Truppe in mehrern sächs. Städten umher, bis er 1805 in Dessau ein festeres Engagement erhielt. Schon hier fand er in harakterrollen vielen Beifall. Die 1807 mit Margarete Neefe eingegangene Ehe löste bereits im folgenden Jahre der Tod. Später war er noch zweimal vermählt. Als ihn drückende Schulden nötigten, sich 1809 heimlich zu entfernen, begab er sich zu der Bühne in Breslau, wo er fortwährend mit dem größten Beifall spielte. Hier lernte ihn Iffland kennen, der ihn für die berliner Bühne gewann, da er D. für den einzigen Schauspieler hielt, der ihn ersetzen könnte. Im J. 1815 betrat D. in der Rolle des Franz Moor zum ersten mal die berliner Bühne und wurde und blieb von nun an der jefeierte Liebling des Publikums. Eine ungeregelte debensweise und der übermäßige Genuß geistiger detränke, dem er sich im Verkehr mit gleichgesinnten Freunden, wie E. T. A. Hoffmann und andern, zingab, zerrüttete allmählich seinen Körper. Zu rüh für die Kunst starb er 30. Dez. 1832 in Berlin. Als Schauspieler steht D. einzig da, indem bei ihm die Inspiration bei weitem mächtiger war als die bloße Reflexion und das Studium, wodurch er insbesondere den Gegensatz gegen Iffland und jüngere Schauspieler von Bedeutung, wie Seydelmann, bildet, und indem ein ursprünglicher poetischer Humor seine Leistungen von innen heraus verklärte. Er war eine dämonische Künstlernatur, und dieses Dämonische prägte sich auch in seiner gesamten äußern Erscheinung, in seiner Gesichtsbildung, seinem Organ aufs frappanteste aus, die, wie seine ganze uffassungsgabe, —2 Mimik und Deklamation, mehr charakteristisch ergreifend wirkten, als in idealem Sinne schön zu nennen waren. Das höchste Komische, wie das höchste Tragische, aber auch das zwischen beiden Extremen liegende Gemütlich-Humoristische, insofern es nur dem charakteristischen, nicht dem ideglen Genre angehörte, gelang ihm gleich ausgezeichnet. Er war geschaffen nicht für das bloß Heroisch-Deklamatorische, sondern für das mehr rein Menschliche, welches über die platte Wirklichkeit hinausreicht und entweder ein Versinken in das Dämonisch-Psychische oder ein Überspringen in das Gebiet der phantastischen Humoristik nötig oder möglich macht. Daher wurde er Norm für viele Shakspearesche Faltaff für Shylock, Lear, Richard 1II., Mercutio, Falstaff: Vorbild fuür Franz Moor, den Mohren in Fiescov, Schewa, Lorenz Kindlein und eine Menge kleiner Charakterrollen, die erst durch ihn Leben und Bedeutung erhielten. Dis Tochter aus erster Ehe, Emilie (1808 -57), ist auch als Schauspielerin aufgetreten und vermählte sich mit dem , Höffert. Vgl. Z. Funck, «Aus dem Leben zweier Schauspieler: Ifflands und D.s» (Lpz. 1838); Ed. Devrient, Geschichte der deutschen Schauspielkunst o (Vd. 4, Lpz. 1861). Eine ausführliche den uFer-Dis von Gerold findet sich in Heft 13 der «Berlinischen Chronik' (Berl. 1876). — Novellistisch hat ihn H. Smidt in seinen „Devrient-Novellen o» (3. Aufl., 2 Bde., Berl. 1882) behandelt. Eine treffliche Schilderung von D.s Eigentümlichkeit findet sich in dem zweiten Bande von Holteis Roman (Die Vagabundeno und in R. Springers Roman „(D. und Hoffmann oder Schauspieler und Serapionsbrüdere (3 Bde., Berl. 1873).