Dos (frz.), Rücken; dos àdos, Rücken gegen Rücken, mit den Rücken gegeneinander gekehrt (Gegensatz: vis-à-vis). — Dos d'àne (Eselsrückeno), ein spitz zulaufender Gewölbebogen. Dos dath, s. Mitgift. „Dös (schwed.) oder Dyß (dän.) lautet der nordische Name der aus aufrecht stehenden Wandsteinen und einem gewaltigen Deckstein gebildeten Grabkammern aus dem Steinalter, deren im südlichen Schweden sowie auch in Dänemark mehrere noch erhalten sind. über den Bau dieser sog. «Riesenbetteno veröffentlichte König Friedrich VII. von Dänemark eine archäol. Studie (deutsch von Lucht, Kopenh. 1863). (S. Dolmen.) osa, s. Dozsa. Doseh, Doseh-Fest, wird in Ägypten nach einer speziell in Kairo dabei vorkommenden, die Einbildungskraft besonders lebhaft beschäftigenden Ceremonie die Geburtstagsfeier des Propheten Mohammed (Muled en-Nebbi) genannt. Diese Feier, welche 1588 von dem Sultan Murad III. eingesetzt worden sein soll, wird in den Sykomorenalleen der Esbekijjeh, des 2 Mons freien Platzes in Kairo, vom 3. bis 11. des Monats Rebi'ulewwel abgehalten und besteht während der ersten sechs Tage in den üblichen orient. Volksbelustigungen, Karussellreiten, Schaukeln, Ansehen von fremden Tieren, von Seiltänzern, Gauklern u. dgl., welche der Festlichkeit den Charakter eines Jahrmarkts geben. Der letzte Tag, welchem die Céila mubareke (gesegnete Nacht) vorausgeht, gilt als der eigent05 Geburtstag, für welchen die Hauptfeier aufgespart wird. Die in Agypten viel verbreiteten Sa'dijeh-Derwische, bei denen sich überlieferunen von den Psyllen (Schlangenbändigern) des Altertums erhalten zu haben scheinen, halten am Morgen dieses Tags eine Prozession, bei welcher sie früher die seltsamsten Produktionen ihrer Ihendigg Scht Kunst zum besten gaben und sogar lebendige Schlangen mit den Zähnen zerfleischten, sowie sie auch noch heutzutage durch allerlei Gaukelei eine Art von religiösem Wahnsinn zu erzeugen wissen. Nachdem das Publikum so vorbereitet worden, 92 N am Nachmittag die Ceremonie der D. oder des Niedertretens selbst. An der Spitze eines langen Zugs von Derwischen verschiedener Sekten erscheint der Scheich der Sa'dijeh zu Pferde auf dem vorgenannten freien Platz, woselbst sich 2—300 junge Männer, dicht aneinandergereiht, je ein Kopf zwischen zwei Fußpaaren und je ein ien. ut zwischen zwei Köpfen, auf den Boden egen und gleichsam ein Straßenpflaster bilden, über welches die ganze Prozession mit dem Scheich zu Pferde hinweggeht. Es sollen hierbei keine Verletzungen vorkommen, was als ein wunderbarer Beweis der Wohlgefälligkeit der Feier bei Gott ilt. Auch ist von Europäern oft beobachtet woren, daß die jungen Leute, wenn der Zug vorüber, munter und wohlgemut wieder aufsprangen. Dosen, nach dem holländ. doos, dooze (frz. boites, engl. boxes), nennt man im allgemeinen kleinere, viereckige oder runde Behältnisse, schachtel- oder büchsenartige Gefäße, die in der Regel mehr lang und breit als hoch sind, durch einen mittels Scharniers befestigten oder auch abnehmbaren Deckel geschlossen werden können und zur Aufbewahrung von allerlei trockenen Substanzen, wie Schnupf- und Rauchtabak, Zucker u. s. w. dienen. Man verfertigt dieselben aus edlen und unedlen Metallen, Holz, Horn, Glas, Porzellan, Alabaster, Serpentin, Elfenbein, Schildpatt, Hartgummi und mancherlei künstlich erzeugten oder eigentümlich präparierten Materialien. Die Fabrikation der Schnupftabaksdosen oder Tabatieren hat sich, seitdem die Sitte des Schnupfens in allen Schichten der Bevölkerung Verbreitung gefunden (während der letzten Jahrzehnte des 16. und in der 257 Hälfte des 17. Jahrh.) zu einem selbständigen Industriezweig entwickelt. Tabatièren aus Gold, auch wohl mit Perlen und Edelsteinen besetzt, graviert, mit fein emaillierten Gemälden, sog. Dosenstücken, geschmückt oder auch mit Spielwerken versehen (Spieldosen), waren von jeher ein beliebter Luxusartikel, besonders zu Ehrengeschenken. In neuerer Zeit wird die Herstellung von Tabaksdosen aus Papiermaché (Müller⸗ oder Stobwassersche D.), häufig mit in schwarzen Lack eingelegter Perlmutter verziert, schwunghaft betrieben, und zwar zeichnen sich hierin in Deutschland die Fabriken von Berlin, Braunschweig, Freiberg, Altenburg, Schmölln, Ensheim in der Pfalz namentlich durch treffliche Lackierung und feine Malerei aus. Die sog. russischen oder Tuladosen bestehen aus einer Silberkomposition, in welche mit schwefelsaurem Silber die in schwarzer Farbe erscheinende Zeichnung eingeschmolzen (melliert) ist. Im Elsaß werden in enormer Menge einfache D. aus Birkenholz, meist von eirunder Form n lackert Die schottischen D. bestehen aus sehr schön lackiertem und mit gegittertem Muster bemaltem Holz und haben ein eigentümliches hölzernes Scharnier. In England fabriziert man D. aus hornartig steifem, meist schwarz gebeiztem und mit Gold oder Silber verziertem Leder. In Oberstein an der Nahe werden D. aus Achat, in Zöblitz im sächs. Erzgebirge solche aus Serpentin gedreht. Auch hat man öfters Seemuscheln von hübscher Form und Färbung zur Herstellung von D. verwendet. Eine hohe kommerzielle Bedeutung hat gegenwärtig durch die in großartigem Maßstab betriebene Herstellung von Konserven die Fabrikation der zum luftdichten Verschluß derselben dienenden Blechdosen gewonnen, wobei die Handarbeit zum großen Teil durch Maschinenarbeit verdrängt worden ist. Dabei ist gegenwärtig der Begriff D. ein weniger eng begrenzter als lechgefäße nennt, in denen Früchte, engl. Biskuits u. s. w. versendet und aufbewahrt werden. Wenn bei mathem. und physikal. Instrumenten, wie der Wasserwage, dem Kompaß, dem Thermometer, von Dosenform die Rede ist, versteht man darunter die Form einer kreisrunden D. mit besonders aufgesetztem Deckel. ö