Dracontius (Blossius Emilius D.), röm. Dichter, lebte am Ende des 5. Jahrh. n. Chr. in Karthago. Er ist zwar von den der Zeit des Verfalls antiker Kultur anhaftenden Mängeln nicht frei und leidet an rhetorischer überladung und Schwülstigkeit, zeigt aber bei einer für seine Zeit bewunderungswürdigen Belesenheit in christl. und antik-heidnischer Litteratur wirkliches an auher Talent und Gefühl. Erhalten sind von ihm außer einigen Jugendgedichten versifizierte Deklamationen, wie sie in den Rhetorenschulen üblich waren, einige Epithalamien (Hochzeitsgedichte), zwei kleinere Epen aus dem Gebiete der Mythologie (über den Raub der Helena und die Sage von der Medea), ein christl. Lehrgedicht De deo (von der Schöpfung und Erlösung) und ein elegisches Gedicht Satisfactioo, worin der Dichter, der wegen eines Gedichts auf einen Feind des Vandalenkönigs Gunthamund im Gefängnis schmachtet, um Verzeihung und Gnade bittet. Außerdem ist es wegen der Ähnlichkeit in der Be-Ihr wah des Stoffs, in Sprache und Versbau sehr wahrscheinlich, daß das Epos über Orestes (. 3 die sog. Orestis tragoedias, ebenfalls ein Werk des D. ist. Früher besaß man nur den größten Teil des 1. Buchs des Epos De deos unter dem Titel Hexamerone und die «Satisfactioo in der überarbeitung des Bischofs Eugenius von Toledo. Dann gab Arevalo den ursprünglichen Text dieser beiden Gedichte vollständig heraus (Rom 1791); endlich sind auch die andern Gedichte (mit der „Satisfactios von von Duhn, Lpz. 1873) veröffentlicht worden.