FeedDreux (Durocassis)
ErdkundeBrockhaus 1882

Dreux (Durocassis), Stadt des franz. Depart. Eure-et-Loir (Orléannais) in anmutiger und fruchtbarer Gegend an der Blaise und unweit deren Mündung in die Eure, 82 km westlich von Paris und 33 km im NNW. von Chartres, an der Linie Paris-Granville der Westbahn, die hier nach Orléans abzweigt, Hauptort eines Arrondissements, Sitz eines Tribunals erster Instanz, eines Handels- und Friedensgerichts, ist sehr alt, aber ziemlich gut gebaut und wird beherrscht von einer Anhöhe mit den Ruinen der alten Festung der Grafen von D. und den Resten einer 1147 erbauten Kapelle. Der Ort hat eine schöne, aber unvollendete Kirche aus dem 16. Jahrh., ein sehr hohes, halb im got., halb im Renaissancestil im 16. Jahrh. erbautes Stadthaus und (1876) 7087, als Gemeinde 7922 E., welche Kerzen, Hüte, Leder, Kessel, Quincaillerien fabrizieren und Färberei, Eisengießerei und sehr lebhaften Produktenhandel treiben. Im Altertum war der im Gebiet der Carnuten in Gallia Lugdunensis gelegene Ort Versammlungsort der jährlichen Zusammenkünfte der Gallier, einer der Mittelpunkte des Druidenwesens. Im Mittelalter war das Land der Dorocassinus pagus, später das Drouais oder Drugesin, und 1031 wurde daraus das Besitztum eines gleichnamigen, von Ludwig dem Dicken abstammenden Grafengeschlechts. Philipp August bemächtigte sich desselben 1188, die Engländer 1421. Am 19. Dez. 1562 wurde bei D. eine der blutigsten Schlachten der Religionskriege geliefert, in welcher der Prinz von Condé in Gefangenschaft fiel; 1593 wurde die Stadt von Heinrich IV. nach 14tägiger Belagerung eingenommen. Die Mutter des Königs Ludwig Philipp erbaute hier seit 1816 auf der Plattform des Schlosses eine Kapelle in bizarrem got.⸗ lombard.⸗byzant. Stil mit herrlichen Glasmalereien und der Familiengruft des Hauses Orléans. Von der 1852 dekretierten Konfiskation der Besitzungen des Hauses Orleéans ist dieses Erbbegräbnis ausgeschlossen geblieben; hierher wurden 9. Juni 1876 die Leichen Ludwig Philipps und der andern im Eril verstorbenen Mitglieder der Orléanistischen Familie von Weybridge übergeführt. Im Deutsch-Französischen Kriege wurde D., nachdem 17. Nov. 1870 die Franzosen bei Doudan vom Großherzog von Mecklenburg zurückgeschlagen, nach kurzem Widerstande seitens franz. Mobilgarden dunch die 17. Division unter General von Tresckow genommen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 562Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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