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VerkehrBrockhaus 1882

Bourges, Hauptstadt des franz. Depart. Cher und eines Arrondissements, an den lüssen Auron, Langis, Moulon und More, am Berrikanal und an der Linie Vierzon-Saincaize der Orléansbahn, die hier nach Moulins abzweigt, in einer getreidereichen Ebene gelegen, ist eine alte, große Stadt mit krummen und san, wen Suaßen altertümlich gebauten Häusern, von gewa tigen Mauern aus der gallo-roman. 6 mit vielen hohen Türmen und außerhalb derselben mit Kastanien⸗, Nuß- und Maulbeeralleen umgeben. Sie ist Sitz eines Erzbischofs, des Obergerichtshofs für die Depart. Cher, Indre und Nievre, eines Forstamts, eines Epceum und eines Handelsgerichts und hat ein yeeum (statt der 1464 gegründeten Universität), ein Seminar für Geistliche, eine Artillerieschule, die Irrenanstalt des Departements, ein Waisenhaus, ein + Gesellschaften für Geschichte, Statistik und Ackerbau u. s. w., eine öffentliche Bibliothek, ein Museum, ein Theater sowie viele Kirchen. Unter die sehenswerten Gebäude gehören: die von Karl d. Gr. und Erzbischof Paul begonnene Kathedrale St.⸗Etienne, einer der schönsten got. Dome Frankreichs, vielleichtY Europas, mit ausgezeichneten Glasmalereien, fünf Schiffen, die von 60 Pfeilern und 45 Pilastern getragen werden; der Nant palast, einst Hötel des Jacques Coeur, des Bankiers Karls VII., und 1682 von Colbert der Stadt geschenkt; der erzbischöfl. Palast mit einem öffentlichen Garten, worin ein Obelisk; das Stadthaus, das ehemalige Hötel de la Porte, das große Hospital, das einst den Templern gehörige Hötel-Dieu; an der Stelle des Schlosses, welches sonst die Residenz der Herzöge von Berri war, steht das Gebäude der ehemaligen Intendanz, jetzt die Präfektur. Seit 1861 besitzt B., das Frankreichs Arsenal und Mittelpunkt der Nationalverteidigung werden soll, ausgedehnte militärische Etablissements: eine Kanonengießerei, ein Arsenal, eine Pyrotechnische Schule, ein Pulvermagazin und ein großes Polygon; 1 km von der Stadt entfernt liegen die metallurgischen Werkstätten von Mazieres, in welchen die Gußstücke zu den Centralhallen zu Paris hergestellt worden sind. Die Stadt zählt (1881) 39 988 E., welche einige Tuch- und Sißenwarenfabrien, Lohgerberei und Brauereien unterhalten und mit Eisen, Mühlsteinen, Tuch, Getreide, Hanf und Wein handeln. In der Nähe der Stadt liegt der eisenhaltige Gesundbrunnen St.⸗Firmin. B. ist die altgallische Stadt Avaricum im Lande der Bituriges-Cubi, benannt nach dem Flusse Avara (der jetzigen More). Dieselbe wurde 52 v. Chr. von Julius Cäsar im Kampfe mit Vereingetorix erobert, später Bituricä genannt und als einer der festesten Plätze des westl. Gallien durch Augustus zur Hauptstadt der röm. Provinz Aquitania prima erhoben. Im Mittelalter war es die Hauptstadt der Landschaft Berri. Karl VII. hatte zu B., als ihm fast ganz Frankreich von den Engländern entrissen war, seine Residenz. Während der Hugenottenkriege eroberte es 1562 Montbem für die calvinistische Partei, mußte es aber em Herzoge von Guise räumen. Später trat es auf die Seite der kath. Ligue, unterwarf sich aber 1594 dem Könige Heinrich IV. Unter den sieben zu B. gehaltenen Kirchenversammlungen ist die von 1438 sehr wichtig; es wurden hier die sog. Pragmatische Sanktion der Gallikanischen Kirche mit Genehmigung des Königs Karl VII. und die Beschlüsse der Baseler Kirchenversammlung in Bezug auf die Beschränkung der päpstl. Macht und die Sicherstellung der königl. Rechte bestätigt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 406Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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