Chartres, die altertümliche, größtenteils eng und winkelig gebaute Hauptstadt des franz. Depart. CEure-et-Loire sowie eines Arrondissements, im ehemaligen Orléannais, an der Linie Paris-Brest der Westbahn und an der Bahn Orléans-Dreux, die hier nach Brou und Auneau abzweigt, auf einem Hügel am linken Ufer der Eure, 88 ki im SW. von Paris, in 107m Hohe, in einer ausgezeichnet fruchtbaren und getreidereichen Gegend (Chartrain), ist der Sitz der Departementalbehörden, eines Bischofs und eines Handelsgerichts. In der got. Kathedrale (1190—1260), 131 mlang, 16/4mbreit, mit zwei Türmen, von denen der eine 115mhoch auf—⸗ steigt, besitzt die Stadt die größte und eine der schönsten Kirchen Frankreichs. Die alten Festungswerke sind jetzt in Voulevards umgewandelt. Auf der Place des Epars Dare ein Denkmal des zu C. geborenen Generals Marceau. C. hat (1876) 20468 E., ein Kommunal⸗-Collége, zwei Normalschulen zur Bildung von Elementarlehrern und Lehrerinnen, eine Bibliothek von 50000 Bänden und 1100 Handschriften, ein naturhistor. Museum, ein Antiquitätenkabinett. Auch besteht eine Gesellschaft für Gartenbau und mehrere gelehrte Vereine. Unter den Hospitälern zeichnet sich die von dem Marquis von Aligre gestiftete und mit einem Fonds von 3 Mill. Frs. ausgestattete Versorgungsanstalt für Greise aus. Außer der gewöhnlichen Gewerbsproduktion fertigt man Leder, Bonneterie, wollene Wäsche mit der Nadel und bereitet berühmte Rebhuhnpasteten und Pfefferkuchen. Auch Eisen- und Kupferwaren, Pressen, Pumpen u. dgl. werden fabriziert und Loh⸗ und Weißgerbereien unterhalten. Bedeutend ist auch der Handel mit den unter dem Namen Percherons bekannten Pferden, mit Vieh, Wolle und Getreide der Beauce, für den die Stadt den Mittelpunkt bildet. — C. war schon vor der Herrschaft der Römer bedeutend als Hauptort der Carnutes unter dem Namen Autricum. Später wurde es der Sitz eines Bischofs. Im Mittelalter war C. (in Urkunden dieser Zeit Carnutum oder Carnotum) Hauptort des Landstrichs Beauce und des Chartrain, und gab der Grafschaft Chartres den Namen. Letztere kam durch Kauf schon 1286 an die Krone Frankreich und wurde durch Franz I. 1528 zu einem Herzogtum umgewandelt, welches seit 1623 die Familie Orleans als Apanage besaß, weshalb auch der älteste Sohn des Herzogs von Orleans gewöhnlich den Titel eines Herzogs von C. führte. Jetzt trägt denselben der Prinz Robert von Orléans, zweiter Sohn des 13. Juli 1842 gestorbenen Herzogs Ferdinand von Orléans (. d.). Im Deutsch-Französischen Kriege wurde C. 21. Okt. 1870 von deutschen Truppen (der 22. Division unter General Wittich) besetzt und blieb in den folgenden Kämpfen gegen die Loire-Armee ein wichtiger Stützpunkt für die Operationen der deutschen Heere.