FeedDschaipur
ErdkundeBrockhaus 1882

Dschaipur, engl. Jyepoor oder Jeypore (sanskrit. Dschajapura), eins der bedeutendsten Radschputenfürstentümer und tributpflichtiger Schutzstaat des indobrit. Reichs, im östl. Radschputana, zählt auf 37463 qkm 1 750 000 E. Der Boden ist eben und erhebt sich nur im N. und NW. durch vereinzelte oder auch gruppierte Felsen etwa 100 mhöher. Er besteht teils aus vegetationslosem Sande mit bewässerten und fruchtbaren Oasen, teils aus Gras- und Weideland. Im Sommer steigt die Wärme auf 40 R. im Schatten, während im Winter vielfach Reif vorkommt. Die Bevölkerung unterhält zahlreiche Viehherden, baut Getreide, Hülsenfrüchte, Baumwolle und Tabak, und mitten im Sande reifen in der trockensten Jahreszeit ungeheuere Wasserkürbisse. Unter der sehr gemischten Bevölkerung sind am zahlreichsten die Mina als Aboriginer und die Dschats (s. d.), betriebsame und geschickte Ackerbauer. Die Brahmanen finden siRh hier häufiger als in dem übrigen Radschputana. Der herrschende Radschputenstamm, 30000 Waffenfähige zählend, leitet seinen Ursprung vom zweiten Sohne Ramas, des Königs von Oude, ab. Das Land ist an fast unabhängige Lehnsleute (Thakurs) verteilt. Der Landesfürst hat 423165 Pfd. St. Jahreseinkünfte, zahlt 40000 Pfd. St. Schutzgeld und hält eine Armee von 4600 Mann Infanterie, 5142 Mann Kavallerie und 452 Artilleristen. Von dem Staatseinkommen werden jährlich 35000 Pfd. St. 50 öffentliche Werke, namentlich zum Zwecke der ewässerung der Felder, verwendet. ö Die Hauptstadt Dschaipur, 222 km im WSõW. von Agra, die regelmäßigste und schönste aller Hindustädte, ist von einem Wall und einer Backsteinmauer mit hohen Türmen und sieben festen Thoren umgeben und hat im allgemeinen schöne steinerne Häuser, zahlreiche Moscheen und Tempel, eine guterhaltene, aber nicht benutzte Sternwarte, eine Citadelle, ein Zeughaus mit Vorrichtung zum Gießen und Bohren von Geschützen. In der Mitte der Stadt steht der großartige Residenzpalast des Radscha mit prachtvollen Gartenanlagen. Gründer der Stadt ist Dschai-Singh, Radscha des Landes, berühmter Astronom und Minister des Dehlikaisers Mohammed (1718—48). — Die 7, Em im N. gelegene Stadt Amber (Ambir), nach der früher der Staat benannt wurde und die als Sitz der Gelehrsamkeit berühmt war, ist jetzt verödet. Chr., Versasse ind. Dichter aus dem 12. Jahrh. n. Chr., Verfasser des lyrischen Dramas 4Gitagovindar, welches von den Liebeständeleien des Gottes Krischna mit den Hirtinnen, sowie von der Entzweiung und Aussöhnung desselben mit seiner Hattin Radha handelt. Das berühmte Gedicht, das ich namentlich durch eine üppige erotische Phantasie, owie durch eine sehr wohlklingende, wenn auch geunstelte Sprache auszeichnet, ist herausgegeben mit lat. übersetzung von Chr. Lassen (Bonn 1836) eine deutsche übersetzung gibt es außerdem von F. H. von Dalberg (Erf. 1802) und von F. Rückert in der „Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandeso(Bd. 1). Dschalandhar oder Jallandar, eine Division der angloind. Lieutenant-Gouverneurschaft Pendschab, mit einem Areal von 32115 qkm mit (1872) 2477536 E., in dem Duab zwischen dem Bias und dem Satladsch, zwischen 30* 57⁷ und 32 5 nördl. Br., sowie 75 4 und 76˙ 38“ östl. L. von Greenwich gelegen. Dieser Landstrich gelangte während des ersten Kriegs der Engländer mit den Sikhs in den faktischen Besitz der erstern und wurde auch durch den Friedensschluß von Lahore vom 1. März 1846 von dem Maharadscha von Lahore an dieselben abgetreten. Das Land ist fruchtbar, das Klima gesund. Die Division zerfällt in die Distrikte D., Hoschijapur und Kangra. Der Hauptort Dschalandhar, einst die Residenz der Dynastie der Lodi-Afghanen, liegt unter 3121 nördl. Br. und 7531östl. L. von Greenwich; sie zählt 45607 Bewohner. Viele prachtvolle und großartige Gräber in ihrer Umgebung sind Beweise der frühern Größe und Bedeutung der Stadt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 586Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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