FeedDschessalmir (Jasalmir)
ErdkundeBrockhaus 1882

Dschessalmir (Jasalmir), auch Dschesalmer, eine Unterabteilung der Agentschaft Marwar in den Radschputanastaaten des indobrit. Reichs, gelegen zwischen 26 und 2828 nördl. Br., sowie 70 3˙ und 72 53“ östl. L. (von Greenwich), der westlichste Teil von Radschputana, wird nördlich von dem Tributstaat Bhawalpur der Provinz Pendschab, östlich von Bikaner und Joudpur, beides Agentschaften von ohiferben Pe südlich von der Agentschaft Marwar derselben Provinz und westlich von der Division Sindh der Präsidentschaft Bombay begrenzt. Der Flächeninhalt beträgt 42596 qkm, war aber früher, bevor die Daudputras sich des Territoriums Bhawalpur bemächtigten und dasselbe von D. abtrennten, noch beträchtlicher. Das Land besteht im allgemeinen in einer weiten, dürren, meistens sandigen, unfruchtbaren und von Pflanzenwuchs entblößten Ebene, aus der sich nur hin und wieder auch Dünen gleichende, teils einzeln, teils zu Reihen verbundene Sandhügel erheben. Zwischen diesen finden sich hin und wieder für Viehzucht geeignete Grasflächen. Im allgemeinen erscheint der Boden von D. als ein in verhältnismäßig neuerer Zeit über die ihn früher bedeckenden Wellen erhobener und trocken gefallener Meeresboden. Dafür spricht die Menge des Seesalzes, von welchem der sandige Grund allenthalben durchdrungen ist. Flüsse und selbst bedeutende Bäche sind in D. nicht vorhanden. Während der Regenzeit bilden sich aber an den am meisten tief liegenden Bodenstellen eigentümliche, Sari genannte Ansammlungen von Salzwasser, von denen die meisten während der trockenen Monate sehr bald austrocknen, einige aber oft Jahre hintereinander mit Wasser gefüllt bleiben. Dieses ist namentlich bei dem unweit der südl. Grenze gelegenen 28 km langen sog. Kanod-Sar der Fall, aus dessen Wasser die Bevölkerung ihren Bedarf an Salz bereitet, was eine Quelle der Einkünfte des Rawal oder Beherrschers dieses Landstrichs ist. An süßem Trinkwasser ist allenthalben Mangel; dasselbe findet sich erst in 100—102 m tiefen, gegrabenen Brunnen. Bei dieser Wasserarmut und dadurch bedingten Unfruchtbarkeit und Dürre des Landes ist von Ackerbau in D. kaum die Rede. Etwas günstiger ist es daselbst mit der Viehzucht bestellt, namentlich an den schon erwähnten hin und wieder zwischen den Sanddünen sich findenden größern oder kleinern mit Graswuchs bedeckten Bodenstellen. Hauptsächlich werden Dromedare, Pferde und Schafe gezüchtet. Im allgemeinen ist die Fauna und Flora von D. gleich arm. Die Bevölkerung, deren Gesamtzahl lich etwa 80000 E. geschätzt wird, besteht hauptsächlich in Radschputen und den Tribus der Bhattie, Hindus, deren religiöse mmh. aber durch ihren steten Umgang mit Mohammedanern sehr verwirrt erscheinen. Sie sind dem Genusse des Opiums sehr ergeben und entarten 5 in körperlicher wie geistiger Hinsicht mehr und mehr. Neben den Bhatti-Radschputen bestehen in Radschputen aus den beiden brahmanischen Tribus der Paliwals und Pokurna, sowie Dsats und in geringerer Zahl auch Jainas. Die gleichnamige Hauptstadt von D., unter 26 56“ nördl. Br. und 70 58 östl. L. (von Greenwich) gelegen, mit einer Bevölkerung von etwa 35000 Seelen und Residenz des Rawal oder Fürsten dieses Landes, soll 1156 von Dschersal, einem Bhatti, an Stelle der frühern Hauptstadt Lodorwa gegründet sein.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 592Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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