FeedDinadschpur
ErdkundeBrockhaus 1882

Dinadschpur, Distrikt der Division Rudschahi der Lieutenant-Gouverneurschaft der Untern Provinzen des indobrit. Reichs und mit einem Areal von 10686 qkmm und einer Bevölkerung von (1872) 1501924 C., nördlich von Kutsch-Behar, westlich von dem Distrikt Purnija der Division Bhagalpur, südlich von den Distrikten Bograh, Radschah und Maldah der Division Rudschahi und östlich von dem Distrikt Rangpur derselben Division begrenzt. D. besteht aus niedrigem, undulierend von N. gegen S. abfallendem Flachlande, aus welchem sich nur hin und wieder einige, die Höhe von 300 m kaum übersteigende Bodenanschwellungen erheben. Die Richtung von N. gegen S. zeigen auch die Flüsse, von denen D. reichlich bewässert wird. Der vornehmste von ihnen ist der von den Bergen von Siklim herabkommende Tista, welcher sich in zwei Arme spaltet, von denen der eine, Atari genannt, en S., der andere aber, den Namen Tista bei-Haltend, gegen SW. nach Kutsch-Behar hinfließt. Andere mit den genannten in näherer oder fernerer Verbindung stehende Flüsse in D. sind der Rahabada, Jamuna oder Jattuna, der Curatia, Tangou, Coolick, Nagor und zahlreiche andere kleinere. Hauptsächlichste Erzeugnisse der Bodenkultur sind Reis, Weizen, Gerste, verschiedene Arten Hirse, verschiedene Olpflanzen, Spezereien, wie Pfeffer, Bananer Capricum, Koriander, Anis u. a., sowie ananen, süße und gewöhnliche Kartoffeln, verschiedene Gurken⸗ und Kürbisarten. Baumwolle wird nur in geringer Menge angebaut und das Produkt ist von mittelmäßiger Güte und dient hauptsächlich für eigenen Gebrauch der Bevölkerung. Günstiger ist der Boden für Anbau von Zuckerrohr; die Anpflanzung von Tabak entspricht kaum den Bedürfnissen der Bevölkerung hieran, und auch die von Indigo ist nur gering. Die Bevölkerung, zur größern Hälfte aus mohammedanischen und nur zur kleinern aus heidnischen Hindu bestehend, ist im allgemeinen arm und befindet sich auf einer niedrigen Bildungsstufe. Nur einige wenige Brahminen höchsten Ranges verstehen das Sanskrit; eine größere Anzahl sprechen und schreiben Prakrit, während die Masse der Bevölkerung allein das Bengali versteht und redet. Moscheen sind in D. viele vorhanden, die meisten derselben aber klein und schlecht gebaut. Eigentliche Hindutempel existieren in D. nur wenige. Die Mehrzahl der Verehrungsstätten der Gottheiten des Hinduismus, Sthans genannt, bestehen allein in viereckigen, unter weitschattigen Bäumen errichteten Erdhaufen oder Terrassen und der Gegenstand der Verehrung Hhr nur in einem der betreffenden Gottheit geweihten Steine oder einem rohen, mit bunten Farben bemalten Bildnisse derselben aus Erde oder Thon. Für einige der höher verehrten Gottheiten sind auf den Sthans derselben besondere, pyramidalische oder domförmige Bauten, und für diejenigen, welche Gegenstand allerhöchster Anbetung sind, sog. Novorotnos, d. h. Gebäude mit neun Verzierungen, errichtet. Diese bestehen in einem Gebäude von zwei Stockwerken auf einer achteckigen Terrasse, aus deren Mittelpunkt eine Pyramide emporragt, während acht andere Pyramiden sich von den acht änbern Ecken der Basis des Tempelbaues erheben. Wichtigste Orte sind Dinadschpur (13042 E.), die Hauptstadt, Hemtabad, Raegang, Damdabad und Ghonaghat.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 358Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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