FeedDucrot (Auguste Alexandre)
GeschichteBrockhaus 1882

Ducrot (Auguste Alexandre), franz. General, geb. 24. Febr. 1817 zu Nevers, besuchte die Militärschule von St.⸗Cyr, wurde 1840 Lieutenant, diente dann in Algerien und wurde schon im Febr. 1842 Kapitän, befehligte im ital. Feldzuge 1859 eine Brigade und wurde 1865 Divisionsgeneral; 1869 übernahm er das Kommando der 6. Territorialdivision zu Straßburg und machte sich durch demonstrative Rekognoszierungen auf der deutschen Seite des Rheins bemerklich. Bei Beginn des Französischen Kriegs 1870 erhielt er das Kommando der 1. Division des 1. Armeekorps unter Mac-Mahon, nahm an der Schlacht bei Wörth teil, übernahm bei Sedan nach Mac-Mahons Verwundung den Oberbefehl, den er aber gleich darauf an Wimpffen abtreten mußte, und wurde durch die tKapitulation von Sedan kriegsgefangen. Hier wurde er auf sein Ehrenwort, sich in Pont-à-Mousson zu stellen, entlassen. Er reiste zwar dorthin, floh aber von da, als Arbeiter verkleidet, nach Paris, wo ihm Trochu den Oberbefehl über die zweite Armee (13. und 14. Korps) übertrug. Eine offen-Re Rekognoszierung, die er 19. Sept. 1870 in der Richtung nach Villeneuve-St.⸗George unternahm, wurde von Teilen der Dritten deutschen Armee zurückgeworfen, ebenso ein Angriff auf die deutschen Stellungen vor Rueil und Buzanval 21. Okt. dem großen Ausfalle, den die Franzosen 29. und 30. Nov. gegen die Stellungen der Sachsen und l Württemberger unternahmen (s. Champigny), kommandierte D. die Ausfalltruppen, sah sich aber 2 4. Dez. genötigt, die bei Brie über die Marne geschlagenen Brücken abzubrechen, und ai hinter die Forts zurück. Bei dem letzten großen Ausfalle vom 19. Jan. 1871(Schlacht am Mont-St.⸗Valérien) kommandierte er die Kolonne des rechten Flügels, f die auf Buzanval vorrücken sollte, traf aber zwei Stunden zu spät auf dem Gefechtsfelde ein und trug dadurch viel zu dem Mißlingen des ganzen Unternehmens bei. Als Paris sich Ende Jan. 1871 den Belagerern ergab, wurde D. 8. Febr. als Deputierter in die Nationalversammlung gewählt. Unter der Regierung von Thiers erhielt er das Kommando der bei Versailles zusammengezogenen Reservetruppen, welches er jedoch schon 26. April niederlegte. Im Sept. 1872 übertrug ihm Thiers den Befehl über das 8. Armeekorps in Bourges, und 29. Nov. 1873 legte D. sein Mandat als Abgeordneter nieder. Er veröffentlichte La vérité sur I'Algéries (Par. 1871), einen ziemlich wertlosen Bericht über die Kapitulation von Sedan (Par. 1871), und verwickelte sich in die auf den Umsturz der Republik gerichteten Bestrebungen der klerikalen Partei, der er mit großer Beflissenheit diente. J. 1876 ließ D. seinen Divisionen gelegentlich einer Heerschau bei La Motte Beuvron den Segen des Papstes erteilen und erwies sich überall als Vorkämpfer der äußersten Rechten. D. beteiligte sich deshalb an dem vom Ministerium Rochebouét für den 13. Dez.1877 geplanten Staatsstreich und traf in seinem Korpsbezirk die erforderlichen Vorbereitungen, welche durch einen Major öffentlich bekannt wurden. Auf Verlangen der Republikaner wurde darauf hin D. 10. Jan. 1878 seines Kommandos enthoben, blieb jedoch noch Mitglied des Landesverteidigungs-Komitees bis Hat März 1879, wo er aus der aktiven Generalität ausschied. D. schrieb einen guten Bericht über die Verteidigung von Paris: La défense de Paris (4 Bde., Par. 1876—78) und lebte, seitdem er sich ins Privatleben zurückgezogen hatte, in Versailles, wo er 16. Aug. 1882 starb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 614Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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