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VerkehrBrockhaus 1882

Dudley, Parlamentsborough und Manufakturstadt in der engl. Grafschaft Worcester, auf dem Gebiete von Staffordshire, an der Eisenbahn, 13 k:m im WNW. von Birmingham, ein hübscher, reinlicher Ort, der außer den Ruinen einer 1161 gestifteten Priorei 5 Kirchen besitzt, von welchen die alteste sehenswerte Denkmäler und Glasmalereien enthält, die got. St. Thomaskirche aber erst 1819 erbaut ward. Auf einer Anhöhe über der Stadt liegt in einem Parke die Ruine Dudley-Castle aus dem 8. Jahrh. D. zählt 46233 E., welche ungeheure Fabriken in Eisen (besonders Nägel) und Glas unterhalten. Auch werden die benachbarten Steinbrüche, Eisenwerke und Kohlengruben meist von der Stadt aus bearbeitet und vermehren deren Handel, welchem der bei ihr beginnende, in den Grandjunction-Kanal führende Dudley-Kanal eine beträchtliche Ausdehnung gewährt. In dem Steinkohlenfelde von D., welches großen Reichtum an Eisenerz mit einem Eisengehalte von 20—40 Proz. hat, befinden sich schon jahrelang Millionen Centner Kohlen durch Selbstentzündung im Brand. Die geognost. Verhältnisse sind hier auf höchst interessante Weise aufgeschlossen. udley, engl. Familie, stammt von Sir John Sutton, der um 1320 die Schwester und Erbin John de Sommeries, Herrn von D., heiratete, und dessen Sohn, John de Sutton, 1342 als Baron D. ins Oberhaus berufen wurde. John de Sutton, vierter Lord D., war einer der tapfersten Heerführer Heinrichs VI. in den Kriegen der Weißen und Roten Rose, unterwarf sich aber später Eduard IV. und starb 1482. Er hatte zwei Söhne, Edward und John, von denen der erste vor dem Vater starb, weshalb Edwards Sohn, John, als fünfter Lord D. folgte. Der zweite, John, machte den väterlichen Titel D. zu seinem Familiennamen und war der Ahnherr eines Geschlechts, das in der engl. Geschichte eine bedeutende Rolle spielte. — Edmund D., geb. 1462, berühmter Jurist und Minister Heinrichs VII., der mit einem andern Günstlinge dieses Monarchen, Sir Richard Empson, durch willkürliche Maßregeln aller Art die königl. Schatzkammer zu füllen wußte, zog sich dadurch den Volkshaß zu und wurde nach dem Tode Heinrichs 1510 hingerichtet. — Dessen Sohn, John D., geb. 1502, erbte von seiner Mutter das Anrecht auf den Titel eines Viscount Lisle, zu welchem ihn 1543 Heinrich VIII. erhob, wurde zum Großadmiral ernannt und leistete in den Kriegen gegen Schottland und Frankreich gute Dienste. Bei der Thronbesteigung Eduards VI. (1547) ward er zum Grafen von Warwick erhoben, und nachdem er den Protektor Somerset gestürzt hatte, bemächtigte er sich ganz des Vertrauens des jungen kränklichen Königs, von dem er den Titel eines Herzogs von Northumberland erhielt, und der auf sein Zureden seine Cousine Lady Jane Grey (s. d.) zur Thronerbin ernannte. Diese vermählte Northumberland mit seinem jüngsten Sohne, Lord Guilford D., und ließ sie nach dem Tode Eduards zur Königin ausrufen. Aber von den Truppen Marias gefangen genommen und aller seiner Ehren und Würden verlustig erklärt, endete er auf dem Schafott 22. Aug. 1553. Von seinen fünf Söhnen fielen zwei in den Kriegen gegen Frankreich; der dritte, Ambrose D., ward 1561 von Elisabeth in einen Teil der Güter seines Vaters als Graf von Warwick wieder eingesetzt, starb aber 1589 kinderlos. Der vierte, Robert, war der Graf von Leicester (s. d.), und der fünfte, Guilford, wurde mit seiner Gemahlin 1553 hingerichtet. Leicester hatte von der Lady Sheffield, mit der er sich heimlich vermählte, einen Sohn, Sir Robert D., geb. 1573 zu Sheen in Surrey, der nach dem Tode seines Vaters + Kenilworth⸗-Castle und andere Besitzungen desselben erbte. Da er jedoch die Re Geburt nicht zu beweisen vermochte, so entfernte er sich aus England und starb 1639 in Italien, nachdem seine Güter von Jakob J. konfisziert waren. Er beschäftigte sich viel mit den Wissenschaften, namentlich der Schiffahrts: kunde, der Baukunst und der Physik, und schrieb mehrere Werke, wovon das «Arcano del mareo (Flor. 1630) das bekannteste ist. Kaiser Ferdinand II. verlieh ihm 1620 den Herzogstitel. Die Stadt Livorno verdankte ihm zum Teil ihren Flor, indem er den Großherzog von Toscana bewog, sie zum Freihafen zu erklären, einen Molo erbauen ließ und durch seinen Einfluß mehrere engl. Kaufleute hinzog. Er hatte sich in England mit Alice, Tochter Sir Thomas Leighs, verehelicht, welche 1644 von Karl J. in Anerkennung des ihrem Gemahl angethanen Unrechts zur Herzogin von D. erhoben wurde. Sie starb 1670 ohne männliche Erben. Dagegen hatte Sir Robert mehrere natürliche Söhne, von denen der älteste, Charles D., nach dem Tode des Vaters den Titel Herzog von Northumberland annahm. Der obenerwähnte John, fünfter Lord D. (gest. 1487), war der Großvater von John, siebentem Lord D., der, schwachen Geistes, sich von seinem Verwandten John D., Herzog von Northumberland, bereden ließ, ihm das Stammschloß der Familie, Dudley-Castle, abzutreten, weshalb man ihn spottweise Lord Quondam nannte. Sein Sohn, Sir Edward Sutton, ward jedoch von der Königin Maria 1554 wieder in Dudley-Castle und den Titel eines Barons D. eingesetzt, zeichnete sich in den Kriegen gegen Schottland aus und starb 1586. Dessen Sohn Edward, neunter Lord D., starb 1643 ohne männliche Nachkommenschaft, worauf Titel und Güter auf seine Enkelin Frances, Tochter seines vor ihm gestorbenen Sohnes Ferdinand, übergingen, die sich mit Humble Ward, dem Sohne eines reichen Goldschmieds in London, verheiratet hatte, der 1644 von Karl I. zum Baron Ward ernannt wurde. Ihr Sohn, Edward, folgte 1670 seinem Vater als Lord Ward und 1697 der Mutter als Lord D. Dessen Großneffe, John, ward 1763 zum Viscount D. und Ward erhoben und starb 1774. — Der Enkel dieses letztern war der als Staatsmann und Gelehrter ausgezeichnete John William Ward, Graf von D., geb. 9. Aug. 1781. Nachdem er eine treffliche Erziehung genossen, trat er schon 1802 für Downton ins Unterhaus, wo er sich bald als Redner bemerklich machte und in der Folge eins der Häupter der gemäßigten Tories wurde. Am 25. April 1823 folgte er seinem Vater in dem Titel eines Viscount D., ward bei der Bildung des Canningschen Ministeriums 30. April 1827 zum Staatssekretär für das Auswärtige ernannt und im September desselben Jahres in den Grafenstand erhoben. Nach dem Eintritt Wellingtons (1828) gab er sein Amt auf und lebte seitdem von den Staatsgeschäften entfernt. Er war ein Mann von mannigfachen Talenten, gründlicher Gelehrsamkeit und dem edelsten Charakter, aber von einer Excentricität, die zuletzt in völlige Geisteszerrüttung überging. Bulwer hat ihn in seinem Pelhamo unter dem Namen Lord Vincent gezeichnet. Er starb 6. März 1833 zu Norwood. Mit 5* erlosch der Titel D.; die Baronie Ward mit den Familiengütern fiel jedoch einem entfernten Verwandten, dem Geistlichen William Humble Ward (gest. 6. Dez. 1835) zu. Diesen beerbte sein Sohn William, geb. 27. März 1817, der sich durch seinen Reichtum und Kunstsinn bekannt gemacht hat, und dessen Gunsten der Titel eines Grafen von 1860 erneuert wurde. [s. Dronte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 616Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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