FeedDudik (Beda Franz)
ReligionBrockhaus 1882

Dudik (Beda Franz), Benediktiner-Ordenspriester und Landeshistoriograph für Mähren, geb. 29. Jan. 1815 in Kojetein bei Kremsier in Mähren, besuchte das deutsche Piaristengymnasium in Kremsier, von 1834 an die die di Lehranstalt in Brünn und darauf bis 1840 die damalige Franzens-Universität in Olmütz, trat 1836 in den Orden der Benediktiner zu Raigern und empfing 1840 die Priesterweihe. Nachdem er hierauf 1840 Professor der klassischen und 1848 der böhm. Philologie und Geschichte an der philos. Lehranstalt in Brünn, dann bis 1854 Lycealprofessor am Obergymnasium ebendaselbst gewesen war, habilitierte er sich 1855 als Privatdozent für histor. Quellenstudium an der Universität Wien und ward 1859 zum Landeshistoriographen für Mähren ernannt. Als solcher schrieb er eine auf Quellen sich stützende «Allgemeine Geschichte Mährens» (Bd. 1—10, Brünn 1860—82), von welcher 3 Bde. (Bd. 8—10 Kulturgeschichte der Przemysliden-Zeit) auch in böhm. Sprache erschienen sind. Im J. 1851 unternahm er eine Reise nach Schweden und 1852 eine zweite nach Rom, deren Resultate er in den Forschungen in Schweden für Mährens Geschichter (Brünn 1852) und «Iter Romanumo (Wien 1855) niederlegte. D. war 1853 —59 mit Anlegung eines Centralarchivs des Deutschen Ritterordens in Wien beschäftigt, das neben den Staatsarchiven zu den reichsten und wohlgeordnetsten der ganzen Ssterreichisch-Ungarischen Monarchie gehört. Nachdem er schon 1863 eine Orientreise gemacht, nahm er an dem Krieg 1866 in Italien teil (Erinnerungen aus dem Feldzuge 1866 in Italieno, Wien 1870), begleitete 1869 Kaiser Franz Wiand nach Jerusalem und zur Cröffnung des Suezkanals, veröffentlichte darüber die «Kaiserreise nach dem Orient 1869 (Wien 1870), bereiste 1870 zu archivalischen Zwecken Frankreich, Belgien und Holland und 1874 und später mehrere male Rußland. Außer obigen sind von D.s Werken noch zu nennen: „Geschichte des Benediktinerstifts Raigerno (2 Bde., Brünn 1849; Wien 1868), „Mährens Geschichtsquelleno (Brünn 1850), Des Herzogtums Troppau ehemalige Stellung zur Markgrafschaft Mähren (Wien 1857), „Des hohen Deutschen Ordens Münzsammlung in Wienp (Prachtausgabe mit 32 Kupfertafeln, Wien 1858), «Waldsteinv (Wien 1858), Kleinodien des hohen Deutschen Ritterordens in Wienp (Prachtwerk in Groß-Imperial mit 60 Photographien, Wien 1866), «Archive im Königreich Galizien und Lodomeriend (Wien 1867), «Handschriften der fürstl. Dietrichsteinschen Bibliothek in Nikolsburge (Wien 1868), ⸗Bibliothek und Archiv im fürsterzbischöfl. Schlosse zu Kremsierv (Wien 1870), «Geschichtliche Entwickelung der Buchdruckerkunst in Mähren 1486 — 16219 (Brünn 1879), „Schweden in Böhmen und Mähren 1640 —505 (Wien 1879), Preußen in Mähren 17429 (Wien 1869). Ein großes Verdienst um Mähren erwarb sich D. 1878 durch die Wiedererwerbung von 51 in böhm. Sprache verfaßten Handschriften, welche die Schweden im Dreißigjährigen Kriege aus seinem Vaterlande nach Stockholm gebracht und nun dem Landesarchiv in Brünn geschenkt haben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 616Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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