Dünkirchen, franz. Dunkerque, feste Seestadt und Hauptort eines Arrondissements im franz. Norddepartement (Flandern) am Kanal, der Nordbahn und der Zweiglinie Furnes-⸗D. der belg. Société Genérale, ist Knotenpunkt des Bergues-Furnes⸗, Bourbourg-, Mardjik⸗ und Moeres-Kanals, eine der ersten Handels- und Fabrikstädte Frankreichs, Kriegsplatz dritten Ranges, Kriegs⸗ und Handelshafen, verteidigt durch einen Hauptwall mit Außenwerken und die Forts Nevers, Risban, de l'Est und Louis, und in einer Umgebung, welche leicht mit 15 m tiefem Wasser überschwemmt werden kann, durch Postdampfer in regelmäßiger Verbindung mit Havre, Rotterdam, London, Hull und (über Tönning und Flensburg) Petersburg. Die Stadt zählt (1881) 37 328 E. und ist der Sitz eines Tribunals erster Instanz, eines Handels⸗ und zweier Friedensgerichte, einer Handels- und einer Ackerbaukammer, sowie vieler Konsulate. Sie hat eine Hydrographenschule, eine mathematische, lege, eine öffentliche Bibliothek, eine Gemälde⸗ und Naturaliensammlung, eine Ackerbau⸗ und mehrere gelehrte Gesellschaften, ein Theater, eine Börse, eine Bank, ein Civil- und ein Militärhospital, ein Departementsgefängnis. Von den öffentlichen Plätzen sind der Champ de Mars und der Platz Jean Bart mit dessen 1845 errichteter Bronzestatue demerkenswert. Unter den Baulichkeiten zeichnen sich aus: das 1644 erbaute Rathaus, die nach dem Muster des Pantheon in Rom 1560 umgebaute St.⸗Eloikirche mit einem 90 m hohen Beffroi, und einem 1853 erneuerten berühmten Glockenspiel, die Kaserne für 6000 Mann, ausgedehnte Marinemagazine aus der Zeit Ludwigs XIV., die Kanal- und Schleusenbauten. Die Reede, mit drei Leuchtschiffen, wegen vorliegender Sandbänke schwer zugänglich. Der Hafen jedoch, der am Ende eines jeden der beiden Molen ein Leuchtfeuer und außerdem einen 59 mhohen Leuchtturm hat, ist gut und bietet Raum für Schiffe bis zu 800 t Tragfähigkeit. D. hat Schiffswerfte, ein großes Entrepöt, lebhaften Fisch⸗ und Austernfang und Seebade-Anstalten. Es schickt jährlich viele Schiffe nach Neufundland und Island zum Stockfisch⸗, Herings- und Walsischfang. Neben Fabriken für Fischernetze, Segeltuch, Leberthran, Seiler- und Riemerwaren, Stärke, Seife, Leder, Tüll, Thonwaren bestehen Öl-, Zucker⸗ und Salzraffinerien, Brennereien und Spinnereien, Gießereien, Einsalzungs- und Trocknungsanstalten für Fische. Außer den Erzeugnissen der eigenen Industrie führt die Stadt Getreide, Hül— Cosaaat rüchte, Butter, Bauholz, Flachs, Ole, Colzasaat, Olkuchen, Steinkohlen aus und importiert Getreide, Salz, Wein, Holz aus dem Norden, Blei aus Spanien, Schwefel aus Sicilien, Guano u. s. w. Im J. 1861 wurde die Erweiterung des Hafens angeordnet, und infolge dessen mußte der nördl. Teil des Hauptwalls zu beiden Seiten des Hafenkanals neu hergestellt werden. Dieser Bau ist bis 1873 vollendet worden, wodurch Fort Risban ein Außenwerk der Umfassung geworden ist. Ferner sind Fort de l'Est und die vorliegenden Küstenbatterien umgebaut und drei neue Werke vorwärts von Bergues als Brückenkopf jenseit des für die Überschwemmung bestimmten Geländes, sowie ein erk gegen Bronekerke angelegt worden. D. wurde 960 bei der Kirche des heil. Eloi von Graf Balduin von Flandern gegründet, 1388 aber von den Engländern verbrannt. Seit 1400 befestigt, wurde es 1540 durch die Engländer den Spaniern entrissen, 1558 von den Franzosen erobert, im Frieden aber den Spaniern zurückgegeben. Der Prinz von Condé nahm es 1646; doch schon 1652 entrissen es den Franzosen wieder die Spanier. Von neuem 1658 durch Turenne erobert, erhielten es zufolge geschlossenen Vertrags die Engländer. Ludwig XIV., der es 1662 um 4 Mill. Livres von Karl II. zurückkaufte, bot alles auf, um diesen Platz unbezwinglich und den Hafen zu einem der bequemsten in Europa zu machen. Im Utrechter Frieden von 1713 stellten die Engländer als Hauptbedingung auf, daß rankreich auf eigene Kosten dieses Meisterwert der triegsbaukunst vernichte. Der Pariser Friede von 1763 wiederholte diese Bedingung des Friedens zu Utrecht. Allein im Pariser Frieden von 1783 wurden jene Artikel aufgehoben. Seitdem ward an der Wiederherstellung D.s gearbeitet. Im Aug. 1793 belagerte der Herzog von Nork mit einem aus Engländern und Holländern zusammengesetzten Heere die Stadt vergebens.