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ErdkundeBrockhaus 1882

Douai, Douay, Hauptstadt eines Arrondissements im franz. Nord-Departement, 32 km südlich von Lille, in 24 m Höhe, an der Nordbahn, dem Canal de la Senséee oder dem Scarpekanal gelegen, und durch diesen sowie durch andere Kanäle und die Schelde mit den meisten Handelsstädten des Departements und Belgiens verbunden, mit einer dreifachen Reihe von Festungswerken umgeben, ist der Sitz eines Appellhofs für zwei Departements, eines Tribunals erster Instanz, dreier Friedensgerichte, einer Handelskammer (seit 1872) und eines Gewerberats. Unter den öffentlichen Gebäuden zeichnen sich die Notre-Dame⸗, die St. Jakobs⸗ und besonders die St. Peterskirche, der Justizpalast, das Rathaus mit einem fünf Stockwerke hohen Wartturm und das Zeughaus aus. Es befinden sich hier eine Universitätsakademie für fünf Departements, ein großes Lyceum, eine Rechts⸗ und eine Artillerieschule, ein College der engl. Benediktiner, ein Lehrer⸗ und das Lehrerinnenseminar, eine umit und e, Kurse für Physik, Mathematik, Mechanik und Chemie, eine öffentliche Bibliothek von 55000 Bänden, ein ausgezeichnetes Museum für Naturalien, Altertümer und Gemälde, ein botan. Garten mit einem Standbilde des hier geborenen Bildhauers Johann von Bologna (gest. 1608) und mehrere andere wissenschaftliche Anstalten, sowie Gesellschaften für Ackerbau, Medizin, Philharmonie, Künste und Wissenschaften, die hier mit Eifer gepflegt werden. Als Kriegsplatz hat D. eine Artilleriegarnison und Schule, ein Bauarsenal, ein Artilleriemagazin (einst Kartäuserkloster), eine großartige Kanonengießerei (an Stelle des ehemaligen Schlosses), eine bombenfeste Kaserne u. s. w. Die Stadt zählt (1876) 23348, als Gemeinde 26999 E., die Zuckerraffinerie, Fabriken von Feilen, Sirup, Ol, Glas, Farben, Emballagepapier, Etiketten u. s. w., Brauereien, Gerbereien, Salzsiedereien und fünf Buchdruckereien unterhalten und lebhaften Handel mit eigenen Erzeugnissen, sowie mit Korn, Olsaat, allerlei Samen und flandr. Lein treiben, wofür hier eins der Hauptdepots ist. D. gehörte im Mittelalter als eine der wichtigsten Städte den Grafen von Flandern, seit 1384 den Herzögen von Burgund, nach deren Aussterben es einen Teil der span. Niederlande bildete und Sitz des flandr. Parlaments und einer von König Philipp II. 1562 gestifteten Universität war, bis es unter Ludwig XIV. 1667 von den Franzosen erobert wurde. Zwar ward es 1710 durch den Herzog von Marlborough wieder genommen, mußte sich aber 1712 von neuem an Frankreich ergeben, dem es durch den Utrechter Frieden 1713 für immer zufiel.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 503Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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