FeedDupanloup (Felix Antoine Philippe)
ReligionBrockhaus 1882

Dupanloup (Felix Antoine Philippe), berühmter franz. Prälat, geb. 3. Jan. 1802 zu St.⸗Felix bei Chambéry in Savoyen, kam 1810 nach Paris, wo er im Seminar von St.⸗Sulpice seine theol. Studien machte und 1825 die Priesterweihe emdon 3 Er wurde 1827 Beichtvater des Herzogs von Bordeaux, 1828 Katechismuslehrer der jungen Prinzen von Orléans, 1835 erster Pfarrgehilfe an der Kirche St.⸗Roch, 1837 Vorsteher des Kleinen Seminars von St.⸗Nicolas, 1838 Generalvikar des Erzbischofs von Paris, dessen Nachfolger Affre ihn zum Großvikar ernannte und nach Rom schickte, wo er zum röm. Prälaten, apostolischen Protonotar, Doktor der Gottesgelahrtheit ernannt und mit dem Christusorden dekoriert wurde. Bei seiner Rückkehr nach Paris (1841) als Professor der geistlichen Beredsamkeit an die Sorbonne berufen, hielt er daselbst vor einem zahlreichen Auditorium Vorlesungen, mußte aber nach einer stürmischen Scene, die er durch seine heftigen Ausfälle gegen Voltaire veranlaßte, seinen Kursus einstellen. Am 6. April 1849 zum Bischof von Orléans ernannt, entfaltete D. eine außerordentliche Thätigkeit: er vereinte mit seiner Verwaltung noch das Predigtamt, überwachte mit Genauigkeit und Strenge den öffentlichen Unterricht, stellte sein Kleines Seminar den weltlichen Lyceen mit Erfolg gegenüber, gründete selbst in seinem Palais eine Schule und mischte sich mit seinen Schriften in alle den Unterricht betreffenden Fragen. Als der Pater Gaume, Generalvikar von Rheims, jede Lektüre der alten heidnischen Klassiker verdammte, trat D., anscheinend im Namen der Wissenschaft, gegen den zelotischen Gegner auf, für welches scheinbare Hinneigen zu liberalen Tendenzen die Französische Akademie den Verteidiger der klassischen Litteratur 9. Nov. 1854 zu ihrem Mitgliede wählte. Von nun an beteiligte er sich an allen polit. und religiösen Streitigkeiten mit großer Lebhaftigkeit und Bitterkeit. Da D. bei verschiedenen Gelegenheiten seinen unbedingten Anschluß an die polit., sozialen und philos. Doktrinen des Syllabus und der päpstl. Encyklika ausgesprochen hatte, mußte es überraschen, daß er sich in seinen Hirtenbriefen vom 10., 11. und 12. Nov. 1869 gegen das Unfehlbarkeitsschema erklärte, die Berufung des ökumenischen Konzils als «unpassendo bezeichnete und schließlich zu den 93 Opponenten gehörte, welche den Protest gegen den Staatsstreich der Kurie 3. Juni 1870 unterzeichneten. Im Deutsch-Französischen Kriege versuchte er zu verschiedenen malen einen Kreuzzug gegen Deutschland zu predigen, so namentlich nach dem Rückzuge des Generals von der Tann aus Orléans (Nov. 1870), wofür er nach der Wiedereinnahme der Stadt durch die Deutschen eine Zeit lang in Haft gehalten wurde. Auch der von seiten des Papstes an die franz. Bischöfe gerichtete Brief, worin derselbe zur Versöhnung aufforderte, wurde von ihm in einem ganz dem Inhalte desselben entgegengesetzten Sinne ausgelegt. Bei den Wahlen 8. Febr. 1871 zum Abgeordneten des Depart. Loiret in der Nationalversammlung ernannt, nahm er hier seinen Platz auf der Rechten und machte sich zur Aufgabe, die sog. «Fusion », d. h. die Vereinigung und Aussöhnung der Legitimisten mit den Orleanisten und damit die Thronkandidatur des Grafen von Chambord herbeizuführen. Als Littré 30. Dez. 1871 zum Mitgliede der Französischen Akademie erwählt wurde, gab D. demonstrativ seine Entlassung als Akademiker. Im Dez. 1875 wurde er von der monarchischen Majorität der Nationalversammlung zum lebenslänglichen Senator gewählt. D.s Hauptschriften betreffen das Unterrichtswesen und bilden ein einziges Werk unter dem Gesamttitel: De l'éducation (3 Bde., Par. 1855 —57). Außerdem hat man von ihm: La souveraineté pontificale selon le droit catholique et le droit européeno (3. Aufl., 1868), (Mistoire de N. 8. Jésus Christ v (1872) und viele Flug⸗ und Gelegenheitsschriften über alle religiöse und polit. Taesfragen. Er starb 11. Okt. 1878 auf dem Schlosse a Combe im Depart. Isere.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 652Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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