FeedDupré (Giovanni)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Dupré (Giovanni), namhafter ital. Bildhauer, eb. 1. März 1817 in Siena, mußte sich in der ugend mit handwerklichen Arbeiten der Bildauerei und Schnitzerei beschäftigen. Durch Selbsttudium brachte er es so weit, daß ihm die florentiner Akademie einen Preis erteilte, ohne daß er ihr Schüler gewesen wäre. Dreiundzwanzig Jahre alt, schuf er den toten Abel (Palazzo Kunv in Florenz) und bald darauf das Gegenstuck Kain (1845), welcher im Modell nach Rußland kam‚, 1845 aber in Bronze für Florenz ausgeführt wurde. D.s Richtung ist eine eigentümliche Mischung von ältern Prinzipien und modernen realistischen Anwandlungen. Letztere berühren indes fast immer nur das Außere, während Idee und Inhalt meist einen idealen Gesichtspunkt erstreben. Letzterer geht indes häufig unter schalem Allegorismus verloren. Eine gewisse Weichheit, ja Traurigkeit in den Stimmungen ist ein Erbe der Richtung Canovas, der D., als er über Rom nach Neapel ing, mächtig beeinflußte. Die spätere Entwickeung des Künstlers zeigt eine kräftige Schwenkung — energisch-realistischer Auffassung, welche schließich bis zu Härten führte; aber der Gesamteindruck wird kein voll befriedigender, weil das Banale der Allegorie und die sentimentale Stimmung der Gestalten zu einer scharfen Formcharakteristik nicht passen will. So ist D. ein wichtiges Übergangs-Kiv von der ältern zur modernen Plastik Italiens. eine bedeutendsten Schöpfungen sind ie sterbende Sappho, die Standbilder San-Antonio und Giotto für die Nischen der Uffizien, das Denkmal Wellingtons (1856), jenes der Gräfin Ferrari-Corbelli in San-Lorenzo zu Florenz mit stark alle-La Charakter (1859). Gelegentlich der Retaurierung der Fagade von Sta.⸗Croce in Florenz eteiligte er sich durch die Ausführung einer Komposition über dem Hauptthor, wo er, wunderlich den vs neben dem got. Charakter der Umgebun en von verschiedenen Repräsentanten der christl. Jahrhunderte umstandenen Genius der Menschheit darstellte. Besser im religiösen Sinne gelungen ist seine 1865 entstandene Pietà für den herden ospoli in Siena, die Statue der Religion für den But t Metternich und der kolossale Christus in uti (1866). Zu den anmutigen Genrewerken des Künstlers gehört seine müde Bacchantin und mehrere Putti (Genien). D.s größtes Werk, in welchem monumentale Großartigkeit zu Tage tritt, ist das 1872 vollendete Denkmal Cavours in Turin, welches zehn große Gestalten umfaßt. D., dessen Tochter Amalia ebenfalls die Bildhauerei betreibt, starb 10. Jan. 1882 in Florenz.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 657Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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