FeedCanöva (Antonio)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Canöva (Antonio), ausgezeichneter ital. Bildhauer, geb. 1. Nov. 1757 zu Possagno bei Treviso, eigte schon als Knabe großes Talent zum Model⸗ —.— und kam zu einem Bildhauer in Bassano in die Lehre. Seine erste eigene Arbeit, die er in seinem 17. Jahre lieferte, war eine Eurydike in halber Lebensgröße. Er kam nun auf die Akademie zu Venedig, wo er einen Preis errang und namentlich die Statue des Marchese Poleni für Padua lieferte. Im 23. Jahre vollendete er die Gruppe Dädalos und Ikaros, die noch durchaus im Barockstil gearbeitet ist. Zur Belohnung für diese Arbeit sandte ihn der Senat von Venedig 1779 mit einem Jahrgehalt von 300 Ducati nach Rom. Hier war die erste Frucht seines Studiums die Statue Apollos. Einen noch entschiedenern Fortschritt zum Stil der Antike zeigte er in seinem folgenden großen Werke, welches eins seiner bedeutendsten geblieben ist (1783). Es stellt den Minotaurenbesieger Theseus dar. Der Held kniet auf dem Rücken des niedergeworfenen Feindes. Die Kolossalgruppe befindet sich im Volksgarten zu Wien. Man glaubte nach dieser Arbeit auf ein tieferes Eindringen in den strengen und einfachen Stil der Antike rechnen zu dürfen. Aber C. schlug nicht diesen, sondern seinen eigenen Weg ein, der sich entschieden zum Anmutigen und Lieblichen neigte. Diesen Charakter legte er zuerst in den Gruppen des Amor und der Psyche, Venus und Adonis und andern Werken der Art zu Tage. Daneben gingen die beiden größern Arbeiten des Grabmals für Clemens XIV., welches ceremonielle Steifheit atmet, und das für Clemens XIII. (1792), welches einen edlern Stil zeigt. Außerdem modellierte er auch viele Basreliefs, meist Scenen aus dem Leben des Sokrates, andere aus dem Gebiete der Sage und Geschichte, von denen er jedoch nur wenige in Marmor ausführte; unter Diesen ist die Stadt Padua als weibliche Figur in sitzender Stellung die Diaadlüchste Arbeit. In der Statue der büßenden Magdalena, in natürlicher Oröße, trieb er das Strehen nach Weichheit der Darstellung auf die Spitze; dagegen elang ihm die Hebe besser. Nunmehr versuchte er sein Talent im Tragischen und bildete den rasenden Hereules, der den Lichas ins Meer schleudert. Die Gruppe ist kolossal und der Hercules noch etwas größer als der Farnesesche, macht aber den Eindruck des Affektierten und Schwülstigen. Dasselbe gilt von seiner Darstellung der beiden Faustkä fer, Kreugas und Damoxenes. Trotzdem widerfuhr diesen Statuen die Ehre, neben den schönsten Denkmälern des Altertums im Vatikan aufgestellt zu werden. Seinen höchsten Triumph erreichte C. durch eine neue und zwar stehende Gruppe Amors und der Psyche im Louvre. In den J. 1796 und 1797 arbeitete er das Modell zu dem Grabmale der Erzherzogin Christine von Ssterreich, udhes des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen, welches er selbst 1805 in der Augustinerkirche zu Wien aufstellte, und 1803 ver-Rendel er die Statue sten urbeite Königs von eapel, eine seiner schönsten Arbeiten in Marmor. In den J. 1798 und 1799 begleitete C. den Senator land Rezzonico auf einer Reise ch Deutschland. Nach seiner Rückkehr hielt er si einige Zeit im Venetianischen auf und malte für die Kirche seines Geburtsortes ein Altarblatt. Dann arbeitete er in Rom den Perseus mit dem Haupte der Medusa, eins seiner berühmtesten Werke, deren einzelne Teile von ungemeiner S irhaf. sind, in den Formen sowohl als in der meisterhaften, zarten Bearbeitung. Im J. 1802 wurde von Pius VII. zum Oberaufseher aller röm. Kunstlaats und aller Kunstunternehmungen im Kirchentaate ernannt, bald nachher aber von Bonaparte nach Paris berufen, um das Modell zu dessen kolossaler Bildsäule zu fertigen. Auch lieferte er die Statue der Mutter Bonapartes, die 1819 der Her-Al von Devonshire für 36000 Frs. erstand. Die ademie der Künste Auder nahm ihn damals u 000. Mitgliede auf nter seinen spätern Weren sind — erwähnen: Washington, aufgestellt vor dem Palaste des Kongresses in Wa ington; die Grabmäler des Kardinals von Hork und Pius VII.; zahlreiche Büsten; eine Na bildung der Mediceischen Venus; eine dem Bade entstiegene Venus; ein Monument für den verstorbenen Kup erstecher Volpato; die drei Grazien, in der Galerie euchtenberg in Petersburg, wo sich auch eine Wiederholung seiner büßenden Magdalena befindet. Eine abgeänderte Wiederholung der Grazien erhielt der Herzog von Bedford. Ferner: Alfieris Grabmal, in der Kirche Sta.⸗Croce zu Florenz aufgestellt; das Grabmal der Gräfin Sta.-Croce; eine Venus; eine Tänzerin, mit 5 durchsichtigem Gewand; ein ruhender Paris, in der Glyptothek zu München; das Modell einer sitzenden, mit deichem Gewand umgebenen Statue der Erzherzogin Marie Luise von Osterreich; eine Hebe im Museum zu Berlin; die kolossale Büste Nelsons; das ferd, welches iiRach de Statue tragen sollte, u. s. w. ach dem Sturze des franz. Kaiferreichs forderte C. 1815 im Auftrage des Papstes die aus Rom entführten Kunstwerke zurück, bei welcher Gelegenheit ihm der Charakter eines Gesandten verliehen wurde, ging dann nach London und kam 1816 wieder nach Rom, wo Pius VII. wegen seiner hohen Verdienste um die Stadt Rom seinen Namen in das Goldene Buch des Kapitols eintragen ließ und ihn zum Marchese von Jochia mit 3000 Skudi jährlichen Einkommens ernannte. Dieses Gehalt verwendete C. zur Unterstützung der Kunst und Künstler in Rom, sowie sein bedeutendes Privatpvermögen auf den Bau eines prächtigen Tempels in seinem Geburtsorte, einer Rotunde, deren Frontispizen genau nach dem Pantheon von Rom gebildet sind. Der Künstler schmückte diese Rotunde mit einigen seiner letzten Arbeiten, z. B. mit einer Kolossalstatue der Religion mit Kreuz und Schild. Den Sen. me sollte eine marmorne Pieta schmücken, welche er indes nur noch in Gips ausführen konnte. C. starb zu Venedig, wo er in der letzten Zeit mit seinem Bruder, dem Hellenisten Abbe C., gelebt hatte, 13. Okt. 1822. Sein Leichnam ruht in der Kirche zu Possagno. In Venedig ward ihm 1827 ein marmornes Denkmal in der Kirche de' Frari errichtet, Chuinh welches er (dem Denkmal der Erzherzogin Christine in Wien sehr ähnlich) für Tizian entwarf und welches seine Schüler nur wenig zu ändern brauchten. Ein anderes Denkmal ließ ihm Leo XII. 1833 in der kapitolinischen Bibliothek setzen. C. war der erste Bahnbrecher der modernen, an antiken Vorbildern genährten Skulptur, obwohl seine eigene Kunst nur allmählich sich aus den Fesseln der weichlichen Weise des Barockstils loszureißen vermochte. Biographien Eis haben geliefert: Missirini (4 Bde., Prato 18²4), Cicognara (Vened. 1823), Rosini (Pisa 1825) und d Cste (Flor. 1864). Auch erschienen The works of C. »,‚ in Umrissen Abreirr von Moses (3 Bde., Lond. 1828). Vgl. Albrizzi, Descrizione delle opere di C.5 (5 Bde., Pisa 1821—25); Quatremere de Quincy, 4C. et ses ouyrages (Par. 1834); Fernows Röm. Studien (Bd. 1, Zür. 1806).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 914Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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