Donner (Georg Rafael), berühmter Bildhauer, geb. zu Eßlingen bei Wien 25. Mai 1693, wurde in dem Talen im Mode Heiligenkreuz erzogen, wo sich sein Talent im Modellieren frühzeitig kundgab. Ein der tücht. Umstand fügte es, daß zur gleichen Zeit der tüchtige venet. Bildhauer Giovanni Giuliani in jenem Kloster lebte, wo er seine alten Tage verbrachte und für die Ausschmückung der Altäre, des Kalvarienbergs u. s. w. thätig war. Er brachte dem begabten Knaben den ersten Unterricht bei. D. verließ Inene die Klosterschule und begab sich zu höherer künstlerischer Ausbildung nach Wien; ob er daselbst Schüler der Akademie war, ist nicht erwiesen. Im J. 1724 erscheint er bereits als kaiserl. Galanteriebildhauer; er unternahm dann eine Reise nach Salzburg mit dem Bildhauer Schletterer und fertigte dort 1726 die steinerne Statue des Paris im erzbischöfl. Schlosse Mirabell. Wohl um jene Zeit entstanden auch die herrlichen Reliefs des Urteils des Paris und Venus in der Schmiede Vulkans für den Hof (jetzt im Belvedere). Trotz der ahlreichen damaligen Kunstaufträge des Hofs und dels blieb D. im ganzen von der Gunst des Publikums sehr vernachlässigt, wozu sein Widerwille gegen Ceremonien und Formsachen (so weigerte er sich z.B. hartnäckig, eine Perücke zu tragen) beigetragen haben soll. Von Salzburg wandte er sich nach Preßburg, wo er die Stelle eines fürstl. Esterhazyschen Baudirektors erhielt. Er hatte dort ein eigenes Gußhaus zur Verfügung. Es entstanden während D.s zehnjährigem 5 heil. Mat in Ungarn die kolossale Reiterstatue des heil. Martin für die Hauptkirche in Preßburg aus Blei, die marmorne Statue Karls VI. (jetzt im Belvedere), vier Statuen im Grassalkovitsschen Palais in Preßburg, zwei Marmorreliefs (Christus und die Samariterin, Hagar in der Wüste) für den Stephansdom in Wien (ietzt in der kaiserl. Kunstsammlung). Im J. 1739 nahm D. seinen Wohnsitz wieder in Wien und schuf den herrlichen Brunnen mit der Befreiung der Andromeda durch Perseus aus Blei für den Hof des Rathauses. Endlich vollendete er sein 1738 begonnenes größtes Werk, den Brunnen am Neuen Markt, welchen die aus Blei gegossenen (neuestens durch bronzene Kopien ersetzten) Figuren der Providentia und der vier Hauptflüsse Niederösterreichs schmücken. D. starb in den dürftigsten Umständen zu Wien 15. Febr. 1741. Die Bedeutung dieses großen Künstlers ist erst in neuerer Zeit verstanden worden. Er war der erste deutsche Plastiker, welcher aus dem Schwulste der manierierten Richtung seiner Zeit zum Naturstudium zurückkehrte und auf diesem Wege, ohne Italien gesehen zu haben, ohne je nennenswerte Antiken zu studieren, zu einer reinen Schönheit von völlig antiker Größe zu gelangen wußte. Ebenso ist es viel zu wenig gewürdigt, daß seine Prinzipien durch seinen Schüler Oser auf Winckelmann übertragen wurden und viel zu dessen Reformen beitrugen. Gleichzeitig verfügte D. über eine Grazie von höchstem Reize und führte zuerst wieder die edle Drapierung in seiner Kunst ein. Kleinere Arbeiten, Reliefs, Kruzifixe, Porträts, meistens in Bleiguß gefertigt, sind in Wien im Privatbesitz. Vgl. Ilg, Album österr. Bildhauerarbeiten des 18. Jahrh.» (Wien 1880); Schlager, Georg Rafael D.v (Wien 1853).