Dynamoelektrische Maschinen nennt man solche magnetoelektrische Maschinen, welche nicht . mit Hilfe permanenter Magnete oder gewöhnlicher ! Elektromagnete den elektrischen Strom induzieren, sondern mittels in eigentümlicher Weise erzeugter [ Elektromagnete, und zwar nach einem von E. Werner Siemens in Berlin (Ende 1866) erdachten Prin-H zip, welches das «dynamoelektrische Prinzipo heißt.! Es besteht in Folgendem: Man denke sich einen Elektromagneten, welcher in einem zugehörigen, rotierenden magnetoelektrischen Induktor (Induktionsarmatur, Induktionsanker) einen elektrischen Strom induziert. Erteilt man letzterm (sofern er nicht schon von unveränderlicher Richtung ist) mittels eines passenden Stromwechslers (Kommuta⸗⸗ tors) eine stets gleichbleibende Richtung, und leitet man diesen Induktionsstrom in geeigneter Richtung zurück um jenen Elektromagnet, so steigert sich die Stärke des letztern, und mithin auch wieder die Intensität des Induktionsstroms in jenem rotierenden Fraft des Diese gegenseitige Vergrößerung der raft des Elektromagneten und Induktionsstroms geht so weit, bis die höchste Grenze der Magnetisierung im Elektromagneten erreicht wird. Sobald dies der Fall ist, verteilt sich die Arbeit des Induktionsstroms auf zwei Teile, wovon der eine zur Magnetisierung des Elektromagneten dient, während der andere zur Erzeugung des elektrischen Lichts, zur elektrochem. Leistung, und überhaupt zu einer elektrischen Arbeit verwendet werden kann. Nach dem Aufhören der Rotation, also auch des elektrischen Stroms, bleibt stets in den Eisenkernen des Elektromagneten noch eine Spur von Magnetismus zurück, welcher der azurückbleibendes oder «remanentes Magnetismus heißt. Wenn man dann später jenen Induktor wieder in schnelle Umdrehung versetzt, so entsteht in demselben infolge der Wirkung des remanenten Magnetismus ein äußerst schwacher Strom. Dieser verstärkt den Elektromagneten, wodurch wieder, wie oben, die Kraft des Stroms vergrößert wird. Da dieser jedoch abermals um den Elektromagneten fließt, so wächst die magnetische Intensität nochmals, was wieder die Stromkraft steigert u. s. w. bis zum Maximum der Sättigung des Elektromagneten, worauf dann der Strom für verschiedene elektrotechnische Arbeiten zu Gebote steht. Nach dem dynamoelektrischen Prinzip braucht man also den Elektromagneten nur das erst mal mit einer Voltabatterie zu erzeugen, späterhin genügt der remanente Magnetismus, um bei schneller Rotation des Induktors die Maschine ur höchsten elektrischen Leistung zu bringen. Ja selbst das erste mal kann jene Batterie entfallen, wenn die Eisenkerne durch den Erdmagnetismus schwach magnetisch sind. ö ö Die dynamoelektrischen Maschinen unterscheiden sich demnach von den gewöhnlichen magnetoelektrischen Maschinen prinzipiell dadurch, daß jene ihre induzierenden Elektromagnete selbst und bloß durch Aufwand von Arbeit erzeugen, während diese permanente Magnete oder anderweitig hergestellte Elektromagnete besitzen. Nur auf die Selbsther958 an0 jener Elektromagnete mittels der Bewegung es zugehörigen Induktors bezieht sich das Wort «dynamoelektrischv. Da aber auch bei den ältern magnetoelektrischen Maschinen, ja selbst bei den gewöhnlichen Elektrisiermaschinen und Influenzmaspreche für den Aufwand der Arbeit bei der entprechenden Rotationsbewegung ein ellktrischer Conversations-Lexikon. 13. Aufl. V. Strom entsteht, so wären die ebenerwähnten elektrischen Maschinen im weitern Sinne auch dynamoelektrische Maschinen. Man hat jedoch die letztere Bezeichnung, nach dem Vorschlage von Siemens, nur auf diejenigen magnetoelektrischen Maschinen beschränkt, welche, wie oben gezeigt wurde, ihre induzierenden Elektromagnete auf Kosten der bei der Rotation des Induktors verbrauchten Arbeit selbst erzeugen. Das dynamoelektrische Prinzip wurde zuerst an magnetoelektrischen Maschinen, welche den Siemensschen Cylinderinduktor (. Magnetoelektrische Maschinem besaßen, verwertet, und zwar mit besonderm Erfolge an der Indukto-Magneto-Elektrisiermaschine von Ladd (1867). Allein erst, nachdem Gramme das dynamoelektrische Prinziv auf die von Pacinotti (1864) zuerst angegebene und von Gramme später (1869) selbständig nochmals erfundene magnetoelektrische Maschine angewendet hatte (1871), trat die großartige Leistungsfähigkeit der dynamoelektrischen Maschinen hervor. Es folgten dann (1873) die dynamoelektrischen Cylinder⸗ oder Trommelmaschinen von Siemens-⸗Halske und darauf die unzähligen Variationen von dynamoelektrischen Maschinen sehr vieler Konstrukteure (Schuckert, Bürgin, Edelmann, Wallace-Farmer, Brush, Meritens u. a.). Die meisten dynamoelektrischen Maschinen sind nach dem Prinzip der Grammeschen Maschine gebaut, manche auch nach dem System der Cylinder- oder Trommelmaschine von Siemens-Halske. Die kleinern dynamoelektrischen Maschinen können mittels Kurbel und Zahnrad oder Riemen durch einen oder zwei Arbeiter betrieben werden, die größern jedoch nur durch Wasser-, Dampf⸗ oder Gasmotoren. Die hauptsächlichste Anwendung der dynamoelektrischen Maschinen erstreckt sich auf die Erzeugung des elektrischen Lichts im Großen, ferner für elektrometallurgische Arbeiten in galvanoplastischen Fabriken und bei der Scheidung edler Metalle, für die elektrische übertragung von Kraft, für den Betrieb elektrischer Eisenbahnen und elektrischer Aufzüge, sowie für alle größern Arbeiten der Elektrotechnik. Für die elektrischen Kerzen von Jalochkoff (. Elektrisches Licht) wurden dynamoelektrische Wechselstrommaschinen von Gramme und Siemens-Halske u. a. gebaut, welche die Richtung des elektrischen Stroms jeden Augenblick wechseln. Da die dynamoelektrischen Maschinen von den wechselnden Widerständen (3. B. beim elektrischen Bogenlichte u. dgl.) im elektrischen Strom zu sehr abhängen, indem die Veränderungen des Widerstandes nicht nur nach dem Ohmschen Gesetz die Stromstärke ändern, sondern auch noch die Stärke der induzierenden Elektromagnete, mithin nochmals die Stromintensität, so ergibt sich daraus für die dynamoelektrischen Maschinen der Übelstand allzu großer Empfindlichkeit gegen die Stromschwankungen. Hiergegen sind die magnetoelektrischen Maschinen im Vorteil, weil ihre induzierenden Magnete von dem erzeugten Maschinenstrom unabhängig sind, also ihre Stromstärke nur allein von den veränderlichen Widerständen des Stromkreises abhängen, also minder empfindlich gegen die Stromschwankungen sind. Da jedoch andererseits die dynamoelektrischen Maschinen den ältern magnetoelektrischen Maschinen gegenüber schon den einen Hauptvorteil voraus haben, daß sie keine so großen und teuern, mit der Zeit schwächer werdenden Stahlmagnete brauchen, und daß sie daher viel kompendiöser bei größerer Leistungsfähigkeit hergestellt werden können, so sucht man jenen Nachteil der allzu großen Empfindlichkeit dadurch abzuschwächen, daß man die Maschine in ihrer höchsten Leistungsfähigkeit erhält, weil dann der gesättigte Magnetismus durch kleinere Stromschwankungen weniger berührt wird. Weil aber dies wieder mit andern Übelständen verbunden ist, so hat man Abhilfe March jene Alterierbarkeit der dynamoelektrischen Maschinen darin gesucht, daß man den Strom in zwei Zweige teilt, wovon nur der eine für die Herstellung der Elektromagnete verwendet wird, der andere aber zur freien Verfgung steht. Besser ist es jedoch, mittels einer kleinen dynamoelektrischen Maschine die Elektromagnete einer großen magnetoelektrischen Maschine bis zur Sättigung zu erregen. Die Dimensionen der Elektromagnete, selbst bei größerer Wirkung, können kleiner als permanente Stahlmagnete sein, mithin stellen sich Maschinen dieser Art kompendiöser und auch billiger als die ältern magnetoelektrischen Maschinen, welche noch Stahlmagnete besaßen. Und weil der Widerstand für die kleine dynamoelektrische Maschine Kahten aeen ist, so bleibt jene nachteilige Empfindlichkeit gegen die Stromschwankungen aus. Das Weitere über dynamoelektrische Maschinen s. Magnetoelektrische Maschinen. Vgl. Schellen, Die magneto⸗ und dynamoelektrischen Maschineno (2. Aufl., Köln 1882).