FeedDyspepsie
HeilkundeBrockhaus 1882

Dyspepsie lgrch.) oder Verdauungsschwäche nennt man eine Reihe von Verdauungsstörungen, welche fast allen Magenkrankheiten Tnormar 2 zukommen und als der Ausdruck abnormer Verdauungsvorgänge innerhalb des Magens zu betrachten sind. Sie äußern sich hauptsächlich in Verminderung des Appetits, Druck und Spannung in der Magengegend, sauerm Aufstoßen, Übelkeit, bisweilen selbst Erbrechen; häufig ist auch Stuhlverstopfung, Kopfschmerz und Schwindel vorhanden. In chronischen Fällen entwickelt sich in der Regel eine verdrießliche, reizbare Gemütsstimmung, Hypochondrie und nicht selten eine beträchtliche Abspannung und Abmagerung des Körpers. Verursacht wird die D. entweder durch anatom. Störungen der Magenschleimhaut, insbesondere durch chronischen Magenkatarrh oder durch abnorme Beschaffenheit des Magensaftes oder dadurch, daß die Bewegungen des Magens vermindert sind und infolge dessen die genossenen Speisen nicht hinlänglich mit dem Magensafte gemischt werden, wie dies bei gewissen Nervenkrankheiten (Hypochondrie, Hysterie, Heimweh, Geisteskrankheiten) der Fall ist. Bef onders nachteilig wirkt die lüberfüllung des Magens mit unverdaulichen, leicht in Gärung übergehenden Stoffen, sowie die übermäßige Verdünnung der Verdauungssäfte durch zu reichliches Trinken während der Mahlzeit; auch die häufige D. der Blutarmen und Bleichsüchtigen beruht auf zu spärlicher Absonderung oder abnorm dünner Beschaffenheit des Magensaftes. Eine besondere Form der Verdauungsschwäche stellt die sog. atonische D. dar; dieselbe findet sich häufig bei Personen, welche durch Nachtwachen, Kummer und Sorgen, durch übermäßige geistige Anstrengungen oder geschlechtliche Ausschweifungen erschöpft sind. Die atonische Verdauungsschwäche beruht im wesentlichen auf einer Erschlaffung der Magen- und Darmmuskulatur, sowie auf einer zu spärlichen Absonderung der Verdauungssäfte und unterscheidet sich von der auf Magenkatarrh beruhenden D. hauptsächlich dadurch, daß bei ihr die Zunge nicht belegt, der Geschmack unverändert und übler Geruch aus dem Munde nicht vorhanden ist; auch werden bei ihr Gewürze und reizende Genußmittel gut vertragen, während beim Magenkatarrh durch die letztern gewöhnli eine Verschlimmerung des Zustandes erfolgt. Die Behandlung der D. muß sich natürlich stets nach der Grundursache richten und ist deshalb sehr verschieden. Am wichtigsten ist immer eine strenge und konsequente Regulierung der Diät; man gestatte nur leicht verdauliche Nahrungsmittel (Milch, weichgekochte Eier, Wildbraten, Taubenfleisch, Weißbrot), die nur in kleinen Portionen und nur in größern Zwischenräumen zu genießen sind; spätes Essen, kurz vor dem Schlafengehen, ist . zu vermeiden. Gegen die auf zu spärlicher Absonderung des Magensaftes beruhende D. erweisen sich der Gebrauch der Pepsinpräparate (Pepsin, Pepsinwein, Pepsinessenz) und der Salzsäure (5 bis 8 Tropfen in einem Weinglas Wasser nach jeder Mahlzeit) nützlich. Bei abnormen Gärungsvorgängen leisten der Gebrauch der Alkalien (doppeltkohlensaures Natron, Magnesia), bisweilen Kreosot, Salzsäure gute Dienste, wogegen die D. der Blutarmen und Bleichsüchtigen durch ein kräftigendes Verfahren, durch Abhärtung, Seebäder, Eisenpräparate, leichte Eisenwässer (Pyrmont, Schwalbach, Elster), sowie durch verschiedene Bittermittel (Chinin, Hopfenbitter, Quassia, Enzian, Malzextrakt, gut gehopfte Biere) zu beseitigen ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 691Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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