FeedJourdan (Jean Baptiste, Graf)
HeilkundeBrockhaus 1882

Jourdan (Jean Baptiste, Graf), Marschall und Pair von Frankreich, geb. 29. April 1762 zu Limoges, wo sein Vater Chirurg war, trat, 16 J. alt, in ein Infanterieregiment, das mit dem Hilfskorps nach Amerika ging, wurde 1790 Kapitän in der Nationalgarde zu Limoges, 1791 Bataillonschef und zeichnete sich 1792 bei Namur unter Dumouriezaus, sodaß er in der Nordarmee erst zum Brigade⸗, dann zum Divisionsgeneral ernannt wurde. Nach der Absetzung Houchards erhielt er den Oberbefehl über die Rordarmee und besiegte 16. Okt. 1793 bei Wattignies die Osterreicher. Sein Widerspruch gegen einen Winterfeldzug mit dem schlecht ausgerüsteten Heere veranlaßte den Konvent, ihn außer Thätigkeit zu setzen, doch wurde er schon im Frühjahr 1794 wieder zum Kommando berufen. Nach mehrern unentschiedenen Gefechten schlug er 26. Juni die Osterreicher bei Fleurus und drängte dieselben nach der Einnahme von Brüssel bis an die Roer zurück, erstürmte hier 2. Okt. deren Verschanzungen und nötigte sie dadurch, bis hinter den Rhein zurückzuweichen. Am 6. Sept. 1795 ging er unter dem feindlichen Feuer bei Düsseldorf über den Rhein, belagerte Castel und Mainz, wurde jedoch von dem österr. General Clerfayt 11. Okt. bei Höchst geschlagen und mußte das rechte Rheinufer räumen. Bei Eröffnung des Feldzugs von 1796 setzte er von neuem über den Fluß, wurde aber vom Erzherzog Karl aufs linke Rheinufer zurückgetrieben. Ein zweiter Versuch verlief anfangs glücklicher; Erzherzog Karl stand gegen Moreau, der südlich der Donau vordrang. J. kam bis in die Oberpfalz, wurde aber durch den herbeieilenden Erzherzog bei Amberg 24. Aug. und Würzburg 3. Sept. geschlagen. Sein Heer floh in Auflösung bis Düsseldorf. J. legte das Kommando nieder und trat 1797 in den Rat der Fünfhundert. Im Frühiahr 1799 übertrug ihm das Direktorium den Oberbefehl über die Donau-Armee. Er überschritt den Rhein bei Basel 1. März, wurde aber vom Erzherzog Karl 22. März bei Ostrach und am 25. bei Stockach völlig geschlagen und darauf von der Armee abberufen. Bei den Wahlen im Mai gelangte J. wieder in den Rat der Fünfhundert, widersetzte sich dem Gewaltstreich vom 18. Brumaire und wurde zur Deportation bestimmt; doch übertrug ihm der Erste Konsul 1800 die Reorganisation Piemonts. Im J. 1803 trat J. in den Senat, erhielt 1804 bei Gründung des Kaiserreichs die Würde eines Marschalls und Sitz im Staatsrat und wurde dem König Joseph zur Seite gegeben, und in dieser Stellung war er 1806 in Neapel, besonders aber 1808 und 1809, sowie 1812 und 1813 in Spanien thätig. Als Majorgeneral des Königs Joseph hatte er an der Niederlage der Franzosen bei Vittoria 21. Juni 1813 wesentlichen Anteil. Ludwig XVIII. erhob ihn 1815 in den Grafenstand. AÄls Vorsitzender in den Kriegsrat berufen, der Ney verurteilen sollte, fiel er in Ungnade, als sich dieser Rat für nicht zuständig erklärte. Im J. 1816 erhielt er die 7. Militärdivision und 1819 die Pairswürde. Seiner Gesinnung nach Republikaner, wendete er sich mit Begeisterung der Julirevolution zu, übernahm einige Tage das Ministerium des Auswärtigen und wurde 11. Aug. 1830 Gouverneur des n J. starb 23. Nov. 1833. Er gab heraus: Précis des opêrations de l'armée du Danube sous les ordres du généralJ.„ (Par. 1799) und Mémoires pour servir à I'histoire de la campagne de 1796 (Par. 1819).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 895Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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