FeedEggenberg
GeschichteBrockhaus 1882

Eggenberg (Hans Ulrich, Freiherr von, später Fürst von), geb. 1568, aus einem der angesehensten und reichsten Geschlechter sterreichs, dem auch der kaiserl. Kriegsoberst und Feldzeugmeister Ruprecht, Freiherr von E. entstammte, welcher 1583 im Kölnischen 9790 gegen Gebhard Truchseß von Waldburg vor Bonn, dann 1586 in Spanien unter Alexander Farnese in den Niederlanden und vor allem in dem letzten Decennium des Jahrhunderts als Statthalter der windischen Mark und Kommandant von Wien gegen die Türken kämpfte. Obgleich Sohn eines streng prot. Mannes, trat C. in span. Kriegsdienste gegen die Niederländer und eröffnete sich darauf am Hofe Erzherzog Ferdinands II. von Steiermark durch den übertritt zum Katholizismus eine glänzende Laufbahn. Im J. 1602 zum Landeshauptmann von Krain ernannt, ging E. 1605 im Auftrage Kaiser Rudolfs, ein zweites mal in dem Kaiser Matthias' an den Hof von Madrid; 1615 wurde er Oberhofmeister Ferdinands und Direktor des Geheimen Rats. Der Umkreis seiner Gewalt wuchs ungemein, als Ferdinand von Matthias adoptiert ward und diesem in Gesamtösterreich, darauf im Kaisertum nachfolgte. Bei der Wahl in Frankfurt war CE. besonders thätig. In dem nun folgenden großen Deutschen Kriege zeigte er sich als Gegner der span. und bayr. Politik. E. wußte den Spaniern 1624 die Ansprüche auf die damals erledigten vorderösterr. Lande zu entwinden und auch sonst klug und energisch ihre Einmischungsversuche in die häuslichen und allgemeinen Ziele des Kaisers zu durchkreuzen. Der Gegensatz verschärfte sich, als C. sich Wallensteins energisch annahm. Seinem Einfluß verdankte dieser die kaiserl. Vollmacht, seine Quartiere über ganz Deutschland auszudehnen. Der Konflikt ergriff alle Kreise der Regierung: während Harrach, Werdenberg und Questenberg zu E. hielten, fand der span. Gesandte Oüate an Graf Trauttmansdorff und Meggau, besonders aber an dem kaiserl. Beichtvater Lamormains einflußreiche Helfer. Gegen E. ebenso sehr wie gegen Wallenstein richteten sich die Anstrengungen der span.⸗bayr. Partei, denen dieser 1630 erlag. Ebenso war es aber auch wieder E., der Wallenstein nach den großen Siegen Gustav Adolfs in Znaym Frühjahr 1632 von neuem unter unerhörten Bedingungen an das Kaiserhaus fesselte. Der zweite, vernichtende Sturz des großen Feldherrn ward auch E. verhängnisvoll. Seine Gegner triumphierten, er ging in freiwillige Verbannung nach Laibach und starb vier Monate darauf 18. Okt. 1634. Großartig waren die Reichtümer und Würden, die seine glanzvolle Laufbahn ihm verschaffte. Besonders die Katastrophe der böhm. Empörung brachte ihm große Gütermassen, vor allem die Herrschaft Krumau, von der er den Herzogstitel und das Recht des Munzf chlags übernahm. Auch in Steiermark und Krain erwarb er umfassende Besitzungen. Eg +ꝰꝙ Stadt in der Bezirkshauptmannschaft 50n in Niederösterreich, an der Ostseite des duausBotenbsda und an der Linie Wien-Eger der Franz-Josephsbahn, ist Sitz eines Bezirksgerichts und —— (1880) 1828 E., die neben den städtischen Gewerben Feldwirtschaft und Handel mit Getreide, Wein und Holz treiben. Unter die Merkwürdigkeiten der alten, in der Landesgeschichte des Mittelalters bedeutsam hervortretenden Stadt gehört die spätgot. Pfarrkirche, die um die Mitte des 15. Jahrh. zwischen zwei aus dem 12. Jahrh. übriggebliebene roman. Türme hineingebaut wurde und in der innern Ausschmückung eine auffallende Ähnlichkeit mit dem St. Stephansdom in Wien zeigt; dann das sog. gemalte Haus, das mit zwei reichverzierten Erkern eine vollständig mit Sprüchen und Bildern in Sgraffito bemalte Außenwand zeigt, aus dem 1547. Aus der Umgebung von E. wurden die ildsteine für den wiener Stephansdom genommen: auch enthält dieselbe sehr reiche Fundstätten prähistorischer Altertümer.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 774Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6