FeedEgmond (Lamoral, Graf von)
GeschichteBrockhaus 1882

Egmond (Lamoral, Graf von), Fürst von Gavre, geb. auf dem Schlosse La Hamaide in Hennegau 18.Nov. 1522, erbte von seinem ältern Bruder Karl Besitz und Würden und verheiratete sich 1544 mit Sabine von Bayern, einer Tochter des Pfalzgrafen Johann zu Simmern. Er begleitete Karl V. 1541 nach Algier, folgte ihm auch später auf allen Kriegszugen in Frankreich und Deutschland und unterhandelte 1554 mit der Königin von England wegen der Vermählung des Infanten Philipp, den er kurz darauf auf dessen Hochzeitsfahrt begleitete. Nachdem Philipp den span. Thron bestiegen, focht C. als Besehlshaber der Reiterei mit großem Glück 1557 in der Schlacht von St. Quentin, im folgenden Jahre in der von Gravelingen und wurde, als Philipp nach Spanien zurückkehrte, von demselben zum Statthalter der Provinzen Flandern und Artois bestellt. In dieser Stellung näherte sich E. der mit der kath. Politik Philipps unzufriedenen Partei in den Niederlanden und wurde aus einem Höfling plötzlich ein Mann des Volks. Nachdem die Herogin Margareta von Parma gegen den Willen der Unzufriedenen zur Generalstatthalterin der Niederlande eingesetzt worden, traten E. und der Prinz von Oranien in den Staatsrat, erhielten auch den Befehl über die wenigen span. Truppen und begannen nun, auf die Entfernung des Kardinals Anton Perrenot von Granvella, der als Minister die Regierung in den Niederlanden ausschließlich in seine Hände zu spielen suchte, hinzuarbeiten. Sie brachten es in der ußse dahin, daß dieser 1564 sein Amt niederlegen mußte, worauf nun die nationalprot. Partei sich der öffentlichen Angelegenheiten zu bemächtigen suchte. Um das gute Vernehmen mit dem König sicherer zu begründen, wurde E. 1565 nach Spanien gesendet, wo er, unter friedlichen Versprechungen sehr gut aufgenommen und mit Gnadenbezeigungen überhäuft, über die wahren Absichten des Königs völlig getäuscht wurde. Als aber dieser Sendung Heitr Strafgesetze folgten, als die niederländ. Freiheiten verletzt wurden und die Inquisition eingeführt ward, teilte sich die allgemeine religiös-populäre Aufregung und Erbitterung auch E. mit, und er verhinderte daher nicht das Zusammentreten der unzufriedenen Edelleute, die 5. April 1566 das sog. Kompromiß der Statthalterin überreichten und den Bund der Geusen (s. d.) stifteten. Er vermittelte die bei der Statthalterin um Milderung der harten Edikte eingereichte Bittschrift und erschien bei dem Feste, das die Unzufriedenen nach errungenem Vorteil feierten. In den nun hervorbrechenden Aufständen und Bilderstürmen, die gerade in den von ihm verwalteten Provinzen den drohendsten Charakter annahmen, setzte er die Rolle des Vermittlers zwischen der Herzogin und dem Volke fort und verschaffte im Aug. 1566 den Insurgenten neue und vorteilhafte Bedingungen. Die ernste Entwickelung der Revolution machte ihn indes für seine Stellung und sein Vermögen besorgt; er legte daher eine ihm ergebene Besatzung nach Gent, durch die er die Ruhe aufrecht hielt, die Katholiken in ihre Kirchen einsetzte und die Calvinisten beschränkte, ja zum Teil hart betrafte. Bei der Belagerung von Valenciennes leitete er thätigen Beistand, erneuerte der Herzogin den verlangten Eid und brach endlich mit dem n zen von Oranien und den Geusen vollständig. Ruhe und Ordnung schienen durch ihn hergestellt, als Philipp II. im April 1567 den Herzog Alba als Rächer in die Niederlande schickte. Während der Prinz von Oranien und andere Häupter des Aufstandes das Land verließen, zog es der sanguinische, nur zu leicht vertrauende C. vor, zu bleiben, vorzüglich aus Besorgnis um seine Piipdtangelegenheiten und weil er sich durch seine Rückkehr zum Hofe völlig gesichert wähnte. Als Alba 22. Aug. zu Brüssel seinen Einzug hielt, näherte sich E. dem Statthalter, der ihn durch Gunst⸗ und Freundschaftsbezeigungen umgarnte, bis er ihn plötzlich 9. Sept. 1567 nach einer Staatsratssitzung auf verräterische Weise mit Hoorn verhaften und von Brüssel nach der Citadelle von Gent bringen ließ. Die Stände von Brabant suchten E. dem von Alba eingesetzten sog. Blutrate zu entziehen, wie denn E. als Ritter des Goldenen Vlieses ebenfalls die Kompetenz desselben bestritt; aber alles war vergebens. Es ward ihm aufgegeben, sich gegen 82 Klagepunkte zu rechtfertigen, und 4. Juni 1568 wurde er nebst dem Grafen Hoorn als Hochverräter zum Tode verurteilt. Am folgenden Tage fielen die Häupter beider auf dem Markte zu Brüssel. Keine Niederlage hat Philipp II. mehr eschadet als dieser, wie er meinte, große Triumph seiner Macht. E. aber ward, was er im Leben kaum gewesen, im Tode der unsterbliche Märtyrer der niederländ. Freiheit. E. hinterließ 11 eheliche Kinder, worunter 3 Söhne; seine bewegliche und unbewegliche Habe wurde in Beschlag genommen. Das Schicksal E.s ist von Goethe, allerdings mit vielfachen Abweichungen von der Geschichte, in seiner Tragödie Egmontobehandelt worden. Vgl. Bercht, «Geschichte des Grafen E. (pz. 1810); «Correspondance de Marguerite d'Autriche, duchesse de Parma (Brüss. 1842) und Correspondance de Philippe II sur les affaires des Pays-Baso (herausg. von Gachard, 3 Bde., Brüss. 1848—52); Motley, «The rise of the Dutch republice (3 Bde., Lond. 1856); Juste Le comte d'Egmont et leé comte de Hornese (Brüss. 1862).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 780Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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