Christian I., Fürst von Anhalt, geb. 11. Mai 1568 zu Bernburg, einer der hervorragendsten deutschen Fürsten seiner Zeit, kam 14jährig an den Hof Kaiser Rudolfs, um alsbald an einer Gesandtschaft desselben nach Konstantinopel dem Lursan Nach der Heimkehr lebte er meist an dem kursächsischen Hof, unternahm 1588 eine Reise nach Italien und zog 1591 als Führer eines deutschen Hilfsheeres Uzu König Heinrich von Navarra in den Kampf mißt, sind unter K aufzusuchen. gegen die Liguisten. Dieser Zug, der freilich keine großen Waffenerfolge brachte, war doch für C.s Leben entscheidend, indem er zum Calvinismus übertrat, sein ganzes Haus zu demselben Schritte bewog und fortan die Seele aller reformierten, gegen Habsburg und die kath. Reaktion gerichteten Bestrebungen wurde. Schon 1592 war er Führer des prot. Heeres in der Straßburger Bischofsfehde. Nach einigen Jahren ruhigen Lebens in der Heimat gewann ihn 1595 Friedrich IV. von der Pfalz zum Statthalter der Oberpfalz und seit diesem Jahre, wo er auch die Gräfin Anna von Bentheim heiratete, trat er von neuem in die große Politik ein, die in der pfälzischen Kanzlei einen ihrer Brennpunkte besaß. Er blieb in der I auch nachdem ihm 1603 durch eine neue Teilung der anhalt. Lande Bernburg zufiel. (S. unter Anhalt.) Im Sommer 1606 ging er als Gesandter des Kurfürsten nach Paris, um persönlich über die Union der prot. Fürsten zu verhandeln, zu der Heinrich IV. in Bundesgenossenschaft treten wollte. Aber erst nach dem Bruch zwischen Kaiser Rudolf und seinem Bruder Matthias und nach der Vergewaltigung Donauwörths durch Max I. von Bayern kam es, vor allem wieder durch C., 15. Mai 1608 in Ahausen bei Nördlingen zu dem Abschluß des Bündnisses. Unermüdlich arbeitete nun C., die Partei für den großen Kampf zu mehren und zu stählen. Im J. 1609 trat er vor Kaiser Rudolf als Gesandter der Union mit drohendem Nachdruck auf, 1610 übernahm er in dem Eonelerr. . Konflikt den Oberbefehl über das Unionsheer, fand jedoch nach der Ermordung Heinrichs IV. keine Gelegenheit mehr zu kriegerischem Auftreten. Erst der böhm. Krieg brachte die Entscheidung, wie für die Kurpfalz, so auch für C. Er führte das Heer, das am Weißen Berge bei Prag geschlagen wurde, ward Jan. 1621 mit dem Kurfürsten vom Kaiser geächtet, floh nach Schweden, dann nach Danemarf, wo er in Flensburg ein Asyl fand, bis er 1624 die Gnade des Kaisers erlangte. Seitdem lebte er zurückgezogen in Bernburg, unermüdlich bestrebt, die Leiden des Kriegs für sein Land zu mildern. Er starb 17. April 1630. Von seinen 16 Kindern überlebten ihn nur 3 Söhne und 2 Töchter. Vgl. Krebs, «C. von Anhalt und die kurpfälzische Politik‘ (Lpz. 1872).