Eichhörnchen, Eichhorn oder Eichkätzchen (Sciurus) heißt eine ungefähr 60 Arten zählende und über die ganze Welt verbreitete Gattung von mitSchlüsselbeinen ausgestattetenNagetieren, welche man der Familie der Hörnchen (Sciurida) zuzählt, in welcher außer den Eichhörnchen auch noch die Murmeltiere und Ziesel Platz finden. Wie alle mit Schlüsselbeinen versehenen Nager haben die Hörnchen eine große Beweglichkeit der Vorderpfoten, mit welchen sie die Nahrung zum Munde führen, sie beim Benagen halten u. s. w. Die vorn vierzehigen, zuweilen mit einem rudimentären Daumen versehenen, hinten fünfzehigen Pfoten sind stets mit starken, scharfen und krummen Krallen bewaffnet. Im Oberkiefer stehen je —. im Unterkiefer je vier Backzähne, deren schiefe Kronen flache Querwülste tragen. Die Gruppe der E. wird von drei Gattungen gebildet, den eigentlichen E. (Sciurus), den Flughörnchen (Pteromys) und den Erdhörnchen (Tamias). Erstere sind die zahlreichsten; sie haben gestreckten Leib, meist langen, buschigen, oft zweizeilig behaarten Schwanz, häufig einen kleinen Nagel an dem rudimentären Vorderdaumen und meist lebhafte Farben des Pelzes, der je nach dem Wohnorte und der Jahreszeit sehr wechselt. Bei den nordischen Arten ist der Pelz sehr weich, dicht, wollig, wird im Winter mehr grau; bei den tropischen Arten ist er sparsam und wird borstig, ja selbst stachelig. Die E., deren typische Art das gemeine C. (Sciurus vulgaris) ist, haben steife Haarpinsel an den Ohren. Alle sind flüchtige Waldbewohner, welche mit der größten Geschicklichkeit springen und klettern, im Norden und den gemäßigten Gegenden sich kugelige Nester auf den Bäumen oder in den Höhlungen derselben bauen, gegen Kälte und Nässe sehr empfindlich sind und sich von Sämereien aller Art, Nüssen und Früchten, aber auch von kleinen Vögeln und Eiern nähren. Unser gemeines E. ist fuchsrot, am Bauche weißlich; es gibt schwarze und ganz weiße Varietäten. Es ist über ganz Europa und Sibirien innerhalb der Baumregion verbreitet, wird im Norden im Winter grau und liefert das Grauwerk und Feh der Kürschner. Es ergötzt durch schöne Gestalt und Bewegungen, wird aber nie eigentlich zahm und anhänglich, bleibt bissig und eigensinnig und zeigt nur sehr untergeordnete Geistesgaben. In Sibirien vereinigt es sich im Winter in ⁷m Scharen, sodaß von dort mehrere Millionen Felle jährlich in den Handel gebracht werden. Es ist in jeder Beziehung, durch Benagen der Triebe im Frühjahr, das Zerstören der Nester und der Samen ein sehr schädliches Waldtier. In Nordamerika vereinigen sich mehrere Arten (Sc. niger, einereus) zuweilen in so ungeheuern Schwärmen, daß sie zur Landplage werden. Während unser E. höchstens 24 em Körperlänge erreicht, werden einige indische Arten (Sc. indicus, bicolor) bis zu 45 em lang, und andererseits erreicht eine auf Borneo und Sumatra lebende Art (S. exilis) nicht ganz 8 em Länge. Die Flughörnchen (Pteromys) unterscheiden sich dadurch, daß eine behaarte Flughaut zwischen den Beinen und dem Leibe ausgewannt ist, die als Fallschirm dient, sodaß sie sehr große schiefe Sprünge ausführen können. Es sind nächtliche Tiere. Im Nordosten Europas, in Sibirien und Nordamerika leben kleinere Arten (Pt. volitans, volucella), die einen kurzen Winterschlaf halten, in Ostindien und den Sunda-Inseln größere, die sog. Taguans (Pt. petaurista, nitidus). — Die Erd- oder Backenhörnchen (Tamias) bilden den übergang zu den Zieseln durch den Besitz von Backentaschen. Sie leben in Sibirien und Nordamerika gesellig in selbstgegrabenen Bauen, sammeln Vorräte ein und halten Winterschlaf. Der Schwanz ist kurz, wenig be-Haart. m Ohren rund, ohne Pinsel, der Pelz mit Längsstreifen geziert.