Enfantin (Barthelemy Prosper), Hauptvertreter des Saint-Simonismus 0 d.) und als solcher Pere Enfantin genannt, geb. zu Paris 8. Febr. 1796 als der Sohn eines Bankiers, trat 1812 in die Polytechnische Schule, woraus er 1814 verwiesen wurde, weil er sich den Zöglingen angeschlossen, welche die Schule verlassen und sich auf den Höhen von Montmartre gegen die Alliierten lusland, d hatten. Zunächst Handelsreisender in Rußland, dann Kommis bei einem Bankier, wurde er 1825 Direktor eines Kreditinstituts. Um diese Zeit führte ihn Olinde Rodrigues, einer seiner Freunde und Lieblingsschüler Saint-Simons (s. d.), zu diesem Philosophen, nach dessen Tode sie den Producteurgründeten, in dem E. Saint-Simons Ideen entwickelte. Nach der Julirevolution, als die Saint-Simonisten die Zeit für gekommen hielten, wo die von ihrem Meister geplante «Neue Welts in die Praxis —9½½ werden könne, verband sich E. mit Bazard (s. d.) und O. Rodrigues und weihte beide im Namen Saint-Simons zu hohen Vätern (Pères supremes). Jeder von ihnen zog jedoch aus den Lehren Saint-Simons besondere Folgerungen. E. indes verwandelte die Prinzipien in Dogmen, die Schule in eine Kirche und das Lehrerkorps in einen Priesterstand, eine Hierarchie. Die Häupter dieser Hierarchie zerfielen aber miteinander über einen Punkt der neuen Moral, der das Verhältnis zu den Frauen betraf, sodaß ein Schisma in der neuen Kirche eintrat. Der polit. Teil der Sekte mit Bazard trennte sich von dem Manne des Fleischeso, während die soziale Fraktion mit E. zusammenhielt, der von nun an le Pere hieß, sich von seinen bestallten Predigern für adas lebendige Gesetzo erklären ließ, allenthalben Späher nach der Messiasfrau ausschickte und mit seinem Anhange so extravagant wurde, daß der Saint-Simonismus dem Publikum lächerlich und verächtlich, der Regierung aber anstößig erschien. E. wurde mit einigen andern Häuptern der Sekte vor die Assisen gestellt und angeklagt, die öffentliche Moral und Sittsamkeit verletzt zu haben. Er brachte als Rechtsbeistände zwei Saint⸗-Simonistische Priesterinnen (Cecile Grchter und Aglas Saint-Hilaire) mit, die der Gerichtshof natürlich nicht zuließ, und wurde im Aug. 1832 zu zwei Jahren Gefängnis und 100 Frs. Geldstraße verurteilt. Die Verurteilung E.s und seiner und die lern löste die Bande der neuen Gesellschaft und die kleine Gemeinde zerstreute sich. Nach Verlauf einiger Monate aus der Haft entlassen, ging der Vater mit mehrern seiner Söhne nach Agypten, wo sie teilweise in Staatsdienste traten. E. selbst beschäftigte sich als Ingenieur des Paschas mit Arbeiten am Nil und Feststellung des Plans einer Kanalisierung des Isthmus von Suez, kehrte aber bald nach Frankreich zurück und lebte eine Zeit lang bei einem seiner Freunde in Grenoble. Sodann wurde er Postmeister in der Gegend von Lyon und darauf Mitglied der wissenschaftlichen Kommission von Algier, welche im Auftrage der Regierung die Kolonisationsfrage untersuchen sollte, über welche Frage er ein verständiges Buch: «Colonisation de Algéries (Par. 1843), herausgab. Nach der Februarrevolution redigierte er das Journal Le crédit publicv, ein Blatt, welches viel von dem alten Saint-Simonistischen Charakter an sich hatte, übrigens nach einigen Monaten aus Geldmangel iner Später war er bei der Verwaltung einer Eisenbahn angestellt und lebte in günstigen Verhältnissen. Seiner . blieb er stets treu bis zu seinem Tode, 31. Aug. 1864. Zum Oberhaupt der Sekte hatte er vorher noch Arles Dufour ernannt. E. u wenig geschrieben; er wirkte mehr durch seine albungsvolle Rednergabe und seine bedeutende Persönlichkeit. Seine Hauptschriften sind der Traité d'économie politiques (Par. 1830) und La religion Saint-Simonienne (Par. 1831). Eine Sammlung seiner Briefe und Schriften zusammen mit denen von Saint-Simon erschien zu Paris (1871 fg.).